ROUNDUPBund, Vorerst

Vorerst keine Enteignung der Rosneft-Anteile an Raffinerie PCK

07.03.2024 - 16:26:12

Der Bund verzichtet vorerst auf eine Enteignung der Anteile des russischen Staatskonzerns Rosneft an drei deutschen Raffinerien und verlÀngert stattdessen die Treuhand-Verwaltung um weitere sechs Monate.

Dies teilte das Wirtschaftsministerium am Donnerstag in Berlin mit. Ziel ist, dass Rosneft seine Anteile freiwillig verkauft - insbesondere die Mehrheit an der Großraffinerie PCK in Schwedt, die Millionen Menschen im Nordosten mit Benzin, Diesel und Kerosin versorgt.

Zwei deutsche Töchter des russischen Staatskonzerns Rosneft besitzen eine Mehrheit von 54 Prozent an der riesigen Industrieanlage in Schwedt. Minderheitsanteile hat Rosneft zudem an zwei weiteren Raffinerien in Baden-WĂŒrttemberg und Bayern. Insgesamt kontrolliert der russische Konzern damit etwa zwölf Prozent der deutschen KapazitĂ€t zur Erdölverarbeitung.

"Die Bundesregierung hat sich zu einer nochmaligen VerlĂ€ngerung der Treuhandverwaltung entschieden, nachdem die russischen EigentĂŒmer ihre Absicht erklĂ€rt hatten, in der verlĂ€ngerten Laufzeit ihre Anteile" an den beiden Tochterfirmen zu verĂ€ußern", teilte das Ministerium mit. "Ein Verkauf wĂ€re der rechtssicherste und damit auch schnellste Weg, um Investitionen in die Raffinerien zu ermöglichen und so die Standorte zu sichern."

Im September 2022 stellte der Bund die Rosneft-Töchter unter Treuhandverwaltung, die seither alle sechs Monate verlĂ€ngert wurde. Hintergrund: Die Ampel-Koalition wollte wegen des Ukraine-Kriegs den Import von russischem Pipeline-Öl stoppen, was Rosneft als Mehrheitseigner in Schwedt wohl nicht mitgemacht hĂ€tte. Inzwischen wird dort tatsĂ€chlich kein russisches Öl mehr verarbeitet - die Bezugsquellen wurden umgestellt. Ein Teil des Rohöls kommt per Tanker ĂŒber den Hafen Rostock, ein Teil ĂŒber den polnischen Hafen Danzig, ein Teil per Pipeline aus Kasachstan.

Da die Treuhand-Lösung nur befristet gelten sollte, drohte das Bundeswirtschaftsministerium mit einer Enteignung der Rosneft-Anteile. Rechtlich wĂ€re dies möglich. BefĂŒrchtet wurden jedoch neue Spannungen mit Russland und ein Rechtsstreit in Deutschland. Bundeskanzleramt und Bundesfinanzministerium waren Medienberichten zufolge skeptisch. Stattdessen will Rosneft dem Vernehmen nach die Beteiligungen nun selbst verkaufen. Die VerlĂ€ngerung der Treuhand soll Zeit zur KĂ€ufersuche lassen.

Der Bund könnte damit wahrscheinlich auch eine EntschĂ€digung fĂŒr Rosneft aus der Staatskasse vermeiden. Die Produktion von Benzin, Diesel und Co dĂŒrfte in jedem Fall zunĂ€chst wie bisher weiter laufen und die Versorgung gesichert sein. FĂŒr die rund 1200 BeschĂ€ftigten des PCK und Hunderte weitere bei Partnerfirmen bleibt allerdings vorerst unklar, wie es mit dem Betrieb genau weitergeht.

Rosneft hÀlt neben den 54 Prozent an PCK in Schwedt auch 24 Prozent an der Raffinerie Miro in Karlsruhe und 28,6 Prozent an Bayernoil mit Sitz in Neustadt an der Donau.

Kurzfristig soll eigentlich eine kleine Pipeline vom Hafen Rostock fĂŒr die Ölzufuhr nach Schwedt erweitert werden. Die EU-Kommission hat die vom Bund beantragte Beihilfe von rund 400 Millionen Euro aber bislang nicht freigegeben. Absehbar braucht die Raffinerie Milliardeninvestitionen, um sich fĂŒr eine Zukunft mit Wasserstoffproduktion zu rĂŒsten.

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Christian Görke ĂŒbt Kritik. "Das ist die nĂ€chste energiepolitische Schleife der Ampel, ohne dass sie mit der EigentĂŒmerstruktur beim PCK nach zwei Jahren Krieg weiter ist", sagte Görke. "Geblieben ist weitere Verunsicherung in der Region ĂŒber die Zukunft der Raffinerie und den langfristigen Erhalt der ArbeitsplĂ€tze."

Falls der Bund den Verkauf der Rosneft-Anteile an einen strategischen Partner anstrebe, mĂŒsse es ein starker Investor sein, der den Wandel zu einer grĂŒnen Raffinerie finanziell stemmen könne, meinte Görke. Er plĂ€dierte erneut fĂŒr den Verkauf an einen kasachischen Staatskonzern, der aus seiner Sicht mehr Öl nach Schwedt liefern und die Umstellung auf Wasserstoff tragen könnte.

@ dpa.de