Mord, Brokstedt

Messerangriff von Brokstedt: «Er hat mich angegrinst»

17.07.2023 - 15:28:24

Der TĂ€ter holt ein Messer aus einer Sporttasche und sticht auf mehrere FahrgĂ€ste ein. Die ersten Zeugen im Mordprozess um die Messerattacke von Brokstedt schildern ein fĂŒrchterliches Geschehen.

Die erste Zeugin im Prozess um den tödlichen Messerangriff im Regionalzug im schleswig-holsteinischen Brokstedt ist dem TÀter möglicherweise nur knapp entkommen. «Er hat mich angegrinst», sagte die 22 Jahre alte Studentin vor dem Landgericht Itzehoe.

Sie habe dann gesehen, wie der TĂ€ter auf ein MĂ€dchen einstach und anschließend auf einen jungen Mann, der dazwischengehen wollte. Im Zug sei Panik ausgebrochen. SpĂ€ter habe sie sich auf dem Bahnsteig um Verletzte gekĂŒmmert.

HeimtĂŒckischer Mord

Dem angeklagten 34 Jahre alten PalÀstinenser Ibrahim A. wird Mord in zwei FÀllen und versuchter Mord in vier FÀllen vorgeworfen. Er soll am 25. Januar in der NÀhe des Bahnhofs von Brokstedt im Zug eine 17-JÀhrige und ihren zwei Jahre Àlteren Freund erstochen haben. Zwei weitere Frauen und zwei MÀnner erlitten schwere Verletzungen.

Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Johann Lohmann, ob sie den Angeklagten als TÀter wiedererkenne, sagte die Zeugin, die ihre Mutter in Brokstedt besuchen wollte: «Ja, das tue ich.»

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft handelte Ibrahim A. aus niedrigen BeweggrĂŒnden und in HeimtĂŒcke. Beim Prozessauftakt hatte der schmale Mann mit Kurzhaarschnitt und Bart gesagt, er sei unschuldig.

Er bestritt auch, eine psychische Erkrankung zu haben. Die Staatsanwaltschaft hĂ€lt ihn fĂŒr schuldfĂ€hig. Der Verteidiger des Angeklagten erklĂ€rte unter Bezug auf ein psychiatrisches Gutachten, sein Mandant wĂ€re besser in der geschlossenen Psychiatrie als in Untersuchungshaft aufgehoben.

Kurz vor dem Angriff

Die 22 Jahre alte Zeugin schilderte, der Mann mit dem Messer habe sich schon vor der Tat auffĂ€llig verhalten. Er sei aufgestanden, habe seine Jacke ausgezogen, sei unruhig gewesen und im Gang auf und ab gegangen. Er habe Lockerungs- und DehnĂŒbungen gemacht. «Er war relativ blass und sah unruhig aus.»

Als sie zum Ausgang gehen wollte, um in Brokstedt auszusteigen, habe der Mann den Gang versperrt. Seine Augen seien groß und rund gewesen, er habe wahnhaft geguckt. Sie habe ein etwa 20 Zentimeter langes KĂŒchenmesser gesehen, dass er noch innerhalb einer Sporttasche in der Hand hielt.

Sie sei in die andere Richtung in einen anderen Waggon gegangen, habe nach einem Zugbegleiter Ausschau gehalten und den Notruf gewÀhlt, aber nicht abgesetzt. Ein anderer Mann habe gerufen: «Achtung, der Mann hat ein Messer!» Danach habe der Angriff begonnen.

Die junge Frau schilderte das schreckliche Geschehen sachlich, ruhig und erinnerte sich an zahlreiche Details, etwa in welcher Hand der TĂ€ter das Messer hielt oder dass er von oben zustach. Nur als es um die Frage ging, wie sie das alles verarbeite, brach der 22-JĂ€hrigen fĂŒr einen Moment die Stimme. Sie habe es erst gar nicht richtig fassen können und sei lange ruhelos gewesen.

@ dpa.de