Scholz und Söder verlangen von Aiwanger weitere AufklÀrung
28.08.2023 - 17:26:36 | dpa.de
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Bayerns MinisterprĂ€sident Markus Söder (CSU) fordern weitere AufklĂ€rung von Freie-WĂ€hler-Chef Hubert Aiwanger zu einem antisemitischen Flugblatt aus Schulzeiten. «UnabhĂ€ngig davon, wer dieses Flugblatt verfasst und verbreitet hat: Es handelt sich da wirklich um ein furchtbares, menschenverachtendes Machwerk», sagte Vize-Regierungssprecher Wolfgang BĂŒchner in Berlin. «Das muss aus Sicht des Bundeskanzlers auch alles umfassend und sofort aufgeklĂ€rt werden und mĂŒsste dann gegebenenfalls auch politische Konsequenzen haben.»
Söder berief fĂŒr Dienstag einen Sonder-Koalitionsausschuss ein. Dort soll Aiwanger offene Fragen beantworten und persönlich Stellung nehmen.
Söder habe die Freien WĂ€hler zu der Sitzung «einbestellt», teilte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) in MĂŒnchen mit. Man habe Aiwangers ErklĂ€rung «zur Kenntnis genommen. Aber es bleiben viele Fragen offen. Diese kann nur Hubert Aiwanger persönlich beantworten», sagte Herrmann. «Wir erwarten, dass dies zeitnah geschieht. Die VorwĂŒrfe sind zu ernst, als dass sich ein stellvertretender MinisterprĂ€sident nur schriftlich Ă€uĂert und entscheidende Fragen unbeantwortet lĂ€sst.» Aiwanger mĂŒsse sich ĂŒber die schriftliche Stellungnahme hinaus «persönlich und umfassend erklĂ€ren». «Es geht um das Ansehen Bayerns», mahnte der enge Vertraute Söders.
War Aiwangers Bruder der Verfasser?
Aiwanger (52) hatte am Samstagabend schriftlich zurĂŒckgewiesen, als MinderjĂ€hriger zu Schulzeiten in den 1980er Jahren ein antisemitisches Flugblatt geschrieben zu haben, ĂŒber das die «SĂŒddeutsche Zeitung» (SZ) berichtet hatte. «Ich habe das fragliche Papier nicht verfasst und erachte den Inhalt als ekelhaft und menschenverachtend», hieĂ es in einer ErklĂ€rung Aiwangers. Der Verfasser sei ihm bekannt, weder damals noch heute war und sei es aber seine Art gewesen, «andere Menschen zu verpfeifen», ergĂ€nzte er.
Gleichzeitig rĂ€umte er aber ein, es seien «ein oder wenige Exemplare» in seiner Schultasche gefunden worden. Kurz darauf gestand Aiwangers ein Jahr Ă€lterer Bruder ein, das Pamphlet geschrieben zu haben: «Ich war damals total wĂŒtend, weil ich in der Schule durchgefallen war.»
Am Montag sagte der Bruder den Zeitungen der Mediengruppe Bayern, das Flugblatt könnte damals deshalb in Hubert Aiwangers Schultasche gefunden worden sein, weil dieser es habe wieder einsammeln wollen. «Ich bin mir nicht mehr ganz sicher», sagte er. «Aber ich glaube, dass Hubert sie wieder eingesammelt hat, um zu deeskalieren.»
Söder, der Aiwanger am Samstag zu einer raschen AufklĂ€rung gedrĂ€ngt hatte, hat sich seither nicht mehr zu den ErklĂ€rungen geĂ€uĂert.
Opposition fordert Aiwangers RĂŒcktritt
Die Landtags-Opposition hatte den Druck auf Söder deshalb massiv erhöht. GrĂŒne, SPD und FDP forderten eine umgehende Stellungnahme von ihm. In AbhĂ€ngigkeit davon wollen sie gegebenenfalls ĂŒber einen möglichen Antrag auf eine Sondersitzung im Landtag entscheiden. Die SPD hatte sich als erstes fĂŒr eine Sondersitzung ausgesprochen, sie hĂ€lt den RĂŒcktritt oder die Entlassung Aiwangers fĂŒr unausweichlich.
Auch GrĂŒnen-Landtagsfraktionschef Ludwig Hartmann forderte nun: «Wer an "Verpfeifen" denkt, statt Zivilcourage zu zeigen, Mut zu beweisen und den Mund aufzumachen, wenn die WĂŒrde der Opfer des Naziregimes mit FĂŒĂen getreten wird und das Grauen verharmlost, der darf nicht lĂ€nger mitbestimmen, wie wir in Bayern leben.»
CDU-GeneralsekretÀr Carsten Linnemann forderte weitere AufklÀrung. «Die Inhalte des Flugblatts sind widerlich, abscheulich und menschenverachtend», sagte Linnemann nach Beratungen der CDU-Spitze in Berlin. Nun gelte es aufzuklÀren.
In Bayern wird am 8. Oktober ein neuer Landtag gewÀhlt. Die CSU hatte bislang stets erklÀrt, die Koalition mit den Freien WÀhlern nach der Wahl fortsetzen zu wollen. Alle Umfragen hatten bis zuletzt auch fast keinen Zweifel daran gelassen, dass dies möglich sein wird - wobei die Freien WÀhler zuletzt bei 11 bis 14 Prozent lagen. Die CSU regiert im Freistaat seit 2018 zusammen mit den Freien WÀhlern.
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