Proteste gegen AfD - Organisatoren: Polizeieinsatz skandalös
12.01.2025 - 14:56:56Die Organisatoren des Protests gegen den AfD-Parteitag in Riesa kritisieren das Vorgehen der Polizei als inakzeptabel und rechtswidrig. «Das Vorgehen der Polizei war skandalös», sagte Mascha Meier, Sprecherin des BĂŒndnisses «Widersetzen». Angemeldete Demonstrationen seien nicht zum zentralen Kundgebungsort vor der Tagungshalle der AfD durchgelassen worden. Hingegen hatte die Polizei den Einsatz am Samstag als aus ihrer Sicht erfolgreich bezeichnet. Am Sonntag wollten sich das sĂ€chsische Innenministerium und Polizei zunĂ€chst nicht erneut zu den VorwĂŒrfen Ă€uĂern.Â
GröĂter Demonstrationszug aufgehalten
Der gröĂte Demonstrationszug, der mit dem Zug angereiste Teilnehmer vom Bahnhof zu der Kundgebung bringen sollte, wurde nach Angaben des BĂŒndnisses «stundenlang» am Weiterkommen gehindert. Demnach setzte die Polizei Pfefferspray ein und drohte den Einsatz eines Wasserwerfers an, um die Menge aufzuteilen.Â
Am Samstag hatten laut Angaben der Veranstalter rund 15.000 Menschen gegen den AfD-Bundesparteitag in Riesa demonstriert. Die Polizei schÀtzte die Teilnehmerzahl auf 10.000. Der Parteitag konnte mit zwei Stunden VerspÀtung erst am Mittag beginnen.
Linke-Landtagsabgeordneter verletzt
FĂŒr Aufsehen hatte der Vorwurf der Polizeigewalt gegen den Landtagsabgeordneten Nam Duy Nguyen gesorgt. Eigenen Angaben zufolge schlug ihn ein Polizist bewusstlos. Auch ein Begleiter habe SchlĂ€ge ins Gesicht erhalten. Nguyen erstattete Anzeige. Nach Angaben des sĂ€chsischen Innenministeriums und der Polizei wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Zudem wird es ein Strafverfahren wegen eines Vorfalls mit einem wohl gegen einen Demonstranten eingesetzten Polizeihund geben. Auf einem Video auf der Plattform X ist zu sehen, wie ein Polizist seinen Hund auf einen Aktivisten stöĂt, um den Mann ĂŒber den Mittelstreifen einer mehrspurigen StraĂe zu drĂ€ngen.Â
Die Polizei rĂ€umte im Laufe des Tages zudem mehrere Sitzblockaden auf umliegenden StraĂen, so etwa an einer Kreuzung zur Auffahrt der B169. Auch dort wurde nach Angaben eines dpa-Reporters Pfefferspray eingesetzt.Â
Polizei mit positiver Bewertung
Seitens der Polizei fiel die Bewertung des Einsatzes hingegen positiv aus. «Wir haben unsere Ziele erreicht: Der Parteitag findet statt. Damit sind wir unserer Verpflichtung, Parteiveranstaltungen unabhĂ€ngig ihrer politischen Ausrichtung zu schĂŒtzen, nachgekommen», sagte der Dresdner PolizeiprĂ€sident Lutz Rodig am Samstag. Gleichzeitig habe die Polizei den Prostest in Sicht- und Hörweite ermöglicht und damit das Recht auf Versammlungsfreiheit gewahrt.
Dass ein Abgeordneter und sein Begleiter im Zuge des Polizeieinsatzes zu Schaden kamen, tue der Polizei leid, so Rodig. Der Sachverhalt werde mit höchster PrioritÀt aufgearbeitet.
Innenminister: «Hitzige Situationen»
Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) sprach von «verschiedene Gemengelagen und hitzige Situationen», in denen die Polizei mit robustem Handeln Ordnung durchgesetzt habe. «Einzelne Situationen des Protests heute in Riesa haben konsequente PolizeieinsÀtze erforderlich gemacht, bei denen die Polizei mehrfach unmittelbaren Zwang anwenden musste», sagte er am Samstag. Der Einsatz gegen einen Abgeordneten des sÀchsischen Landtags sei allerdings «bei weitem keine Kleinigkeit», betonte Schuster.


