BSW, AfD

BSW und Mehrheit der AfD boykottieren Selenskyj-Rede

11.06.2024 - 16:41:42

Der ukrainische PrĂ€sident Selenskyj hĂ€lt seine erste Rede in PrĂ€senz im Bundestag. Das BĂŒndnis Sahra Wagenknecht und die AfD bleiben der Ansprache mehrheitlich fern. Das sorgt fĂŒr scharfe Kritik.

Der Großteil der AfD-Bundestagsfraktion und das BĂŒndnis Sahra Wagenknecht (BSW) sind demonstrativ der Rede des ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj im Bundestag ferngeblieben. Der AfD-Fraktionsvorstand hatte dies zuvor empfohlen.

Lediglich 4 der 77 AfD-Abgeordneten zeigten sich im Plenum bei Selenskyjs Rede. Von den zehn BSW-Abgeordneten war keiner anwesend. Vertreter anderer Parteien kritisierten das scharf.

«Wir lehnen es ab, einen Redner im Tarnanzug anzuhören», teilten die Fraktionschefs Alice Weidel und Tino Chrupalla mit. «Die Bundesregierung sollte ihm keine BĂŒhne fĂŒr Wiederaufbaubettelei geben. Die BĂŒrger zahlen mehr als genug fĂŒr MilitĂ€rhilfe, EU-Hilfe und BĂŒrgergeld fĂŒr Ukrainer.» Die Ukraine brauche einen verhandlungsbereiten FriedensprĂ€sidenten. Vom BSW hieß es: «PrĂ€sident Selenskyj trĂ€gt leider aktuell dazu bei, eine hochgefĂ€hrliche Eskalationsspirale zu befördern und nimmt dabei das Risiko eines atomaren Konflikts mit verheerenden Konsequenzen fĂŒr ganz Europa in Kauf (...) Daher sollte er im Deutschen Bundestag nicht mit einer Sonderveranstaltung gewĂŒrdigt werden (...)».

SPD-Fraktionsvize: «Selten eine solche Respektlosigkeit erlebt»

Von anderen Parteien kam scharfe Kritik. SPD-Fraktionsvize Dirk Wiese sagte der «Rheinischen Post»: «Wahrscheinlich hat der Kreml das Fernbleiben angeordnet. Ich habe selten eine solche Respektlosigkeit erlebt.» Der Erste Parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Unionsfraktion, Thorsten Frei (CDU), sagte: «Damit unterstreichen AfD und BSW einmal mehr ihre Verachtung fĂŒr die Opfer des russischen Angriffskriegs.»

Der Linken-Politiker Dietmar Bartsch kritisierte seine ehemalige Fraktionskollegin Wagenknecht und nannte das Verhalten ein «Unding»: Wie auch immer man zu Selenskyj oder zu Waffenlieferungen stehe, in der Demokratie gehe es darum, zumindest zuzuhören, und nicht darum, Aufmerksamkeit zu erregen, sagte er der dpa.

Auch Bundeskanzler Olaf Scholz hat das Fernbleiben von AfD und BSW bei der Bundestagsrede des ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj kritisiert. Dieses Verhalten sei eine «Respektlosigkeit», sagte ein Regierungssprecher dem ARD-Hauptstadtstudio. Scholz sei darĂŒber «sehr verstört, aber nicht ĂŒberrascht».

Merz: Fernbleiben von AfD und BSW ein Tiefpunkt

Unionsfraktionschef Friedrich Merz hat das Fernbleiben des BĂŒndnisses Sahra Wagenknecht (BSW) sowie der meisten AfD-Abgeordneten bei der Rede des ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj im Bundestag scharf kritisiert. «Man kann ja ĂŒber die Hilfe fĂŒr die Ukraine unterschiedlicher Meinung sein», sagte der CDU-Vorsitzende in Berlin. «Aber dass man als Abgeordneter im Deutschen Bundestag dem StaatsprĂ€sidenten dieses vom Krieg bedrohten Landes den Respekt versagt, ist ein wirklicher Tiefpunkt in der Kultur unseres Parlaments.» Er sei darĂŒber einigermaßen entsetzt.

Die vier AfD-Abgeordneten Norbert KleinwĂ€chter, Joachim Wundrak, Albrecht Glaser und Rainer Kraft waren die einzigen AfD-Vertreter im Plenarsaal und applaudierten zum Teil auch. «FĂŒr uns ist es eine SelbstverstĂ€ndlichkeit, anderen StaatsoberhĂ€uptern, wenn sie hier auf Staatsbesuch sind, zuzuhören, auch wenn wir vielleicht nicht ihre Meinung teilen», sagte KleinwĂ€chter anschließend der dpa. «Der Applaus war gelassen, an den Stellen, die man mittragen kann», daraus könne man aber keine euphorische Begeisterung ablesen, sagte Wundrak.

@ dpa.de