Tour de Suisse, Gino MĂ€der

Radprofi MĂ€der stirbt nach dramatischem Sturz

16.06.2023 - 16:01:29

Der Radprofi Gino MĂ€der ist tot. Der 26-JĂ€hrige erliegt nach einem Sturz seinen Verletzungen. Statt zur sechsten Etappe starten die Kollegen zu einer Trauerfahrt. Die Radsportwelt steht unter Schock.

Tief erschĂŒttert vom tödlichen Sturz des Schweizer Radprofis Gino MĂ€der spendeten sich seine Kollegen weinend gegenseitig Trost. Mit einer Gedenkminute und einer Trauerfahrt erinnerten die Radsportler bei der Tour de Suisse am Freitag an den 26-JĂ€hrigen, der kurz vor dem Start der sechsten Etappe seinen schweren Verletzungen vom Vortag erlegen war.

Die Nachricht vom Tod MĂ€ders schockte seine Teamkollegen von Bahrain-Victorious und die Radsportwelt. MĂ€der war am Donnerstag bei der fĂŒnften Etappe mit hohem Tempo in eine Schlucht gestĂŒrzt und musste reanimiert werden. 

«Wir sind durch den Verlust unseres außergewöhnlichen Fahrers, Gino MĂ€der, am Boden zerstört. Sein Talent, seine Hingabe und sein Enthusiasmus waren eine Inspiration fĂŒr uns alle», sagte Team-Manager Milan Erzen. Am Freitagvormittag um 11.30 Uhr sei MĂ€der an seinen schweren Verletzungen gestorben. «Unser gesamtes Team ist erschĂŒttert ĂŒber diesen tragischen Unfall, und unsere Gedanken und Gebete sind bei Ginos Familie und seinen Angehörigen in dieser unglaublich schwierigen Zeit», teilte Bahrain-Victorious mit.

Bahrain-Victorious steigt aus

MĂ€ders Teamkollegen um den Deutschen Nikias Arndt erinnerten am Nachmittag gemeinsam mit den anderen Radprofis bei einer Gedenkfahrt an ihre Kollegen. Diese fand ĂŒber die letzten 30 Kilometer der zuvor kurzfristig abgesagten sechsten Etappe statt. Radprofis unterschiedlicher Teams lagen sich gegenseitig in den Armen und trösteten sich. Auf einer großen Werbetafel stand «Gino, we ride for you». Im Gegensatz zur sonst ĂŒblichen Stimmung bei Radrennen herrschte meist Stille am Straßenrand. Teilweise klatschten Passanten. 

MĂ€ders Team Bahrain-Victorious zog sich von der Tour de Suisse zurĂŒck. «Wir sind alle erschĂŒttert. Keiner ist in der Lage, aufs Rad zu steigen», sagte der Sportliche Leiter Enrico Poitschke der «Bild»-Zeitung. «Er war nicht nur ein extrem talentierter Fahrer, sondern auch eine großartige Person abseits des Rads», sagte Team-Manager Erzen ĂŒber MĂ€der. 

Der 26-JĂ€hrige war am Donnerstag auf der Abfahrt vom Albula-Pass zum Zielort La Punt zu Fall gekommen, in eine Schlucht gestĂŒrzt und schwer verletzt worden. Beim Eintreffen der RettungskrĂ€fte lag MĂ€der einer Mitteilung zufolge reglos im Wasser. Er musste anschließend wiederbelebt werden und war in eine Klinik in Chur geflogen worden.

Schock und Trauer

Zahlreiche Radprofis reagierten fassungslos auf die Nachricht. «Ich kann nicht glauben, was ich hier lese. Was fĂŒr ein trauriger, trauriger Tag», schrieb der britische Profi Geraint Thomas bei Twitter. Auch die Rad-Superstars Tadej Pogacar aus Slowenien und der Belgier Wout van Aert drĂŒckten in den sozialen Netzwerken ihr Beileid aus. Auch Thomas Bach, PrĂ€sident des Internationalen Olympischen Komitees, bekundete sein MitgefĂŒhl.

MĂ€der galt als Kletterspezialist. Zu seinen grĂ¶ĂŸten Erfolgen gehörten Etappensiege beim Giro d'Italia und bei der Tour de Suisse 2021. Bei der Schweizer Rundfahrt, dem Vorbereitungsrennen fĂŒr die Tour de France, war am Donnerstag auch der Amerikaner Magnus Sheffield gestĂŒrzt und wurde ebenfalls ins Krankenhaus gebracht. Er erlitt eine GehirnerschĂŒtterung und Prellungen. 

Nach Informationen des Schweizer Fernsehens ermitteln zudem die Staatsanwaltschaft und die Kantonspolizei GraubĂŒnden zu den Ursachen des Sturzes von MĂ€der. Im Radsport kommt es immer wieder zu schweren Verletzungen infolge von StĂŒrzen. Mehrere Profis kamen schon bei UnfĂ€llen ums Leben. 2016 starb etwa der belgische Profi Antoine DemoitiĂ© an den Folgen einer Kollision mit einem Begleitmotorrad, 2019 ĂŒberlebte der belgische Radprofi Bjorg Lambrecht einen Sturz auf der Polen-Rundfahrt nicht.

Debatte um Sicherheit

Der Tod MĂ€ders dĂŒrfte daher auch wieder eine Debatte um die Sicherheit von Radprofis eröffnen. «So ein Sturz kann passieren, aber man provoziert das mit so einer langen und gefĂ€hrlichen Abfahrt kurz vor dem Ziel», kritisierte Ex-Profi Tony Martin in der «Bild». 

Ralph Denk, Teamchef des deutschen Spitzenteams Bora-hansgrohe, sagte der Zeitung: «Der Unfall hat nichts damit zu tun, dass das Ziel kurz danach kam. Der Pass war der erste des Tages. Die Fahrer hinten gehen oft grĂ¶ĂŸeres Risiko als die, die um den Sieg fahren. Und fĂŒr Gino ging es um nichts mehr, weder in der Tages-, noch der Gesamtwertung. Das macht es noch tragischer.»

Zu den Fahrern, die wegen der StreckenfĂŒhrung Kritik an den Organisatoren ĂŒbten, zĂ€hlte auch Weltmeister Remco Evenepoel aus Belgien. Es sei keine schlaue Idee gewesen, das Ziel einer solchen Etappe nach einer Abfahrt zu platzieren, sagte der 23-JĂ€hrige nach Angaben der Schweizer Zeitung «Blick». «Aber man braucht offenbar immer noch mehr Spektakel. Es muss wohl einfach etwas passieren, damit man reagiert», sagte Evenepoel.

@ dpa.de