PropalÀstinensische Aktivisten besetzen Hof der FU Berlin
07.05.2024 - 17:52:18Rund 150 propalĂ€stinensische Aktivisten haben zeitweise einen Hof der Freien UniversitĂ€t in Berlin besetzt. Die Hochschule stellte ihren Lehrbetrieb vorĂŒbergehend ein, die Polizei rĂ€umte am Nachmittag das GelĂ€nde. «Diese Form des Protests ist nicht auf Dialog ausgerichtet. Eine Besetzung ist auf dem GelĂ€nde der FU Berlin nicht akzeptabel», sagte UniversitĂ€tsprĂ€sident GĂŒnter Ziegler in einer Mitteilung. «Wir stehen fĂŒr einen wissenschaftlichen Dialog zur VerfĂŒgung â aber nicht auf diese Weise».
Der Zentralrat der Juden kritisierte die Leitung der Hochschule deutlich. In Leipzig rÀumte die Polizei ebenfalls nach einer Besetzung einen Hörsaal der UniversitÀt.
Die Besetzer des Theaterhofes forderten SolidaritĂ€t mit den Menschen in Gaza. DafĂŒr bauten sie auch Zelte auf dem GelĂ€nde der Hochschule im Stadtteil Dahlem auf. «Wir besetzen die Freie UniversitĂ€t Berlin», hieĂ es in einer Ansprache, dies geschehe in SolidaritĂ€t mit dem palĂ€stinensischen Volk. Kritisiert wurde das Vorgehen der israelischen Armee in Gaza. Die als «Student Coalition Berlin» auftretende Gruppe forderte die Besetzung deutscher UniversitĂ€ten und studentischen Widerstand in SolidaritĂ€t mit Gaza.
Parolen wie «Viva, viva, PalÀstina!» waren zu hören. Auf Plakaten wurde zum Streik als Form des Widerstands aufgerufen. Fahnen mit den palÀstinensischen Farben waren zu sehen. Polizeisprecher Michael Gassen sagte, es seien auch verbotene Parolen gerufen worden. Das werde von der Polizei dokumentiert, die Personen ermittelt und Verfahren angeleitet. Nach Polizeiangaben wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet unter anderem wegen Hausfriedensbruchs, Widerstands und des Verdachts der Volksverhetzung sowie Verfahren wegen Teilnahme an einer nicht angezeigten Versammlung.
Nach Angaben der Hochschule hatten Aktivisten auch versucht, RĂ€ume und HörsĂ€le der UniversitĂ€t zu besetzen. Die Gruppe habe weitere Studierende und Professoren zur Teilnahme aufgefordert. Es sei zu SachbeschĂ€digungen gekommen. Die UniversitĂ€t habe Strafanzeigen erstattet. Der Lehrbetrieb in den GebĂ€uden Rost-, Silber- und Holzlaube sei eingestellt worden. Die Bibliotheken in diesen GebĂ€uden und die Mensa wurden geschlossen. Zuvor hatte die UniversitĂ€t ein rasches Vorgehen angekĂŒndigt. «Die FU hat die RĂ€umung angeordnet und die Polizei gerufen», so eine Sprecherin.
Zentralrat der Juden kritisiert Uni nach Besetzung
Der Zentralrat der Juden in Deutschland kritisierte, die Besetzung zeige «eindeutig den fanatischen Charakter der daran beteiligten Gruppierungen», sagte ZentralratsprĂ€sident Josef Schuster am Dienstag in einer Mitteilung. «Der Israel-Hass und der antizionistische sowie antisemitische Hintergrund der Aktion ist offensichtlich und gehört zur DNA dieser Leute», so Schuster. «Dass die UniversitĂ€tsleitung erneut in einem Statement kein Wort ĂŒber diesen ideologischen Unterbau verwendet, ist fĂŒr mich mehr als irritierend. Ross und Reiter mĂŒssen klar benannt werden.» Er habe eine klare Positionierung erwartet. «Leider scheinen die Ereignisse der vergangenen Wochen und Monate in der FU-Leitung keine ausreichende Entwicklung hervorgerufen zu haben.»
Berlins Regierender BĂŒrgermeister Kai Wegner verurteilte die Besetzung. «Wir dĂŒrfen auch an den Hochschulen nicht wegschauen, wenn antisemitische Parolen und Judenhass an den UniversitĂ€ten verbreitet werden», sagte der CDU-Politiker. «Wir werden alles tun als Berliner Senat, damit jĂŒdische Studierende keine Angst haben, die Hochschulen zu betreten.»Â
Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra (SPD) teilte der Deutschen Presse-Agentur mit: «GrundsÀtzlich ist es legitim, gegen Krieg zu demonstrieren, aber nicht in Form solcher Protestaktionen wie vor drei Tagen an der HU und heute an der FU, die auf Konfrontation und nicht auf Dialog ausgerichtet sind.» Sie betonte: «Die Berliner UniversitÀten sind sicher. Die Hochschulen positionieren sich klar gegen Antisemitismus und gehen auch dagegen vor.»
Polizei rÀumt Camp
Das GelĂ€nde war von der Polizei zunĂ€chst abgesperrt und beobachtet worden, weitere Aktivisten wurden nicht durchgelassen. Am frĂŒhen Nachmittag wurden einzelne Gruppen demonstrierender Menschen vom GelĂ€nde begleitet. SchlieĂlich wurde auch das Camp selbst gerĂ€umt. Nach mehrfachen Aufforderungen, das GelĂ€nde zu verlassen, begannen die EinsatzkrĂ€fte damit, einzelne Teilnehmerinnen und Teilnehmer abzufĂŒhren. Am Rande kam es zu einzelnen Rangeleien zwischen PolizeikrĂ€ften und Menschen aus benachbarten Uni-GebĂ€uden.Â
Auch an anderen UniversitÀten wird protestiert
In Leipzig war die Polizei ebenfalls wegen einer Besetzung auf dem GelĂ€nde der UniversitĂ€t im Einsatz. Es seien derzeit 13 TatverdĂ€chtige ermittelt, teilte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur mit. Vor der RĂ€umung seien die UnterstĂŒtzer, die die TĂŒren des Audimax blockiert hatten, aufgefordert worden, die EingĂ€nge zum Hörsaal freizugeben. Einige hĂ€tten jedoch weggetragen werden mĂŒssen, hieĂ es.
Am Freitag hatten Aktivisten an der Berliner Humboldt-UniversitÀt protestiert. Rund 150 Menschen waren zu einer nicht angemeldeten Kundgebung zusammengekommen. Die Protestierenden forderten einen Hörsaal als Kundgebungsort, dem die UniversitÀtsleitung nicht stattgab. In der Folge leitete die Polizei 37 Ermittlungsverfahren ein wegen möglicher FÀlle von Volksverhetzung sowie Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.
In den USA gibt es seit mehr als zwei Wochen an zahlreichen UniversitĂ€ten Proteste gegen das Vorgehen Israels im Gaza-Krieg und fĂŒr eine SolidaritĂ€t mit den PalĂ€stinensern. Hintergrund ist das beispiellose Massaker mit mehr als 1200 Toten, das Terroristen der Hamas und anderer Gruppen am 7. Oktober in Israel verĂŒbt hatten. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive. Angesichts der hohen Zahl ziviler Opfer und der katastrophalen humanitĂ€ren Lage im Gazastreifen steht Israel international in der Kritik.







