ROUNDUP, Schlepper

Schlepper halten havarierten Tanker vor Sassnitz in Position

12.01.2025 - 20:04:50

Der seit Tagen manövrierunfÀhige Tanker "Eventin" ist vorerst an einer gesicherten Position vor dem Stadthafen Sassnitz angekommen.

Das 274 Meter lange Schiff soll nun so lang rund fĂŒnf Kilometer vor der KĂŒste von zwei Schleppern in Position gehalten werden, bis ĂŒber das weitere Vorgehen entschieden ist, wie das Havariekommando mitteilte. DafĂŒr steht es bereits mit der Reederei des Tankers in Kontakt.

Reeder soll zwei Hochsee-Schlepper beauftragt haben

"Der Reeder hat angegeben, zwei Hochsee-Schlepper beauftragt zu haben, die das Schiff an einen Ort seiner Wahl bringen sollen." Wann der Reeder diesen Plan umsetzen werde, sei derzeit noch nicht klar. "Die Ankunft der Schlepper hat die Reederei fĂŒr Montag angekĂŒndigt." Zu welcher Tageszeit das sein wird, konnte ein Sprecher des Havariekommandos zunĂ€chst nicht sagen. "Wohin sie das Schiff bringen sollen, ist nicht bekannt", teilte das Havariekommando zudem mit. Warum es den Blackout an Bord gegeben hat, war dem Havariekommando zufolge zunĂ€chst unklar.

Der fast 20 Jahre alte Tanker mit fast 100.000 Tonnen Öl an Bord war am Freitag in der Ostsee nördlich von RĂŒgen havariert. Weil alle Systeme an Bord ausgefallen waren, trieb das Schiff stundenlang manövrierunfĂ€hig in der Ostsee. Rettungsteams gelang es schließlich am Freitagnachmittag, auf hoher See Schleppverbindungen zur "Eventin" herzustellen. So konnte das Schiff vor die KĂŒste von Sassnitz gezogen werden. Die Wetterbedingungen auf See hatten den Schleppvorgang erheblich verlangsamt, zwischenzeitlich waren die Wellen bis zu vier Meter hoch.

Ärztin kontrolliert Gesundheitszustand der Besatzung

Dem Havariekommando zufolge besteht derzeit keine Gefahr fĂŒr die Umwelt, das Schiff ist dicht, die Lage wird als stabil bewertet. Auch das Wetter hatte sich weiter beruhigt und der Wind hatte nachgelassen. "Die gewĂ€hlte Position bietet zudem Schutz vor den nördlichen Winden", hieß es vom Havariekommando.

An Bord des derzeit stromlosen Tankers sind noch 24 Besatzungsmitglieder. Sie sind seit dem Totalausfall ohne Strom, Heizung und fließendes Wasser. Am Sonntagmittag hatten sich deshalb eine Ärztin und ein SanitĂ€ter auf das Schiff abseilen lassen. Sie sollten den Gesundheitszustand der Crew prĂŒfen und kamen mit guten Nachrichten von Bord zurĂŒck: "Derzeit benötigen sie keine akute medizinische Hilfe", sagte ein Sprecher des Havariekommandos der Deutschen Presse-Agentur.

Notstromaggregate und HeizlĂŒfter fĂŒr die Crew

Zuvor waren bereits mehrere Notstromaggregate an Bord gebracht worden, damit sich die Crew versorgen kann. "Damit können sie wieder elektrische GerĂ€te wie Mikrowelle und Wasserkocher nutzen, ihre Handys laden und die HeizlĂŒfter betreiben. Wir haben ihnen auch mehrere Kanister Sprit fĂŒr die Notstromaggregate mitgeben." Weitere HeizgerĂ€te sollen noch angeliefert werden. Zudem werde ein vom Reeder beauftragtes Unternehmen am Montag frische VorrĂ€te und Benzin fĂŒr die Notstromgeneratoren liefern.

Am Sonntag war zudem der erste der beiden Notschlepper, die den Tanker in Position halten, gegen einen kommerziellen Schlepper ausgetauscht worden. Der zweite Schlepper sollte noch im Laufe des Tages abgelöst werden. "Dies soll gewĂ€hrleisten, dass die Notschlepper fĂŒr potenzielle weitere EinsĂ€tze auf der Ostsee verfĂŒgbar sind", teilte das Havariekommando mit.

Bislang ist unklar, wann und wo der 274 Meter lange Tanker repariert werden soll. Die Reederei, der die "Eventin" gehört, hat ihren Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Umweltorganisation Greenpeace rechnet das 2006 gebaute Schiff zur sogenannten russischen Schattenflotte, mit der das mit Sanktionen belegte Russland Öl exportiert.

Mehr Sicherheit fĂŒr Ostsee-Schifffahrt gefordert

Der Chef des Landestourismusverbandes, Tobias Woitendorf, nahm die Havarie zum Anlass, die Forderung seines Verbandes nach besseren Sicherheitsvorkehrungen in den verkehrsreichen GewÀssern der Ostsee zu erneuern. "Gefahrenabwehr darf nicht erst im Schadensfall beginnen. Das muss prÀventiv und international abgestimmt erfolgen. Das Thema sollte man auf bundespolitischer Ebene höher hÀngen", mahnte er.

Die Kadetrinne nördlich von Rostock ist eine der schmalsten und schwierigsten Passagen in der Ostsee. Bis zu 200 Frachtschiffe durchfahren pro Tag die zum Teil nur etwa 1.000 Meter breite Engstelle, in der es schon hĂ€ufiger zu Havarien kam. Deshalb gibt es immer wieder auch Forderungen nach Lotsenpflicht dort. 2001 etwa hatte der Zuckerfrachter "Tern" den Öltanker "Baltic Carrier" gerammt, woraufhin rund 2.700 Tonnen Öl an die dĂ€nische KĂŒste gespĂŒlt wurden.

@ dpa.de