Bartels, Tempo

Bartels fordert mehr Tempo bei AusrĂŒstung der Bundeswehr

29.10.2023 - 15:48:38 | dts-nachrichtenagentur.de

Der PrĂ€sident der Gesellschaft fĂŒr Sicherheitspolitik, Hans-Peter Bartels, kritisiert die zögerliche Umsetzung der von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ausgerufenen "Zeitenwende" und fordert die Bundesregierung auf, Verteidigungspolitik zu ihrer PrioritĂ€t zu erklĂ€ren.

Bundeswehr-Soldaten (Archiv) - Foto: ĂŒber dts Nachrichtenagentur
"Klimaschutz, Genderfragen und Sozialpolitik sind zweifellos bedeutende Themen, aber in dieser gefĂ€hrlichen Zeit gehören sie nicht an die erste Stelle", sagte Bartels der "Welt". "Absolute PrioritĂ€t mĂŒssen aktuell Sicherheit und Verteidigung haben. Zugespitzt formuliert: Auch Nachhaltigkeit muss bewaffnet sein, ohne Sicherheit ist alles nichts."

Die Rede von Kanzler Scholz zur "Zeitenwende" sei genau richtig gewesen, so der ehemalige Wehrbeauftragte des Bundestags. "Aber danach sind wir wieder in der alten Berliner NormalitĂ€t versunken, im Klein-klein der Spiegelstriche des Koalitionsvertrages - als ob immer noch alles gleich wichtig wĂ€re." Deutschland sei weit davon entfernt, die Bundeswehr, wie von Scholz versprochen, "zur schlagkrĂ€ftigsten Streitmacht in Europa zu machen". So sei die Zusage an die Nato, ab 2025 eine einsatzbereite Division zur VerfĂŒgung zu stellen, nicht mehr realistisch. Die Division mit rund 15.000 Soldaten werde materiell nicht "zu 100 Prozent aufgefĂŒllt" sein. Deutschland habe "nicht Jahrzehnte Zeit, an der Wiederbewaffnung herumzubasteln", sagte Bartels: "Jetzt heißt es, fertig zu werden." Dazu mĂŒsse der Bundestag in den laufenden Haushaltsberatungen den Etatentwurf der Regierung korrigieren. "Der Deutsche Bundestag sollte mit dem Wahnsinn eines von der Regierung dauerhaft eingefrorenen Verteidigungshaushalts Schluss machen", sagte Bartels. "NatĂŒrlich muss der regulĂ€re Etat steigen. Sonst wird das gut gemeinte 100-Milliarden-Sondervermögen schon von der Inflation der laufenden Betriebskosten kannibalisiert." Außerdem mĂŒsse Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) eine Truppenreform auf den Weg bringen. "Und das heißt, die ĂŒberfĂ€lligen, lĂ€ngst vorbereiteten Reform-Entscheidungen jetzt endlich zu treffen", so Bartels. "Die Marschrichtung ist klar: mehr Truppe, weniger StĂ€be. Das ist es, was die Soldaten von der Politik erwarten können, wir haben eine ĂŒberbordende Kommandolandschaft, statt ehemals drei TeilstreitkrĂ€ften inzwischen sechs militĂ€rische Organisationsbereiche mit einer Vielzahl von zusĂ€tzlichen Behörden, die sich gegenseitig Arbeit machen, die Verantwortungsdiffusion ist absurd." Versuche, die aktuelle Lage schönzureden, seien "Selbstbetrug. Besser wĂ€re, die Dinge endlich zum Laufen zu bringen."

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