Arbeitsmarkt, Gesellschaft

Ökonomen befürworten Rente mit 70

21.05.2026 - 09:45:40 | dts-nachrichtenagentur.de

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, befürwortet eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre und ein geringeres Rentenniveau.Jede Reform der gesetzlichen Rentenversicherung könne substantiell nur in der Logik des Umlageverfahrens stattfinden, sagte Hüther der "Rheinischen Post".

Senioren (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur
Senioren (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur
Da gebe es - abgesehen von der sachgerechten Finanzierung versicherungsfremder Leistungen über Steuermittel (Bundeszuschuss) - nur drei Stellschrauben: den Beitragssatz, das Rentenniveau und das Rentenzugangsalter. Insofern seien die Vorschläge "so richtig wie erwartbar", sagte der IW-Chef.

Die Anhebung des Rentenzugangsalters entspreche einer längeren Einzahlungsperiode, die für sich genommen das Rentenniveau stabilisieren helfe, ohne den Beitragssatz anzuheben. Da der Staat mit der reformierten Förderung der privaten Altersvorsorge unterstützend eingreife, sei das Rentenniveau aus beiden Quellen entsprechend höher. "Das ist fair, da gerade jüngere Jahrgänge - die es vor allem betrifft - eine entsprechende Anpassungszeit haben. Zudem verhindert der weniger stark ansteigende oder gar stabile Beitragssatz die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Arbeitsplätze", so der Chef des arbeitgebernahen Instituts.

Ähnlich äußerte sich DIW-Präsident Marcel Fratzscher. "Die Rente mit 70 ist unvermeidbar und es ist richtig, dass die Erhöhung des Renteneintrittsalters recht schnell kommen soll", sagte Fratzscher der "Rheinischen Post". Eine Reduzierung des Rentenniveaus sei notwendig und Teil des Versprechens, dass auch die Babyboomer sich an der demografischen Alterung beteiligen müssten - durch den sogenannten Nachhaltigkeitsfaktor, sagte der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) .

"Eine Rentenreform muss zwingend die Umverteilung von Arm zu Reich beenden, da Menschen mit geringeren Lebenseinkommen und Rente eine deutlich kürzere Lebenserwartung haben", mahnte er allerdings. "Eine Reduzierung des Rentenniveaus auf 46 Prozent für Menschen mit geringer Rente wäre ein schwerwiegender Fehler, weil dies die eh schon hohe Altersarmut noch verstärken würde."

Die "Bild" hatte berichtet, die Rentenreformkommission wolle vorschlagen, das Rentenalter ab 2061 auf 70 Jahre anzuheben und das Rentenniveau ab 2031 von derzeit 48 auf 46 Prozent zu senken. Einige Mitglieder der Kommission haben dies allerdings bereits dementiert.

de | politik | 69388963 |

Weitere Meldungen

Rentenkommission soll Empfehlung früher abgeben Die Rentenkommission der Bundesregierung soll ihre Empfehlungen für die Reform der Alterssicherung schon am Dienstag kommender Woche (23. (Politik, 15.06.2026 - 17:37) weiterlesen...

Krings: Union und SPD werden Arbeitszeitreform lösen Der stellvertretende Unionsfraktionschef Günter Krings ist zuversichtlich, dass Union und SPD beim Thema Arbeitszeitreform auf Grundlage des Koalitionsvertrags eine Lösung finden. (Politik, 15.06.2026 - 11:50) weiterlesen...

SPD erwartet Einigung mit Union bei Arbeitszeitgesetz SPD-Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese erwartet eine Einigung mit der Union über die Reform des Arbeitszeitgesetzes."Nach der klaren Verabredung im Koalitionsvertrag ist keine Abschaffung des Arbeitszeitgesetzes geplant, sondern die Ermöglichung einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit bei gleichzeitig verpflichtender digitaler Zeiterfassung, so dass es keine unbezahlten Überstunden mehr gibt", sagte Wiese den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. (Politik, 15.06.2026 - 01:00) weiterlesen...

Ex-SPD-Chef Beck warnt Regierung vor Reform-Überforderung Der frühere SPD-Chef Kurt Beck hat die Bundesregierung vor einer Überforderung bei den geplanten Reformen gewarnt. (Politik, 14.06.2026 - 01:00) weiterlesen...

Spahn pocht auf flexiblere Arbeitszeiten Nach dem Reform-Gipfel mit Wirtschaftsvertretern und Gewerkschaften im Kanzleramt drängt Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) auf eine Reform des Arbeitszeitrechts.Bei der Wochenarbeitszeit sei es etwas ganz Lebenspraktisches, sagte Spahn der "Bild am Sonntag". (Politik, 14.06.2026 - 00:00) weiterlesen...

Dehoga warnt vor Jobverlust durch Warken-Pläne Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga sieht durch die Reformpläne von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) Jobs gefährdet. (Politik, 13.06.2026 - 12:47) weiterlesen...