Kritik an Aussetzung des Familiennachzugs â Syrer betroffen
06.06.2025 - 10:42:24Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat in der ersten Beratung des Bundestages zur geplanten Aussetzung des Familiennachzugs seinen Willen zur Begrenzung der irregulĂ€ren Zuwanderung bekrĂ€ftigt. Es gebe «nicht einen einzigen Schalter, den man umlegen kann und dann ist das Problem der illegalen Migration gelöst», sagte der CSU-Politiker. Notwendig dafĂŒr sei vielmehr eine Vielzahl von MaĂnahmen auf nationaler und europĂ€ischer Ebene, die von der Bundesregierung nun Schritt fĂŒr Schritt umgesetzt wĂŒrden.
In den Reihen von GrĂŒnen und Linken sorgten seine ĂuĂerungen fĂŒr Verwunderung. SchlieĂlich handele es sich beim Familiennachzug nicht um irregulĂ€re Migration, sondern um ein geordnetes Verfahren, bei dem klar sei, wer ins Land komme. Wer legale Wege blockiere, befördere das GeschĂ€ft der Schleuser, sagte die GrĂŒnen-Abgeordnete Schahina Gambir. Die geplante Reform sei unmenschlich, denn «Familien gehören zusammen», kritisierte sie.
Die Linken-Politikerin Clara BĂŒnger nannte den Entwurf von Union und SPD «antichristlich» und «familienfeindlich». Er treibe Menschen in die IllegalitĂ€t, statt legale Wege zu schaffen.
Bisher maximal 12.000 Angehörige pro Jahr
Der Familiennachzug zu Menschen mit eingeschrĂ€nktem Schutzstatus ist â anders als fĂŒr andere anerkannte FlĂŒchtlinge â jetzt schon beschrĂ€nkt auf 1.000 Angehörige pro Monat. Er soll laut dem Entwurf der Koalition fĂŒr zwei Jahre ganz ausgesetzt werden.
Nur in «HĂ€rtefĂ€llen» sollen subsidiĂ€r Schutzberechtigte â in diese Kategorie fallen viele Menschen aus Syrien â dann noch Ehepartner, minderjĂ€hrige Kinder und im Fall unbegleiteter MinderjĂ€hrige die Eltern nachholen dĂŒrfen.
AuĂerdem sieht der Entwurf, ĂŒber den noch abschlieĂend beraten werden muss, vor, das Ziel einer «Begrenzung» der Zuwanderung wieder gesetzlich zu verankern. Diesen Begriff hatte die Ampel-Regierung aus dem Aufenthaltsrecht gestrichen.
Zahl der AsylantrĂ€ge ging zuletzt zurĂŒck
Im Jahr 2023 wurden in Deutschland 329.120 AsylerstantrĂ€ge gestellt, im darauffolgenden Jahr stellten 229.751 Menschen erstmals einen Asylantrag. In den ersten fĂŒnf Monaten dieses Jahres ging die Zahl der AsylantrĂ€ge weiter zurĂŒck.
Dabei ist unter Migrationsexperten umstritten, ob dies eher die Folge der in den vergangenen Jahren sukzessive angeordneten stationĂ€ren Kontrollen an allen deutschen Binnengrenzen ist oder das Ergebnis von MaĂnahmen anderer Staaten wie etwa Serbien und Polen. «Grenzkontrollen wirken und deshalb setzen wir sie auch weiter fort», sagte Dobrindt.
Schwieriger Kompromiss fĂŒr die SPD
Redner der SPD betonten, der mit der Union vereinbarte Kompromiss zum Familiennachzug sei ihrer Fraktion schwergefallen. Rasha Nasr (SPD) sagte, das Vorhaben sei «Ausdruck dessen, was politisch möglich war». Sie plĂ€dierte dafĂŒr, die HĂ€rtefallregelung flexibel zu gestalten. Als frĂŒhere Integrationsbeauftragte wisse sie, das Familienleben sei ein «wesentlicher Baustein fĂŒr gelingende Integration».
Throm verweist auf neue Lage in Syrien
Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm, sagte, der Familiennachzug fĂŒr subsidiĂ€r Schutzberechtigte stelle einen erheblichen «Pull-Faktor» dar. Der CDU-Politiker verwies darauf, dass Menschen aus Syrien weiterhin die Möglichkeit hĂ€tten zu arbeiten, den eigenen Lebensunterhalt zu sichern und somit einen anderen Aufenthaltstitel zu erhalten, der den Familiennachzug gestattet. AuĂerdem habe sich die Lage in Syrien durch den Sturz von PrĂ€sident Baschar al-Assad grundlegend geĂ€ndert, womit auch eine RĂŒckkehr in die alte Heimat möglich sei.
Der AfD ist die geplante Ănderung, die zunĂ€chst auf zwei Jahre befristet ist, nicht weitgehend genug. Ihr Innenpolitiker Gottfried Curio sprach von einer «Migrationswende mit angezogener Handbremse».
Laut AuslÀnderzentralregister hielten sich zum Stichtag 31. MÀrz 2025 in Deutschland 388.074 Menschen mit einer Aufenthaltserlaubnis zum subsidiÀren Schutz auf.





