Einstige Allianz endet in Schlammschlacht
06.06.2025 - 06:35:04Der Tech-MilliardĂ€r ging dabei sogar so weit, Trump die FĂŒhrungsrolle in der Republikanischen Partei streitig zu machen. Der US-PrĂ€sident wiederum drohte damit, Musks Unternehmen RegierungsauftrĂ€ge zu entziehen - woraufhin der Tech-MilliardĂ€r konterte, er werde der US-Weltraumagentur Nasa die fĂŒr sie momentan unverzichtbaren Dragon-Raumkapseln seiner Firma SpaceX vorenthalten.
Der Streit zwischen Musk und Trump entflammte rund um das vom PrĂ€sidenten vorangetriebene Steuer- und Haushaltsgesetz. Musk, der sich im Auftrag von Trump bis vor kurzem um eine radikale Senkung der Staatsausgaben kĂŒmmern sollte, fordert weitaus stĂ€rkere AusgabenkĂŒrzungen. In den vergangenen Tagen verschĂ€rfte er nach seinem RĂŒckzug aus Washington die Attacken auf das Gesetz - und damit auch auf Trumps Regierung.
Ăffentlich wurde Trump zum ersten Mal beim Termin mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im WeiĂen Haus auf die Kontroverse angesprochen. Der 78-JĂ€hrige deutete an, dass Musk von geschĂ€ftlichen Interessen geleitet werde. Der umtriebige Unternehmer ist unter anderem Chef des Elektroauto-Herstellers Tesla US88160R1014. Trump sagte, Musk habe kein Problem mit dem Gesetz gehabt - bis er erfahren habe, dass auch eine KĂŒrzung milliardenschwerer Subventionen fĂŒr Elektrofahrzeuge dazugehöre. Musk nannte das eine LĂŒge.
Musk: Trump bleibt nur noch dreieinhalb Jahre PrÀsident
Der 53 Jahre alte Besitzer der reichweitenstarken Online-Plattform X legte Kongressmitgliedern der Republikanischen Partei nahe, sich bei der Abstimmung ĂŒber das Gesetz auf seine Seite zu schlagen. "Trump hat noch dreieinhalb Jahre als PrĂ€sident - und mich wird es noch mehr als 40 Jahre geben", schrieb er als "DenkanstoĂ" fĂŒr die Parlamentarier auf X, wo er binnen weniger Stunden eine regelrechte Kaskade an Posts absetzte.
Zwar mag es fragwĂŒrdig scheinen, dass Musk fĂŒr sich damit wie selbstverstĂ€ndlich eine Lebenserwartung von mehr als 90 Jahren veranschlagt - doch fĂŒr Kongressmitglieder sind seine Worte nicht einfach eine leere Drohung. Mit einem geschĂ€tzten Vermögen von mehr als 300 Milliarden Dollar ist Musk der mit Abstand reichste Mensch der Welt. Im vergangenen Jahr steckte er ĂŒber 250 Millionen Dollar in Trumps Wahlkampf, obwohl er frĂŒher als UnterstĂŒtzer der Demokraten galt. Und mit seinem Geldpolster könnte er problemlos Herausforderer finanzieren, die unliebsamen Abgeordneten im ReprĂ€sentantenhaus oder Senat das Mandat streitig machen.
"Ohne mich hÀtte Trump die Wahl verloren"
Musk machte auch persönlich Wahlkampf fĂŒr Trump unter anderem im wichtigen Bundesstaat Pennsylvania. Trump sagte nun, er hĂ€tte in Pennsylvania auch ohne Musk locker gewonnen - und scheint den Tech-MilliardĂ€r damit zusĂ€tzlich gegen sich aufgebracht zu haben. "Ohne mich hĂ€tte Trump die Wahl verloren", behauptete Musk bei X. "So eine Undankbarkeit."
Danach holte Musk zu einer aufsehenerregenden Anschuldigung aus, die er mit dem Satz "Es ist an der Zeit, die wirklich groĂe Bombe zu werfen" einleitete: Er behauptete, Trumps Name finde sich in Unterlagen zum berĂŒchtigten SexualstraftĂ€ter Jeffrey Epstein. "Das ist der wahre Grund, warum sie nicht veröffentlicht wurden", schrieb er - und wĂŒnschte Trump danach einen "schönen Tag".
Epstein war 2019 in einer New Yorker GefĂ€ngniszelle gestorben. Vize-FBI-Direktor Dan Bongino bekrĂ€ftigte jĂŒngst, dass der in der amerikanischen High Society bestens vernetzte Finanzier Suizid begangen habe. Trumps Justizministerium hatte im Februar einige Epstein-Unterlagen offengelegt.
Musk nannte keine Belege fĂŒr seine Behauptung - und es gibt auch keinen Grund, warum er Zugang zu den Unterlagen haben sollte. Allerdings mischte er wĂ€hrend seiner Zeit als ungewĂ€hlter Regierungsberater in Washington bei vielen Dingen mit, die seinen eigentlichen ZustĂ€ndigkeitsbereich ĂŒberschritten. Der PrĂ€sident Ă€uĂerte sich zunĂ€chst nicht zur Causa Epstein. Trump-Vertraute sagten dem Nachrichtensender CNN aber, sie glaubten nicht, dass sich das VerhĂ€ltnis der beiden von dieser Attacke Musks erholen könne.
Tesla-Aktie sackt nach Trump-Drohung ab
Der Tech-MilliardĂ€r verbreitete mit einem knappen "Ja" auch einen Beitrag bei X weiter, in dem der Autor schrieb, dass Trump des Amtes enthoben werden mĂŒsse. Trump wiederum drohte mit finanziellen Konsequenzen fĂŒr Musks Unternehmen. "Der einfachste Weg, in unserem Haushalt Milliarden und Milliarden Dollar einzusparen, ist, Elons Regierungs-Subventionen und -VertrĂ€ge zu kĂŒndigen", schrieb der PrĂ€sident bei der Online-Plattform Truth Social. Er habe sich schon immer gewundert, dass sein VorgĂ€nger Joe Biden das nicht getan habe. Viele Tesla-Anleger reagierten panisch, die Aktie des Autobauers verlor zum US-Handelsschluss mehr als 14 Prozent.
Im Gegenzug kĂŒndigte Musk an, seine Raumfahrtfirma SpaceX werde sofort damit anfangen, die Weltraumkapsel Dragon auĂer Betrieb zu nehmen. SpĂ€ter schien er dies zwar mit einem weiteren Post auf X wieder zurĂŒckzunehmen - allerdings war nicht klar zu erkennen, wie ernst es Musk damit meint.
Die Dragon-Raumkapseln sind aktuell praktisch unverzichtbar fĂŒr die USA, um Astronauten ins All zu bringen. Boeing US0970231058 hat zwar das Raumschiff Starliner entwickelt, doch beim ersten Flug mit Menschen an Bord musste die Besatzung zur Sicherheit an Bord der Weltraumstation ISS bleiben, weil es technische Probleme gab. Die Astronauten hingen monatelang auf der ISS fest, bevor sie mit einer SpaceX-Kapsel zurĂŒckkehrten.
Aus demonstrativer Eintracht wird bitterer Streit
Zum ersten Mal behauptete Trump auch, er habe Musk gebeten, sich aus Washington zurĂŒckzuziehen. Bisher hatten beide auf eine Regel verwiesen, nach der externe Regierungsmitarbeiter nur 130 Tage pro Jahr beschĂ€ftigt werden dĂŒrfen. Von Differenzen war keine Rede gewesen, nach auĂen hin wurde gesichtswahrend kommuniziert - bis jetzt.
In den vergangenen Monaten trugen Trump und Musk demonstrativ ihre Eintracht zu Schau, so dass der schwerreiche Firmenboss oft als "First Buddy" des PrĂ€sidenten bezeichnet wurde. Sie zeigten sich gemeinsam bei einem SpaceX-Raketenstart und einem Wrestling-Turnier. Musk durfte sich auĂergewöhnliche Freiheiten herausnehmen und zum Beispiel seinen Sohn X bei einem Medientermin im Oval Office herumtoben lassen.
Als die Verkaufszahlen von Tesla unter anderem wegen Musks rechter politischer Ansichten einbrachen, lieĂ Trump eine Autokolonne vor dem WeiĂen Haus auffahren und kaufte sich demonstrativ eines der Elektrofahrzeuge. "Ich liebe Tesla!", rief Trump dabei in die TV-Kameras. Musk schrieb derweil im Februar, er liebe Trump "so sehr, wie ein Hetero-Mann einen anderen lieben kann".
Allerdings wurde schon seit Beginn der Allianz spekuliert, dass die oft spöttisch als "Bromance" bezeichnete VerbrĂŒderung zwischen Trump und Musk ein reines ZweckbĂŒndnis sei. Allein schon wegen ihrer ausgeprĂ€gten Egos könne die Allianz nicht ewig wĂ€hren.

