Deutschland, Israel

Deutschland und Israel - leichte Störungen zum JubilÀum

12.05.2025 - 04:56:35

Das VerhÀltnis zwischen Deutschland und Israel war schon einmal sorgenfreier. Unter dem Eindruck des Krieges in Gaza feiern beide Staaten die Aufnahme diplomatischer Beziehungen vor 60 Jahren.

Das AuswÀrtige Amt spricht von einer «Freundschaft, die ein Geschenk ist»: Vor genau 60 Jahren haben Deutschland und Israel diplomatische Beziehungen aufgenommen. Das JubilÀum fÀllt vor allem wegen des Krieges im Gazastreifen in eine nicht einfache Zeit. Zur Feier des Jahrestages wird Israel StaatsprÀsident Izchak Herzog heute in Berlin erwartet. BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier wird dann am Dienstag und Mittwoch Israel besuchen. 

Ein solcher Doppelbesuch, wie ihn das BundesprĂ€sidialamt nennt, ist historisch einmalig. Beide PrĂ€sidenten werden von ihren Frauen Michal Herzog und Elke BĂŒdenbender begleitet. 

Beginn diplomatischer Beziehungen 20 Jahre nach Kriegsende 

Bundeskanzler Ludwig Erhard und der israelische MinisterprÀsident Levi Eschkol hatten am 12. Mai 1965 die Aufnahme diplomatischer Beziehungen vereinbart. Vorausgegangen war eine schrittweise AnnÀherung beider Staaten, deren VerhÀltnis durch den Holocaust, die Ermordung von rund sechs Millionen Juden durch Hitler-Deutschland extrem belastet gewesen war. 

Seitdem haben Deutschland und Israel ein enges Netz politischer, wirtschaftlicher, militĂ€rischer, wissenschaftlicher und kultureller Beziehungen geknĂŒpft. Sie werden ergĂ€nzt durch einen regen Jugendaustausch und mehr als 100 StĂ€dtepartnerschaften. Die jĂŒngste wurde soeben zwischen der deutschen Hauptstadt Berlin und der israelischen Metropole Tel Aviv besiegelt. Israel nennt Deutschland heute seinen zweitwichtigsten strategischen Partner in der Welt gleich nach den USA.

Sicherheit Israels fĂŒr Deutschland StaatsrĂ€son

Die Normalisierung der Beziehungen spiegelt sich auch in gegenseitigen Besuchen wider. Im Februar 2000 sprach BundesprĂ€sident Johannes Rau als erstes deutsches Staatsoberhaupt vor der Knesset, dem israelischen Parlament. Auf Deutsch, der Sprache der TĂ€ter des Holocaust, bat er um Vergebung fĂŒr diese Taten. Und er betonte: «Die Mitverantwortung fĂŒr Israel ist ein Grundgesetz deutscher Außenpolitik seit GrĂŒndung unseres Staates.»

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hielt im MĂ€rz 2008 eine Rede in der Knesset - als erste auslĂ€ndische Regierungschefin ĂŒberhaupt. Auch sie betonte Deutschlands Verantwortung fĂŒr Israel und formulierte in Anlehnung an Rau ein bis heute gĂŒltiges Bekenntnis: «Diese historische Verantwortung ist Teil der StaatsrĂ€son meines Landes.»

Nochmals zwölf Jahre spĂ€ter, im Januar 2020, sprach Steinmeier als erster BundesprĂ€sident in der GedenkstĂ€tte Yad Vashem beim Internationalen Holocaust Forum. Er stehe hier «beladen mit großer historischer Schuld», sagte er mit Blick auf den «industriellen Massenmord an sechs Millionen JĂŒdinnen und Juden».

PrÀsidenten haben drei Tage lang gemeinsames Programm

Steinmeier wird Herzog am Vormittag im Schloss Bellevue mit militĂ€rischen Ehren empfangen. An ein GesprĂ€ch der beiden PrĂ€sidenten wird sich eine Pressekonferenz anschließen. Steinmeier und Herzog werden spĂ€ter an einem Treffen von deutschen und israelischen Jugendlichen teilnehmen und am Mahnmal Gleis 17 des Bahnhofs Berlin-Grunewald der von hier aus in die Arbeits- und Konzentrationslager deportierten Juden gedenken.

Steinmeier wird in Israel dann unter anderem mit MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu und mit Abgeordneten der Knesset sprechen. Auf dem Programm steht auch ein Besuch in einem Kibbuz. Vorgesehen ist zudem ein Besuch der neuen Nationalbibliothek sowie die Auszeichnung Steinmeiers mit der Ehrenmedaille des israelischen PrÀsidenten. 

Israels Vorgehen in Gaza verstört deutsche Politik

Das JubilĂ€um wird in schwierigen Zeiten gefeiert. Die KriegsfĂŒhrung Israels im Gazastreifen mit vielen toten Zivilisten und die katastrophale humanitĂ€re Lage dort wurden von der alten Bundesregierung immer wieder kritisiert und werden auch von der neuen kritisch gesehen. 

Der Jahrestag der bilateralen Beziehungen sei Anlass zur Freude ĂŒber das Wunder der deutsch-israelischen Versöhnung, heißt es im BundesprĂ€sidialamt. Gleichzeitig wolle nicht so recht Feierstimmung aufkommen. «Wir schauen mit grĂ¶ĂŸter Sorge auf Israel. Wir schauen mit grĂ¶ĂŸter Sorge auf das Leiden der Zivilbevölkerung im Gazastreifen.» 

Das BundesprĂ€sidialamt kĂŒndigte an, Steinmeier werde in seinen GesprĂ€chen die israelischen Partner dazu aufrufen, die Zivilbevölkerung im Gazastreifen zu schĂŒtzen und das humanitĂ€re Völkerrecht zu achten. «Er möchte seine GesprĂ€chspartner auch dringend ermuntern, den Einstieg in politische Verhandlungen zu suchen.» 

Herzog sagte dazu soeben in einem ZDF-Interview: «Wir schauen immer auf die Schmerzen von Menschen in Konflikten und wir befolgen das humanitĂ€re Völkerrecht.» Man mĂŒsse aber auch verstehen, wem Israel gegenĂŒberstehe. «Das ist eine Infrastruktur des Terrors. Und die wird gesteuert von Hamas in den HĂ€usern, in den Wohnzimmern, in den Schlafzimmern.» 

Zunehmender Antisemitismus besorgt Israel 

Israel wiederum beobachtet den wachsenden Antisemitismus in Deutschland mit großer Sorge. Dieser hat nach dem Überfall der islamistischen Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 nochmals drastisch zugenommen, wie in einem Bericht der Bundesregierung vom Dezember vergangenen Jahres festgestellt wird. «Der terroristische Überfall hat auch die Bedrohungslage der JĂŒdinnen und Juden in Deutschland deutlich erhöht.»

Dringlicher denn je scheint heute ein Versprechen zu sein, das Steinmeier schon in seiner Rede in Yad Vashem 2020 abgab: «Wir bekĂ€mpfen den Antisemitismus! Wir trotzen dem Gift des Nationalismus! Wir schĂŒtzen jĂŒdisches Leben! Wir stehen an der Seite Israels!»

@ dpa.de