Kritik, Aussetzung

Kritik an Aussetzung des Familiennachzugs – Syrer betroffen

06.06.2025 - 10:42:24

Der aktuell auf 1.000 Angehörige pro Monat beschrĂ€nkte Familiennachzug zu Menschen mit eingeschrĂ€nktem Schutzstatus soll fĂŒr zwei Jahre ausgesetzt werden. GrĂŒne und Linke finden das unmenschlich.

  • Die Frage, ob und in welchem Umfang auch Menschen mit subsidiĂ€rem Schutz ihre Angehörigen zu sich nach Deutschland holen dĂŒrfen, beschĂ€ftigt die Politik seit Jahren. (Archivbild) - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

    Bernd von Jutrczenka/dpa

  • Die GrĂŒnen warfen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) in der Debatte vor, er imitiere mit seiner Betonung der Probleme der «illegalen Migration» die AfD. - Foto: Katharina Kausche/dpa

    Katharina Kausche/dpa

Die Frage, ob und in welchem Umfang auch Menschen mit subsidiĂ€rem Schutz ihre Angehörigen zu sich nach Deutschland holen dĂŒrfen, beschĂ€ftigt die Politik seit Jahren. (Archivbild) - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpaDie GrĂŒnen warfen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) in der Debatte vor, er imitiere mit seiner Betonung der Probleme der «illegalen Migration» die AfD. - Foto: Katharina Kausche/dpa

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat in der ersten Beratung des Bundestages zur geplanten Aussetzung des Familiennachzugs seinen Willen zur Begrenzung der irregulĂ€ren Zuwanderung bekrĂ€ftigt. Es gebe «nicht einen einzigen Schalter, den man umlegen kann und dann ist das Problem der illegalen Migration gelöst», sagte der CSU-Politiker. Notwendig dafĂŒr sei vielmehr eine Vielzahl von Maßnahmen auf nationaler und europĂ€ischer Ebene, die von der Bundesregierung nun Schritt fĂŒr Schritt umgesetzt wĂŒrden.

In den Reihen von GrĂŒnen und Linken sorgten seine Äußerungen fĂŒr Verwunderung. Schließlich handele es sich beim Familiennachzug nicht um irregulĂ€re Migration, sondern um ein geordnetes Verfahren, bei dem klar sei, wer ins Land komme. Wer legale Wege blockiere, befördere das GeschĂ€ft der Schleuser, sagte die GrĂŒnen-Abgeordnete Schahina Gambir. Die geplante Reform sei unmenschlich, denn «Familien gehören zusammen», kritisierte sie.

Die Linken-Politikerin Clara BĂŒnger nannte den Entwurf von Union und SPD «antichristlich» und «familienfeindlich». Er treibe Menschen in die IllegalitĂ€t, statt legale Wege zu schaffen.

Bisher maximal 12.000 Angehörige pro Jahr

Der Familiennachzug zu Menschen mit eingeschrĂ€nktem Schutzstatus ist – anders als fĂŒr andere anerkannte FlĂŒchtlinge – jetzt schon beschrĂ€nkt auf 1.000 Angehörige pro Monat. Er soll laut dem Entwurf der Koalition fĂŒr zwei Jahre ganz ausgesetzt werden.

Nur in «HĂ€rtefĂ€llen» sollen subsidiĂ€r Schutzberechtigte – in diese Kategorie fallen viele Menschen aus Syrien – dann noch Ehepartner, minderjĂ€hrige Kinder und im Fall unbegleiteter MinderjĂ€hrige die Eltern nachholen dĂŒrfen.

Außerdem sieht der Entwurf, ĂŒber den noch abschließend beraten werden muss, vor, das Ziel einer «Begrenzung» der Zuwanderung wieder gesetzlich zu verankern. Diesen Begriff hatte die Ampel-Regierung aus dem Aufenthaltsrecht gestrichen.

Zahl der AsylantrĂ€ge ging zuletzt zurĂŒck

Im Jahr 2023 wurden in Deutschland 329.120 AsylerstantrĂ€ge gestellt, im darauffolgenden Jahr stellten 229.751 Menschen erstmals einen Asylantrag. In den ersten fĂŒnf Monaten dieses Jahres ging die Zahl der AsylantrĂ€ge weiter zurĂŒck.

Dabei ist unter Migrationsexperten umstritten, ob dies eher die Folge der in den vergangenen Jahren sukzessive angeordneten stationĂ€ren Kontrollen an allen deutschen Binnengrenzen ist oder das Ergebnis von Maßnahmen anderer Staaten wie etwa Serbien und Polen. «Grenzkontrollen wirken und deshalb setzen wir sie auch weiter fort», sagte Dobrindt.

Schwieriger Kompromiss fĂŒr die SPD

Redner der SPD betonten, der mit der Union vereinbarte Kompromiss zum Familiennachzug sei ihrer Fraktion schwergefallen. Rasha Nasr (SPD) sagte, das Vorhaben sei «Ausdruck dessen, was politisch möglich war». Sie plĂ€dierte dafĂŒr, die HĂ€rtefallregelung flexibel zu gestalten. Als frĂŒhere Integrationsbeauftragte wisse sie, das Familienleben sei ein «wesentlicher Baustein fĂŒr gelingende Integration».

Throm verweist auf neue Lage in Syrien

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm, sagte, der Familiennachzug fĂŒr subsidiĂ€r Schutzberechtigte stelle einen erheblichen «Pull-Faktor» dar. Der CDU-Politiker verwies darauf, dass Menschen aus Syrien weiterhin die Möglichkeit hĂ€tten zu arbeiten, den eigenen Lebensunterhalt zu sichern und somit einen anderen Aufenthaltstitel zu erhalten, der den Familiennachzug gestattet. Außerdem habe sich die Lage in Syrien durch den Sturz von PrĂ€sident Baschar al-Assad grundlegend geĂ€ndert, womit auch eine RĂŒckkehr in die alte Heimat möglich sei.

Der AfD ist die geplante Änderung, die zunĂ€chst auf zwei Jahre befristet ist, nicht weitgehend genug. Ihr Innenpolitiker Gottfried Curio sprach von einer «Migrationswende mit angezogener Handbremse».

Laut AuslÀnderzentralregister hielten sich zum Stichtag 31. MÀrz 2025 in Deutschland 388.074 Menschen mit einer Aufenthaltserlaubnis zum subsidiÀren Schutz auf.

@ dpa.de