WĂ€rmewende, Heizungsstreit

Ampel-Vorhaben: LĂ€nder sollen PlĂ€ne fĂŒr WĂ€rmewende liefern

24.05.2023 - 15:46:32

Der eine Heizungsstreit ist noch in vollem Gange - da kommt der nÀchste. Die Regierung will kleinteilige Daten zu GebÀuden und Energieverbrauch erheben. Das gefÀllt nicht allen.

Mitten im Ringen um das Heizungsgesetz zeichnet sich der nĂ€chste Konflikt bei dem Thema ab. Die LĂ€nder sollen nach dem Willen der Bundesregierung in den kommenden Jahren PlĂ€ne vorlegen, wie die WĂ€rmewende vor Ort umgesetzt werden soll. FĂŒr GroßstĂ€dte sollen diese WĂ€rmeplĂ€ne bis Ende 2026 fertig sein, kleinere StĂ€dte sollen zwei Jahre lĂ€nger Zeit haben, wie aus einem Gesetzesentwurf (Stand: 3. Mai) der Bundesregierung hervorgeht, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zuvor hatten das Medienhaus Table Media und die «Bild» ĂŒber den Referentenentwurf berichtet.

Verantwortlich dafĂŒr sollen die BundeslĂ€nder sein, die diese Aufgabe jedoch direkt an die Kommunen ĂŒbertragen können. Sie sollen Angaben machen, wie in konkreten GebĂ€uden oder Unternehmen geheizt und wie viel Energie verbraucht wird. Konkret sollen etwa «gebĂ€udescharfe jĂ€hrliche EndenergieverbrĂ€uche leitungsgebundener EnergietrĂ€ger der letzten drei Jahre in Kilowattstunden pro Jahr» möglichst erfasst werden, dazu Adresse, Nutzung und Baujahr. Auch zu WĂ€rmenetzen will die Regierung Informationen sammeln - darunter die Auslastung oder TrassenlĂ€ngen.

Bauministerin Klara Geywitz (SPD) und Wirtschaftsminister Robert Habeck (GrĂŒne) hatten den kommunalen WĂ€rmeplan bereits angekĂŒndigt. Habeck begrĂŒndete das Vorhaben damit, dass die WĂ€rmewende nur vor Ort umgesetzt werden könne, es aber einen starken Bedarf nach Koordinierung gebe.

Personalmangel in den Kommunen gefÀhrdet Vorhaben

Der Deutsche StĂ€dte- und Gemeindebund warnte, der akute Personalmangel in den Kommunen könne das Vorhaben gefĂ€hrden. Bis 2035 werde ein Drittel der BeschĂ€ftigten ausscheiden, warnte HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Gerd Landsberg. «Das wird ein Hemmschuh auch bei der kommunalen WĂ€rmeplanung», sagte er der «Bild».

Lob kam vom Verband kommunaler Unternehmen. Mit den WĂ€rmeplĂ€nen hĂ€tten Kommunen Freiraum fĂŒr Lösungen, die am besten geeignet und die kostengĂŒnstigsten fĂŒr BĂŒrger seien. «Sie können anhand der PlĂ€ne ihrer Kommune sehen, ob wirklich nur eine WĂ€rmepumpe mit Anschluss ans Stromnetz in Betracht kommt oder die Möglichkeit entstehen wird, ans FernwĂ€rmenetz angeschlossen zu werden oder das Gasnetz vor der TĂŒr auf grĂŒne Gase, wie Biomethan oder Wasserstoff, umgerĂŒstet werden soll.» Ein detailliertes Kataster werde nicht gebraucht.

Die Opposition kritisierte den Plan der Ampel als realitĂ€tsfern. «Nach dem Heizhammer kommt der grĂŒne Heizpranger», sagte CSU-GeneralsekretĂ€r Martin Huber der Deutschen Presse-Agentur. Mit dem Sammeln der Daten ĂŒber die Heizgewohnheiten von BĂŒrgern wollten die GrĂŒnen ein «BĂŒrokratiemonster» schaffen. FederfĂŒhrend bei dem Gesetz ist allerdings das SPD-gefĂŒhrte Bauministerium.

Das andere große Konfliktthema

WĂ€hrenddessen kommt das andere große Konfliktthema der Ampelkoalition - der geplante Austausch von Öl- und Gasheizungen - nicht zur Ruhe. Die GrĂŒnen-Politikerin Irene Mihalic warf der FDP am Mittwoch vor, sich «wie eine Opposition mit MinisterĂ€mtern» zu verhalten. Die Freidemokraten hatten wegen Bedenken verhindert, dass das Gesetz noch in dieser Woche im Parlament beraten wird. Am Mittwoch sollte im Bundestag eine Aktuelle Stunde zum Thema stattfinden.

Uneinigkeit besteht darĂŒber, ob das Gesetz trotzdem vor der Sommerpause verabschiedet werden kann. Mehrere FDP-Politiker halten das angesichts vieler Fragen ihrer Partei fĂŒr unmöglich.

Nach dem vom Bundeskabinett beschlossenen Entwurf soll von 2024 an möglichst jede neueingebaute Heizung zu 65 Prozent mit Öko-Energie betrieben werden. Das soll fĂŒr alle EigentĂŒmer bis zum Alter von 80 Jahren gelten. Bestehende Öl- und Gasheizungen können weiter betrieben und kaputte repariert werden.

@ dpa.de