CDU, Deutschland

Bosbach: Spahns Entscheidung «politisch fatal»

Veröffentlicht: 18.07.2026 um 11:04 Uhr, dpa.de

Der frühere CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach kritisiert Jens Spahns Entscheidung für eine Leihmutterschaft als «politisch hochproblematisch» und sieht darin eine Gefahr für die Union.

Spahns Entscheidung sei politisch hochproblematisch, sagt Wolfgang Bosbach. (Archivbild) - Bild: Henning Kaiser/dpa
Spahns Entscheidung sei politisch hochproblematisch, sagt Wolfgang Bosbach. (Archivbild) - Bild: Henning Kaiser/dpa

Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach hat die Entscheidung von Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) für eine Elternschaft mit Hilfe einer Leihmutter als «politisch hochproblematisch» bezeichnet. «Wir als Politiker, wir machen die Regeln und wir verlangen von oder erwarten von 84 Millionen Menschen, dass sie sich an diese Regeln halten. Wenn auch nur der Eindruck entsteht, generell ja, aber für mich persönlich gilt das nicht, dann ist das fatal», sagte Bosbach im Deutschlandfunk.

Noch schlimmer werde es, wenn der Eindruck entstehe, «man muss nur genug Geld haben, dann kann man in den USA über eine Agentur per Leihmutterschaft sich ein Kind besorgen». Die Politik habe in den vergangenen Jahren ohnehin gewaltig an Vertrauen in der Bevölkerung verloren, sagte der frühere stellvertretende Unionsfraktionschef. «Der Graben zwischen Gewählten und Wählern ist immer größer geworden und das liefert jetzt einen weiteren Beitrag.»

Spahn und sein Mann Daniel Funke hatten am Mittwoch bekanntgegeben, dass sie Eltern geworden sind. Eine Leihmutter in den USA brachte das Baby zur Welt. Die Kritik daran ist deshalb so laut, weil Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist und sich Spahns Partei gegen eine Legalisierung ausspricht, so wie in der Vergangenheit auch Spahn selbst.

Menschlich nachvollziehbar, politisch fatal

Vorwürfe wie Heuchelei oder Doppelmoral erhebe er nicht, sagte Bosbach, weil er als dreifacher Vater wisse, wie wunderbar es sei, Kinder zu haben, zu bekommen und sie aufwachsen zu sehen. «Ich kann das alles menschlich nachvollziehen, aber es ist politisch fatal.»

Bosbach ergänzte: «Ich hätte noch Respekt gehabt, wenn Jens Spahn gesagt hätte: "Ich ändere meine Haltung. Ich sehe das jetzt als Betroffener völlig anders. Ich kämpfe dafür, in der Union oder im Bundestag, dass wir die Regelungen ändern. Ich persönlich bin ganz anderer Meinung." Aber gut, wenn er es so sieht, dann muss er aufstehen und es sagen.»

Mit Blick auf Spahns Zukunft als Unionsfraktionschef sagte Bosbach, der bis 2017 für die CDU im Bundestag saß: «Ich hoffe, Jens Spahn erspart der Union, insbesondere der CDU, eine monatelange Debatte über die Frage: Ist er noch der Richtige an der Spitze der Fraktion? Aber die Erkenntnis muss bei Jens Spahn selber reifen.» Es gehe um den Fortbestand der Union, die sich in einer schwierigen Lage befinde.

de | politik | 69794224 |