Gaza-Aktivisten, Hof

Gaza-Aktivisten besetzen Hof der FU Berlin: Polizei vor Ort

07.05.2024 - 14:02:26

Der Konflikt im Nahen Osten ist auch an deutschen Hochschulen angekommen. FĂŒr einige Stunden besetzen Aktivisten einen Hof der Freien UniversitĂ€t Berlin.

  • Die Freie UniversitĂ€t Berlin kĂŒndigte ein rasches Vorgehen an. - Foto: Monika Skolimowska/dpa

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  • PropalĂ€stinensische Aktivisten haben einen Hof der Freien UniversitĂ€t in Berlin besetzt. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

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  • Eine Frau hĂ€lt eine Israelflagge aus dem Fenster: Die propalĂ€stinensische Demonstration auf dem Theaterhof der Freien UniversitĂ€t Berlin wird von Polizisten beobachtet. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

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Die Freie UniversitĂ€t Berlin kĂŒndigte ein rasches Vorgehen an. - Foto: Monika Skolimowska/dpaPropalĂ€stinensische Aktivisten haben einen Hof der Freien UniversitĂ€t in Berlin besetzt. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpaEine Frau hĂ€lt eine Israelflagge aus dem Fenster: Die propalĂ€stinensische Demonstration auf dem Theaterhof der Freien UniversitĂ€t Berlin wird von Polizisten beobachtet. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Rund 100 propalĂ€stinensische Aktivisten haben am Dienstag zeitweise einen Hof der Freien UniversitĂ€t in Berlin besetzt. Die Polizei rĂ€umte am Nachmittag das GelĂ€nde. Zuvor hatte die UniversitĂ€t ein rasches Vorgehen angekĂŒndigt. «Die FU hat die RĂ€umung angeordnet und die Polizei gerufen», so eine Sprecherin.

Die Besetzer des Theaterhofes forderten SolidaritĂ€t mit den Menschen in Gaza. DafĂŒr bauten sie auch Zelte auf dem GelĂ€nde der Hochschule im Stadtteil Dahlem auf. «Wir besetzen die Freie UniversitĂ€t Berlin», hieß es in einer Ansprache. Dies geschehe in SolidaritĂ€t mit dem palĂ€stinensischen Volk. 

Kritisiert wurde das Vorgehen der israelischen Armee in Gaza. Dies erfordere sofortige Reaktionen und internationale SolidaritĂ€t, hieß es zur BegrĂŒndung des Protests. Die als «Student Coalition Berlin» auftretende Gruppe forderte die Besetzung deutscher UniversitĂ€ten und studentischen Widerstand in SolidaritĂ€t mit Gaza.

Parolen wie «Viva, viva, PalÀstina!» waren zu hören. Auf Plakaten wurde zum Streik als Form des Widerstands aufgerufen. Fahnen mit den palÀstinensischen Farben waren zu sehen. Polizeisprecher Michael Gassen sagte, es seien auch verbotene Parolen gerufen worden. Das werde von der Polizei dokumentiert, die Personen ermittelt und Verfahren angeleitet.

Polizei begleitet Demonstranten von GelÀnde

Das GelĂ€nde war von der Polizei zunĂ€chst abgesperrt und beobachtet worden, weitere Aktivisten wurden nicht durchgelassen. Am frĂŒhen Nachmittag wurden einzelne Gruppen demonstrierender Menschen vom GelĂ€nde begleitet. Schließlich wurde auch das Camp selbst gerĂ€umt. Nach mehrfachen Aufforderungen, das GelĂ€nde zu verlassen, begannen die EinsatzkrĂ€fte damit, einzelne Teilnehmerinnen und Teilnehmer abzufĂŒhren. Am Rande kam es zu einzelnen Rangeleien zwischen PolizeikrĂ€ften und Menschen aus benachbarten Uni-GebĂ€uden. 

FU Berlin stellt Betrieb teilweise ein

Die Hochschule hat ihren Lehrbetrieb teilweise eingestellt. «Diese Form des Protests ist nicht auf Dialog ausgerichtet. Eine Besetzung ist auf dem GelĂ€nde der FU Berlin nicht akzeptabel. Wir stehen fĂŒr einen wissenschaftlichen Dialog zur VerfĂŒgung - aber nicht auf diese Weise», erklĂ€rte UniversitĂ€tsprĂ€sident GĂŒnter Ziegler in einer Mitteilung.

Nach Angaben der Hochschule hatte Aktivisten des Protestcamps im Verlauf des Vormittags auch versucht, in RÀume und HörsÀle der UniversitÀt einzudringen, um diese zu besetzen. Die Gruppe, die sich nach eigenen Angaben aus Studierenden verschiedener Berliner Hochschulen und andere Personen zusammensetzt, habe weitere Studierende und Professoren zur Teilnahme aufgefordert. Die Gruppe habe Forderungen aufgestellt, aber jeden Dialog oder Verhandlungen abgelehnt.

Es sei zu SachbeschĂ€digungen gekommen, hieß es in der Mitteilung. Die UniversitĂ€t habe Strafanzeigen erstattet. Der Lehrbetrieb in den GebĂ€uden Rost-, Silber- und Holzlaube sei eingestellt worden. Die Bibliotheken in diesen GebĂ€uden und die Mensa wurden geschlossen.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland kritisierte die Leitung der Hochschule. Die Besetzung zeige «eindeutig den fanatischen Charakter der daran beteiligten Gruppierungen», sagte ZentralratsprÀsident Josef Schuster in einer Mitteilung. «Der Israel-Hass und der antizionistische sowie antisemitische Hintergrund der Aktion ist offensichtlich und gehört zur DNA dieser Leute», so Schuster.

«Dass die UniversitĂ€tsleitung erneut in einem Statement kein Wort ĂŒber diesen ideologischen Unterbau verwendet, ist fĂŒr mich mehr als irritierend. Ross und Reiter mĂŒssen klar benannt werden.» Er habe eine klare Positionierung erwartet. «Leider scheinen die Ereignisse der vergangenen Wochen und Monate in der FU-Leitung keine ausreichende Entwicklung hervorgerufen zu haben.»

Berlins Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra (SPD) will derartige Besetzungen nicht dulden. «GrundsÀtzlich ist es legitim, gegen Krieg zu demonstrieren, aber nicht in Form solcher Protestaktionen wie vor drei Tagen an der HU und heute an der FU, die auf Konfrontation und nicht auf Dialog ausgerichtet sind», teilte sie der Deutschen Presse-Agentur mit. Sie betonte: «Die Berliner UniversitÀten sind sicher. Die Hochschulen positionieren sich klar gegen Antisemitismus und gehen auch dagegen vor.»

In Leipzig besetzten am Nachmittag mehrere Menschen das Audimax der UniversitÀt. EinsatzkrÀfte der Polizei seien unterwegs, um sich ein Bild von der Lage zu verschaffen, teilte die Polizei auf Anfrage mit. Die UniversitÀt gab an, dass 50 bis 60 Besetzerinnen und Besetzer beteiligt seien.

Proteste in den USA

Am Freitag hatten Aktivisten an der Humboldt-UniversitÀt in Berlin protestiert. Rund 150 Menschen waren laut Polizei zu einer nicht angemeldeten Kundgebung zusammengekommen. Die Protestierenden forderten einen Hörsaal als Kundgebungsort, dem die UniversitÀtsleitung nicht stattgab. In der Folge leitete die Polizei 37 Ermittlungsverfahren ein wegen möglicher FÀlle von Volksverhetzung sowie Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

In den USA gibt es seit mehr als zwei Wochen an zahlreichen UniversitĂ€ten Proteste gegen den israelischen MilitĂ€reinsatz gegen die islamistische Hamas im Gazastreifen und fĂŒr SolidaritĂ€t mit den dort lebenden PalĂ€stinensern. Kritiker werfen insbesondere dem radikalen Teil der Protestbewegung Antisemitismus und die Verharmlosung der Terrororganisation Hamas vor. Medienberichten zufolge sind in dem Zusammenhang 2000 Menschen festgenommen worden.

Hintergrund ist das beispiellose Massaker mit mehr als 1200 Toten, das Terroristen der Hamas und anderer Gruppen am 7. Oktober in Israel verĂŒbt hatten. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive. Angesichts der hohen Zahl ziviler Opfer und der katastrophalen humanitĂ€ren Lage im Gazastreifen steht Israel international in der Kritik.

Wegner: Bei Judenhass an Hochschulen nicht wegschauen

Berlins Regierender BĂŒrgermeister Kai Wegner hat die Besetzung des Hofes der Freien UniversitĂ€t (FU) durch propalĂ€stinensische Aktivisten verurteilt. Gleichzeitig stellte er sich hinter die Strategie der Hochschule, die umgehend die Polizei informiert hatte und das Protestcamp rĂ€umen lassen wollte. 

«Wir dĂŒrfen auch an den Hochschulen nicht wegschauen, wenn antisemitische Parolen und Judenhass an den UniversitĂ€ten verbreitet werden», sagte der CDU-Politiker nach einer Sitzung des Senats mit der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Er sei der UniversitĂ€t fĂŒr ihr Vorgehen sehr dankbar: «Ich finde dieses konsequente Vorgehen völlig richtig.»

Er wolle in Berlin keine Situation wie zuletzt an US-amerikanischen Hochschulen erleben, so Wegner. «Wir haben eine solche Situation noch nicht. Und trotzdem haben wir ein Problem», sagte er. «Wir werden alles tun als Berliner Senat, damit jĂŒdische Studierende keine Angst haben, die Hochschulen zu betreten.» 

Das Argument der Meinungsvielfalt ließ Wegner mit Blick auf die Proteste nicht gelten. «Antisemitismus ist keine politische Meinung. Das werden wir an den Hochschulen nicht zulassen.»

@ dpa.de