Anwaltverein gegen Priorisierung von Verfahren zu Pro-PalÀstina-Demos
19.10.2023 - 21:24:13Vergangene Woche hat der Justizminister in Hessen, Roman Poseck (CDU), verkĂŒndet, dass durch eine VerfĂŒgung der Generalstaatsanwalt alle hessischen Staatsanwaltschaften angehalten seien, Verfahren "im Kontext des Terrorangriffs auf Israel" eine hohe PrioritĂ€t zu geben. Sven Rebehn, Vorsitzender des Deutschen Richterbunds, sagte der Zeitung, Strafverfahren wegen antisemitisch motivierter Straftaten wĂŒrden von der Justiz generell mit höchster PrioritĂ€t gefĂŒhrt. "In vielen BundeslĂ€ndern gibt es bereits seit Jahren Leitlinien der Generalstaatsanwaltschaften, die eine einheitliche, sehr stringente Strafverfolgung sicherstellen." DarĂŒber hinaus seien auch Schnellverfahren sinnvoll. "Es ist wichtig, dass eine Strafe der Tat nicht irgendwann, sondern möglichst auf dem FuĂ folgt, damit sie abschreckend wirkt", so Rebehn. Allerdings seien zusĂ€tzliche StaatsanwĂ€lte und Richter notwendig, damit geeignete FĂ€lle noch hĂ€ufiger im beschleunigten Verfahren bearbeitet werden könnten. "Die Verfahrensform ist personalaufwendig, weil sie kurze Wege und durchgehende Erreichbarkeiten bei Polizei, Staatsanwaltschaften und Strafgerichten vor Ort voraussetzt." Kempgens vom Deutschen Anwaltverein argumentiert, bei den Demonstranten in Berlin-Neukölln wĂŒrden Schnellverfahren nur selten zur Anwendung kommen können. "Die in Rede stehenden FĂ€lle dĂŒrften angesichts des meist komplexen und von mehreren Akteuren geprĂ€gten Gesamtgeschehens und der damit verbundenen umfassenden Beweislage sehr selten fĂŒr die Behandlung im beschleunigten Verfahren geeignet sein."


