Kreml, Putin

Kreml: Putin gab US-Journalist Carlson Interview

07.02.2024 - 13:40:01

Der russische PrĂ€sident Wladimir Putin hat erstmals seit Beginn seines Angriffskrieges gegen die Ukraine einem US-Journalisten ein ausfĂŒhrliches Interview gegeben.

Kremlsprecher Dmitri Peskow teilte am Mittwoch mit, dass der frĂŒhere Fox-News-Moderator Tucker Carlson in Moskau mit Putin das GesprĂ€ch gefĂŒhrt habe. Der rechte Talkmaster, der sich seit Tagen in Moskau aufhĂ€lt und die russische Hauptstadt als großartig lobte, hatte am Dienstagabend das Interview angekĂŒndigt. Auch der US-Sender CNN berichtete ĂŒber Carlsons InterviewplĂ€ne.

Carlson vertrete eine andere Position als westliche Medien, mit denen GesprĂ€che keinen Sinn hĂ€tten, begrĂŒndete Peskow die Initiative. Mehrere westliche Medien hatten ebenfalls um ein Interview mit Putin ersucht. Aus Kremlsicht schenkt aber Carlson, der ein AnhĂ€nger von Ex-US-PrĂ€sident Donald Trump ist, seit langem russischen Positionen Gehör. "Er hat eine Haltung, die sich von den anderen unterscheidet. Sie ist in keiner Weise prorussisch, sie ist nicht proukrainisch, sie ist am ehesten proamerikanisch", sagte Peskow. Der 54-jĂ€hrige Carlson, der ein Millionenpublikum hat, ist auch wegen der Verbreitung von Verschwörungstheorien bekannt.

Peskow widersprach Carlson, der behauptet hatte, andere Journalisten hĂ€tten Putin nicht interviewen wollen. "Wir erhalten viele Anfragen fĂŒr ein Interview mit dem PrĂ€sidenten", sagte Peskow. Große westliche TV-Sender und Zeitungen hĂ€tten das versucht. "Das sind alles Massenmedien, die allesamt eine ausschließlich einseitige Position vertreten." Es gebe da weder einen Sinn noch einen Nutzen, sich mit solchen Medien zu unterhalten. Peskow sagte, dass es Carlson ĂŒberlassen sei, ĂŒber die UmstĂ€nde des Interviews und den Zeitpunkt der Veröffentlichung zu informieren.

Der US-Journalist hatte erklĂ€rt, das GesprĂ€ch im sozialen Netzwerk X (vormals Twitter) und auf seiner Internetseite kostenlos und in voller LĂ€nge ungeschnitten zugĂ€nglich zu machen. Carlson sagte, dass sich alle Amerikaner abseits der "hĂ€sslichsten Regierungspropaganda" unter US-PrĂ€sident Joe Biden selbst ein Bild machen sollten, weil dieser Krieg zu einem großen Teil von ihnen bezahlt werde.

"Wir sind nicht hier, weil wir Wladimir Putin lieben, wir sind hier, weil wir die USA lieben", sagte Carlson. Er meinte, dass der Krieg schon jetzt die nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffene globale Wirtschaftsordnung, die dem Westen Wohlstand gebracht habe, grundlegend verĂ€ndere. Es gehe um historische UmwĂ€lzungen, ĂŒber die US-Amerikaner informiert werden mĂŒssten. Carlson warf den US-Massenmedien vor, sie wĂŒrden die Zuschauer und Leser durch Weglassen belĂŒgen.

Carlson wurde im vergangenen Jahr von Fox News gefeuert. Der Talkmaster moderierte dort jahrelang eine quotenstarke Abendsendung. Diese nutzte er dazu, um Verschwörungstheorien und Falschmeldungen zu verbreiten und gegen Minderheiten zu hetzen. Kurz danach startete er eine eigene Show auf X.

@ dpa.de