Klinik-Umfrage: Mehr als zwei Drittel schreiben rote Zahlen
11.07.2024 - 04:35:36Die finanzielle Not der KrankenhĂ€user verschĂ€rft sich nach einer Branchenerhebung weiter. Mehr als die HĂ€lfte von 650 befragten Klinik-FĂŒhrungskrĂ€ften sah im zweiten Quartal die LiquiditĂ€t des eigenen Hauses «gefĂ€hrdet» oder sogar «stark gefĂ€hrdet», wie die Umfrage der Unternehmensberatung Roland Berger ergab. Im Schnitt könnte nach dieser SelbsteinschĂ€tzung 28 Prozent der Kliniken bis Jahresende die Insolvenz drohen.Â
70 Prozent machen Verlust
«Es sind nicht nur die kleinen KrankenhĂ€user, es sind auch sehr, sehr, sehr viele groĂe KrankenhĂ€user dabei, auch Maximalversorger und UniversitĂ€tskliniken», sagte der Krankenhaus-Fachmann und Partner des MĂŒnchner Beratungsunternehmens, Peter Magunia,. «Insbesondere öffentliche KrankenhĂ€user stehen noch mal stĂ€rker unter Druck.»Â
Im vergangenen Jahr schrieben demnach 70 Prozent der KrankenhĂ€user rote Zahlen. «Wir glauben, dass es auch sehr kurzfristig zu weiteren SchlieĂungen kommen wird, wenn wir uns die wirtschaftliche und die LiquiditĂ€tssituation ansehen», sagte Magunia.
Auch stÀdtische Kliniken in Not
Anders als oft angenommen, geraten keineswegs nur kleine KrankenhĂ€user auf dem Lande in Not. «Die Herausforderung ist in den StĂ€dten teilweise noch ein bisschen gröĂer», sagte Janes GrotelĂŒschen, Koautor und ebenfalls Partner bei Roland Berger. «Was die Bettendichte angeht, sind wir in den StĂ€dten meistens noch besser ausgestattet als lĂ€ndlich. Daher gibt es in den StĂ€dten teilweise noch gröĂere Auslastungsprobleme.»Â
Ein weiteres groĂes Problem ist fehlendes Personal, weil PflegekrĂ€fte und andere Klinikangestellte keine allzu hohen Einkommen haben: «In den StĂ€dten ist es teilweise noch schwieriger fĂŒr die KrankenhĂ€user, Personal zu finden, weil die Lebenshaltungskosten nicht so gut mit den Tarifen zusammenpassen», sagte GrotelĂŒschen.Â
Neuer Pleiterekord möglich
Die Umfrage deckt sich im Wesentlichen mit der pessimistischen EinschĂ€tzung der Deutschen Krankenhausgesellschaft, die im FrĂŒhjahr von einer nie erlebten wirtschaftlichen Schieflage gesprochen hatte. 2023 hatten laut Krankenhausgesellschaft bundesweit 40 HĂ€user Insolvenz angemeldet, in diesem Jahr könnte demnach ein neuer Negativrekord drohen.Â
Die Bundesregierung hat zwar versprochen, die Krankenhausfinanzierung auf solide FĂŒĂe zu stellen. Die Reform soll Anfang 2025 in Kraft treten. Momentan aber herrscht in den KrankenhĂ€usern Unsicherheit, wie Magunia sagte. «Derzeit kann kein Krankenhaus die Effekte aus der Krankenhausreform kalkulieren und sozusagen auf das eigene Haus herunterbrechen. Es gibt kein Modell, weder eines, das zur VerfĂŒgung gestellt wĂŒrde, noch eines, das man sozusagen selbst aufsetzen könnte.»
Rettung durch Fusion?
Mittel- und lĂ€ngerfristig werden viele KrankenhĂ€user nach EinschĂ€tzung der beiden Klinikexperten auf ZusammenschlĂŒsse angewiesen sein. «50 Prozent aller GeschĂ€ftsfĂŒhrer denken ĂŒber Fusionen nach», sagte Magunia. «Viele KrankenhĂ€user werden nicht solitĂ€r ĂŒberleben können, sondern nur im Verbund.» Es gebe bereits einige KrankenhausverbĂŒnde - «die mĂŒssen aber auf jeden Fall gröĂer werden».
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