Deutschland, Israel

Israels Botschafter: Linker Antisemitismus am gefÀhrlichsten

09.11.2025 - 01:00:07

Der israelische Botschafter in Deutschland differenziert zwischen linkem, rechtem und islamistischem Antisemitismus. Und erlĂ€utert, welchen er fĂŒr den gefĂ€hrlichsten hĂ€lt.

Der israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, warnt vor linkem Antisemitismus in Deutschland. Dieser sei gefÀhrlicher als der von rechts und gefÀhrlicher als der islamistische Antisemitismus, «weil er seine Absichten verschleiert», sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. In Deutschland wisse man «im politischen und juristischen Bereich sehr gut, wie man den Antisemitismus von rechts bekÀmpft». Auch der islamistische Antisemitismus sei brandgefÀhrlich, «weil er die demokratische Ordnung wie ein trojanisches Pferd unterwandert. Damit lernt man jedoch umzugehen.»

Aber der linke Antisemitismus bewege sich «immer an der Grenze zwischen Meinungsfreiheit und Aufhetzungsfreiheit – und hat diese Grenze inzwischen deutlich ĂŒberschritten. Deshalb ist der linke Antisemitismus fĂŒr mich der gefĂ€hrlichste», sagte der Botschafter. 

Prosor: RĂ€ume des Sagbaren verschieben sich

In Europa sehe man das an den Hochschulen und Theatern. «Man gibt sich gebildet, moralisch und politisch korrekt», sagte Prosor. «Aber die rote Linie dessen, was von der Meinungsfreiheit gedeckt ist, ist lĂ€ngst ĂŒberschritten.» Tag fĂŒr Tag werde Israel dĂ€monisiert und delegitimiert, «die Folgen sind fĂŒr alle Juden spĂŒrbar». Noch sei es ein Skandal, dass ein israelischer Dirigent von einem Festival in Belgien ausgeladen werde, «doch die RĂ€ume des Sagbaren verschieben sich».

Das Flanders Festival Ghent hatte ein fĂŒr September geplantes Gastspiel der MĂŒnchner Philharmoniker unter Leitung des israelischen Dirigenten Lahav Shani abgesagt. Als Grund wurde angegeben, dass Shani auch Musikdirektor des Israel Philharmonic Orchestra sei und seine Haltung zur israelischen Regierung nicht klar sei. Der Schritt traf in Deutschland auf scharfe Kritik. Dem Festival wurde Antisemitismus vorgeworfen. Der belgische Regierungschef Bart de Wever ging klar auf Distanz und sprach von Schaden fĂŒr sein Land.

Prosor: Geht besser nicht mit Davidstern die Sonnenallee entlang

Prosor sagte, Juden in Deutschland hĂ€tten Angst. Viele kauften jetzt Wohnungen in Israel, wie es zuvor schon französische Juden gemacht hĂ€tten. Er werde angerufen und gefragt, ob es sicher sei, nach Berlin zu kommen. Er antworte dann: «Ja, es ist sicher – geht aber besser nicht mit einem Davidstern die Neuköllner Sonnenallee entlang.»

Zuletzt hatte der frĂŒhere BundesprĂ€sident Joachim Gauck einen entschlosseneren Kampf gegen Antisemitismus gefordert - auch wenn dieser aus dem arabischen Raum oder von der politisch linken Seite kommt.

@ dpa.de