Hamburger SV, Mario Vuskovic

Nach Doping-Sperre: Vuskovic kehrt als Hoffnungsträger ins HSV-Training zurück

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 13:42 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der Hamburger SV steckt nach zwei 0:5-Niederlagen und dem letzten Tabellenplatz tief in der Krise – nun kehrt Innenverteidiger Mario Vuskovic kurz vor Ablauf seiner Doping-Sperre ins Mannschaftstraining zurück. Für Klub und Fans ist das Comeback emotional bedeutsam, sportlich bleiben viele Fragen offen.

  • Endlich wieder zur im HSV-Training: Der noch doping-gesperrte Mario Vuskovic. (Archivbild) - Bild: Arne Dedert/dpa
    Endlich wieder zur im HSV-Training: Der noch doping-gesperrte Mario Vuskovic. (Archivbild) - Bild: Arne Dedert/dpa
  • Enttäuschung in Leipzig: Der HSV verliert schon wieder hoch. - Bild: Jan Woitas/dpa
    Enttäuschung in Leipzig: Der HSV verliert schon wieder hoch. - Bild: Jan Woitas/dpa
  • Warmed Omari kommt zu spät, der HSV kassiert das fünfte Gegentor. - Bild: Jan Woitas/dpa
    Warmed Omari kommt zu spät, der HSV kassiert das fünfte Gegentor. - Bild: Jan Woitas/dpa
  • Mario Vuskovic erfuhr in unterschiedlicher Form Solidarität.  - Bild: Daniel Löb/dpa
    Mario Vuskovic erfuhr in unterschiedlicher Form Solidarität. - Bild: Daniel Löb/dpa
  • Enger Vertrauter von Mario Vuskovic: Ex-HSV-Sportvorstand Jonas Boldt (l). (Archivbild)  - Bild: Frank Rumpenhorst/dpa
    Enger Vertrauter von Mario Vuskovic: Ex-HSV-Sportvorstand Jonas Boldt (l). (Archivbild) - Bild: Frank Rumpenhorst/dpa
  • Die Brüder Mario und Luka Vuskovic als Tattoo verewigt auf dem Unterarm von Luka. (Archivbild)   - Bild: Christian Charisius/dpa
    Die Brüder Mario und Luka Vuskovic als Tattoo verewigt auf dem Unterarm von Luka. (Archivbild) - Bild: Christian Charisius/dpa
Endlich wieder zur im HSV-Training: Der noch doping-gesperrte Mario Vuskovic. (Archivbild) - Bild: Arne Dedert/dpa Enttäuschung in Leipzig: Der HSV verliert schon wieder hoch. - Bild: Jan Woitas/dpa Warmed Omari kommt zu spät, der HSV kassiert das fünfte Gegentor. - Bild: Jan Woitas/dpa Mario Vuskovic erfuhr in unterschiedlicher Form Solidarität.  - Bild: Daniel Löb/dpa Enger Vertrauter von Mario Vuskovic: Ex-HSV-Sportvorstand Jonas Boldt (l). (Archivbild)  - Bild: Frank Rumpenhorst/dpa Die Brüder Mario und Luka Vuskovic als Tattoo verewigt auf dem Unterarm von Luka. (Archivbild)   - Bild: Christian Charisius/dpa

Der Hamburger SV erlebt nach einem kapitalen Fehlstart in die neue Bundesliga-Saison sein emotionales Trainingscomeback: Innenverteidiger Mario Vuskovic kehrt kurz vor Ablauf seiner Doping-Sperre erstmals wieder zur Mannschaft zurück.

Trainingspremiere im Volksparkstadion

Zwei Monate vor Ende der Sperre darf der 24 Jahre alte Kroate am Dienstag um 15.00 Uhr wieder mit dem Team trainieren. Trainer Merlin Polzin verlegte die Einheit eigens ins Volksparkstadion, damit Verein und Anhänger das Ereignis miterleben können. Für einen Nachmittag steht damit nicht die Tabellenlage, sondern die Rückkehr des Abwehrspielers im Mittelpunkt.

Polzin hatte bereits vor der 0:5-Niederlage bei RB Leipzig angekündigt, Vuskovic einen wertschätzenden Moment zu bereiten, ohne das Ganze zu sehr zu inszenieren. Der Verteidiger soll vor allem wieder Alltag im Profikader erleben – Zeit in der Kabine, im Kraftraum und auf dem Platz mit den Kollegen.

Vier Jahre Sperre nach positivem Dopingtest

Für Vuskovic ist der 15. September 2026 ein Einschnitt. Seit dem 15. November 2022 war er gesperrt, nachdem bei einer Trainingskontrolle die verbotene Substanz Erythropoetin (Epo) in seinem Urin nachgewiesen worden war. Trotz seiner anhaltenden Beteuerung, unschuldig zu sein, wurde dem damals 20-Jährigen die Ausübung seines Berufs für vier Jahre untersagt.

Der HSV stellte sich in dieser Zeit demonstrativ hinter seinen Profi. Verantwortliche begleiteten ihn zu Verhandlungen, der Fall löste unter Fachleuten eine Debatte über Nachweismethoden aus. Ende des Jahres soll eine Dokumentation erscheinen, die den Ablauf und die Folgen des Falls beleuchtet.

Fan-Solidarität und familiäre Bindungen

Ganz verschwunden war Vuskovic beim HSV nie. Mitspieler und Fans setzten regelmäßig Zeichen der Solidarität, etwa mit Trikots mit seiner Rückennummer 44 und der Aufschrift „Free Vuskovic“. Der Verteidiger war häufig in Hamburg, besuchte Spiele und feierte den Bundesliga-Aufstieg 2025 von der Tribüne aus.

Die enge Verbindung zum Klub wirkte auch auf seine Familie. Sein jüngerer Bruder Luka ließ sich in der vergangenen Saison vom Premier-League-Verein Tottenham an den HSV verleihen, wählte die 44 seines Bruders und wurde zu einem wichtigen Faktor im Kampf um den Klassenverbleib. Die gemeinsame Vision, einmal zusammen auf dem Platz zu stehen, erfüllte sich nicht; Luka spielt inzwischen für Brighton in der Premier League.

Langsamer Weg zurück auf Topniveau

Ob und wann Mario Vuskovic nach vier Jahren Sperre wieder auf höchstem Niveau spielen kann, ist derzeit offen. In seiner Heimat Split arbeitete er mit Fitness-Trainern, unter anderem mit dem früheren kroatischen Zehnkampfmeister Josko Vlasic, um körperlich in Form zu bleiben. Trainer Polzin beschreibt ihn als sehr fit und dynamisch.

Gleichwohl bleibt es ein bisher einmaliges Experiment in der Bundesliga, einen Spieler nach so langer Pause an Erstliga-Belastungen heranzuführen. Vier Jahre ohne Mannschaftstraining, eingespielte Abläufe, Spiele und Zweikämpfe sind eine sportliche und mentale Herausforderung.

Zwei Monate bis zur ersten möglichen Partie

Die Sperre endet am 15. November, ab dann wäre Vuskovic wieder spielberechtigt. Die erste mögliche Partie nach Ablauf der Strafe ist das Nordderby beim SV Werder Bremen, doch gilt ein Einsatz zu diesem Zeitpunkt als unrealistisch. Der Beginn des Mannschaftstrainings wird vielmehr als Einstieg in einen längeren Aufbau verstanden.

Angesichts der eklatanten Defensivprobleme könnte der HSV einen Innenverteidiger auf Topniveau dringend gebrauchen. Vor dem 0:5 in Leipzig hatten die Hamburger bereits mit 0:5 gegen den FSV Mainz 05 verloren. Torwart Daniel Heuer Fernandes forderte mehr Kompaktheit und Ruhe, Kapitän Nicolai Remberg kündigte an, trotz der Pleiten positive Aspekte mitzunehmen.

Sportliche Krise und symbolische Rückkehr

Der Hamburger SV erlebt nach dem Wiederaufstieg in die Fußball-Bundesliga seine bislang schwerste sportliche Krise. Zwei deutliche 0:5-Niederlagen in Folge und der letzte Tabellenplatz markieren einen Fehlstart, der zentrale Fragen zur Kaderzusammenstellung, zur defensiven Stabilität und zur mentalen Verfassung der Mannschaft aufwirft. Vor diesem Hintergrund erhält das Trainingscomeback von Mario Vuskovic eine besondere Bedeutung: Es steht weniger für eine kurzfristige sportliche Lösung als für einen emotionalen Bezugspunkt für Klub und Anhänger.

Die Tatsache, dass Trainer Merlin Polzin die Einheit ins Volksparkstadion verlegt, unterstreicht den Stellenwert dieses Moments. Die Rückkehr eines Spielers, der vier Jahre lang gesperrt war und dessen Fall eine breite Diskussion über Dopingnachweise ausgelöst hat, wird zu einem identitätsstiftenden Ereignis. Für viele HSV-Fans verkörpert Vuskovic Loyalität und Leidensfähigkeit, weil er trotz Sperre in Hamburg präsent blieb und den Aufstieg 2025 von der Tribüne aus mitfeierte. Zugleich wird sichtbar, wie stark der Verein seine Innenverteidigerposition strukturell vernachlässigt hat: In der aktuellen Lage wäre ein Abwehrspieler auf Top-Niveau dringend nötig.

Strukturelle Herausforderungen und sportliche Ungewissheit

Die Wiedereingliederung von Vuskovic macht ein bisher einmaliges Experiment auf Bundesliganiveau deutlich. Vier Jahre ohne Mannschaftstraining, Wettkampfpraxis und Zweikämpfe stellen jede sportliche Prognose infrage. Der Aufbau wurde in seiner Heimat Split von Spezialtrainern begleitet, doch Übergänge von individueller Fitness zu wettbewerbsfähiger Leistung in einer Spitzenliga sind komplex. Trainer und Verantwortliche müssen Belastungssteuerung, mentale Verarbeitung der Sperre und die Integration in bestehende Abläufe zugleich im Blick behalten.

Für den HSV bedeutet dies: Kurzfristig darf die Rückkehr nicht als Heilsversprechen für die Defensive verstanden werden, mittelfristig könnte ein erfolgreicher Aufbau aber Einfluss auf die Saisonentwicklung haben. Das Nordderby bei Werder Bremen, das zeitlich als erste mögliche Partie nach Sperrende genannt wird, markiert einen symbolträchtigen Meilenstein, ohne dass realistische Erwartungen an einen Einsatz bestehen. Insgesamt verdeutlicht der Fall, wie stark Einzelbiografien, juristische Verfahren und sportliche Krisen ineinandergreifen und welche Verantwortung Vereine gegenüber betroffenen Spielern tragen.

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