Friedman fordert geschlossenes Auftreten gegen AfD
28.06.2023 - 12:46:40 | dts-nachrichtenagentur.de"Ich bin nicht mehr bereit, die WĂ€hler solcher Parteien als ProtestwĂ€hler zu verniedlichen und zu entschuldigen", schreibt Friedman in einem Gastbeitrag fĂŒr den "Stern". "Jeder von uns ist Zeuge, wie die FunktionĂ€re der AfD geistige Brandstiftung betreiben. Warum, so frage ich mich, sind jene so leidenschaftlich, die die Demokratie abschaffen wollen? Warum nicht jene, die behaupten, Demokraten zu sein?" Es stelle sich die Frage, ob unter den 80 Prozent, die sich nicht zur AfD bekennen, viele "GleichgĂŒltige" mitlaufen, "dekadente NutznieĂer der Freiheit, die nur nehmen, aber nicht geben", so Friedman.
"Wie kann es sein, dass die AfD voller Verachtung die Demokratie und ihre Institutionen mit Schmutz bewirft - und die Demokraten nicht in der Lage sind, sich mit Selbstbewusstsein fĂŒr die Zukunft der Freiheit einzusetzen? Warum sind die einen so laut und die anderen so leise?" Friedman verwies auch auf das Beispiel Israel: Jede Woche versammelten sich dort etwa 200.000 Menschen, um fĂŒr Demokratie und MenschenwĂŒrde zu kĂ€mpfen. "Setzt man die GröĂe Deutschlands dazu ins VerhĂ€ltnis, mĂŒssten hier rund zwei Millionen Menschen Woche fĂŒr Woche demonstrieren. Stattdessen? Nichts." Die AfD mĂŒsse ernst genommen werden, so Friedman. "Die meinen, was sie sagen. Jeder und jede sollte erkennen, dass es höchste Zeit ist, sich einzubringen." Der ehemalige Vize-Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland warnte vor politischen Kooperationen mit der in Teilen rechtsextremen Partei: "Sollte die AfD einer deutschen Bundesregierung angehören, sind meine Koffer gepackt. Dann gehe ich. Mein Leben ist spĂ€testens dann in Gefahr. Nicht nur weil ich Jude bin, sondern weil ich Demokrat, ein BĂŒrger bin. Weil ich meine Klappe nicht halten will, aber dafĂŒr auch nicht ins GefĂ€ngnis möchte. Ich werde meine Freunde bitten mitzukommen, bevor es zu spĂ€t ist." Einen anderen Ansatz im Umgang mit der Partei verfolgt Freie-WĂ€hler-Chef Hubert Aiwanger: Er betrachtet sich als erfolgreichen BekĂ€mpfer der AfD. "Ich verhindere durch klare Ansprache der Probleme, dass immer mehr verĂ€rgerte Menschen aus der Mitte zu dieser Partei wandern", sagte der bayerische Wirtschaftsminister der Wochenzeitung die "Zeit". Die Berliner Ampel-Regierung und vor allem die GrĂŒnen seien dafĂŒr verantwortlich, dass inzwischen viele Menschen AfD wĂ€hlten. "Ich versuche zu retten, was zu retten ist", so Aiwanger. "Schauen Sie in die BundeslĂ€nder auĂerhalb Bayerns. Dort haben wir 20 bis 30 Prozent AfD." In Bayern seien es zehn bis elf Prozent. "Ich halte WĂ€hler bei mir, die in anderen BundeslĂ€ndern AfD wĂ€hlen." Aiwanger verteidigte auch seine umstrittene Rede auf der Anti-Heizungsgesetz-Demonstration im bayerischen Erding, bei der er forderte, dass sich die "schweigende Mehrheit" die "Demokratie wieder zurĂŒckholen" mĂŒsse. In Erding habe "der normale DurchschnittsbĂŒrger demonstriert, nicht der rechte Mob", sagte Aiwanger der Zeitung. "Diesen Leuten habe ich gesagt: Ihr reprĂ€sentiert die Mehrheit der Bevölkerung und die Politik und auch die Medien mĂŒssen wieder mehr die Mehrheitsmeinung der Bevölkerung abbilden." Aiwanger sagte der Wochenzeitung, dass er Reden wie jene in Erding mit dem Ziel halte, die gesellschaftliche Spaltung zu bekĂ€mpfen: "Wenn es mich nicht gĂ€be, wĂ€re das Land noch polarisierter."
dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH
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