Hochschulverband, Unis

Hochschulverband: Unis keine Orte fĂŒr gewaltsame Proteste

08.05.2024 - 07:18:16

Der Konflikt im Nahen Osten ist auch an deutschen Hochschulen angekommen. Dabei komme es immer wieder zu GrenzĂŒberschreitungen, heißt es vom Hochschulverband.

Der Hochschulverband, Studierenden- und Polizeivertreter haben die Besetzungen von UniversitĂ€ten durch propalĂ€stinensische Aktivisten kritisiert. UniversitĂ€ten seien Orte differenzierter geistiger Auseinandersetzungen, teilte der PrĂ€sident des Deutschen Hochschulverbandes, Lambert T. Koch, der Deutschen Presse-Agentur mit. Sie seien «keine Orte fĂŒr gewaltsame und aus dem Ruder laufende Proteste, wie zuletzt an der HU und nun auch FU Berlin». 

Am Dienstag stellte die Freie UniversitÀt (FU) zeitweise den Betrieb ein, weil 150 Aktivisten den Hof besetzten. Die Polizei rÀumte das GelÀnde am Nachmittag. Nach Angaben der Hochschule hatten Aktivisten auch versucht, RÀume und HörsÀle der UniversitÀt zu besetzen und es sei zu SachbeschÀdigungen gekommen. Zu einem Àhnlichen Einsatz wurden auch die Beamten in Leipzig gerufen. Dort hatten gut 50 Aktivisten Audimax und Innenhof besetzt. Die Polizei rÀumte am Abend den Hörsaal und sprach von derzeit 13 TatverdÀchtigen. Am Freitag hatten Aktivisten an der Humboldt-UniversitÀt protestiert. Rund 150 Menschen waren zu einer nicht angemeldeten Kundgebung zusammengekommen. 

«Wer Intoleranz predigt, darf nicht mit Toleranz rechnen»

Koch sagte zu den VorfĂ€llen in Berlin, die Grenzen von legitimer Israel-Kritik zu Antisemitismus und von nachvollziehbarem MitgefĂŒhl mit der palĂ€stinensischen Zivilbevölkerung hin zu unverhohlener UnterstĂŒtzung der Terrororganisation Hamas wĂŒrden immer wieder erschreckend schnell ĂŒberschritten. Es sei richtig, dass Hochschulleitungen ihr Hausrecht wahrnehmen. «Wer Intoleranz predigt, darf nicht mit Toleranz rechnen», hieß es. «Nicht nur, aber insbesondere den jĂŒdischen Hochschulangehörigen, die seit dem 7. Oktober auch an deutschen Hochschulen um ihre Sicherheit bangen, sind wir dies schuldig.»

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, bescheinigte Polizei und Justiz in Deutschland, seit den TerroranschlÀgen der Hamas auf Israel exzellente Arbeit im Umgang mit antisemitischen Demonstrationen geleistet zu haben. Dies habe zuletzt das konsequente Eingreifen der Berliner Polizei bei den propalÀstinensischen Protesten vor der Berliner Humboldt-UniversitÀt gezeigt, bei denen am vergangenen Freitag «unertrÀglicher Hass und Hetze gegen Israel verbreitet» worden seien.

StudierendenverbĂ€nde fĂŒr konsequentes Vorgehen der Unis

StudierendenverbĂ€nde forderten ein konsequentes Vorgehen der Unis. «Die UniversitĂ€tsleitungen mĂŒssen die "Proteste" als das benennen, was sie sind: Versammlungen, die Antisemitismus salonfĂ€hig machen und die Sicherheit jĂŒdischer Studierender massiv gefĂ€hrden», hieß es in einem Schreiben der Ju?dischen Studierendenunion Deutschlands (JSUD), des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) und des Bundesverbands Liberaler Hochschulgruppen, das dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorlag. Keiner der Besetzer erwĂ€hne die israelischen Geiseln, hieß es demnach in dem Schreiben. Der Vorsitzende der RCDS forderte ein Vorgehen des Verfassungsschutzes. 

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte dem RND zufolge einen bundeseinheitlichen PrĂ€ventionsplan zum Umgang mit antisemitischen VorfĂ€llen an Hochschulen. «Es ist unerlĂ€sslich, dass sĂ€mtliche deutsche UniversitĂ€ten und Hochschulen die gleichen Verfahrensweisen implementieren», sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Jochen Kopelke dem RND mit Verweis auf einheitliche Hausregeln, Strafantragsstellungen und PrĂ€ventionsmaßnahmen. 

In den USA gibt es seit mehr als zwei Wochen an zahlreichen UniversitĂ€ten Proteste gegen das Vorgehen Israels im Gaza-Krieg und fĂŒr eine SolidaritĂ€t mit den PalĂ€stinensern. Hintergrund ist das beispiellose Massaker mit mehr als 1200 Toten, das Terroristen der Hamas und anderer Gruppen am 7. Oktober in Israel verĂŒbt hatten. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive. Angesichts der hohen Zahl ziviler Opfer und der katastrophalen humanitĂ€ren Lage im Gazastreifen steht Israel international in der Kritik.

@ dpa.de