Drei-Millionen-Grenze bei Arbeitslosen im Visier
27.09.2024 - 13:34:31 | dpa.deDeutschland nimmt wegen seiner anhaltend schwĂ€chelnden Konjunktur Kurs auf die Marke von drei Millionen Arbeitslosen. Die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur fĂŒr Arbeit, Andrea Nahles, geht davon aus, dass diese Schallmauer im nĂ€chsten halben Jahr durchbrochen werden kann, wenn nicht entscheidende konjunkturelle Impulse kommen.Â
«Das kann im nĂ€chsten FrĂŒhling, wenn sich daran nichts Ă€ndert, auch kurzfristig dazu fĂŒhren, dass wir ĂŒber drei Millionen kommen», sagte Nahles in NĂŒrnberg bei der Vorstellung der Arbeitsmarktstatistik fĂŒr den Monat September. Es gebe derzeit keinerlei Signale, dass sich an der seit Mitte 2022 andauernden Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt schnell etwas Ă€ndere. Die Grenze von drei Millionen Arbeitslosen war zuletzt im Februar 2015 ĂŒberschritten worden.
Schwache Herbstbelebung
Wegen einer schwachen Herbstbelebung am Arbeitsmarkt sank die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im September im Vergleich zum Vormonat nur leicht um 66.000 auf 2,806 Millionen Menschen. Das sind 179.000 mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres, teilte die Bundesagentur mit. Die Arbeitslosenquote sank im September im Vergleich zum August um 0,1 Punkte auf 6,0 Prozent. FĂŒr ihre September-Statistik griff die Bundesagentur auf Datenmaterial zurĂŒck, das bis zum 11. September vorlag.Â
«Arbeitslosigkeit und UnterbeschĂ€ftigung haben im September zwar abgenommen, jedoch deutlich weniger als sonst in diesem Monat. Der Auftakt der Herbstbelebung am Arbeitsmarkt verlĂ€uft in diesem Jahr also nur schleppend», sagte Nahles in NĂŒrnberg.Â
Weniger offene Stellen
Auch die Nachfrage nach ArbeitskrĂ€ften ging weiter zurĂŒck. Im September waren nach Angaben der Bundesagentur noch 696.000 offene Stellen zur Neubesetzung gemeldet. Das sind 65.000 weniger als vor einem Jahr.Â
Im Vergleich der BundeslĂ€nder liegt die Arbeitslosigkeit in Bremen mit einer Quote von 11,1 Prozent am höchsten, gefolgt von Berlin mit 9,8 Prozent. Die niedrigste Arbeitslosenquote im LĂ€ndervergleich verzeichnet Bayern mit 3,8 Prozent. ThĂŒringen und Brandenburg sind die ostdeutschen LĂ€nder mit der niedrigsten Quote bei jeweils 6,1 Prozent. Dort ist die Arbeitslosigkeit auch geringer als in einigen westdeutschen LĂ€ndern, neben Bremen liegen auch Hamburg, Nordrhein-Westfalen und das Saarland höher.
Die Kurzarbeit könnte wieder leicht anziehen. Zwischen dem 1. und dem 23. September seien Anzeigen fĂŒr Kurzarbeit fĂŒr 65.000 Personen eingegangen. Dies bedeutet eine deutliche Erhöhung im Vergleich zum Vormonat.Â
Arbeitsminister Hubertus Heil betonte, es sei wichtig, aus der Politik wirtschaftliche Impulse zu setzen. «Die konjunkturellen Herausforderungen hinterlassen Spuren am Arbeitsmarkt», sagte er. Auch Nahles trat dafĂŒr ein, vor allem die Transformation in der Industrie politisch eng zu begleiten. Das gilt ihr zufolge besonders in den Bereichen, wo einerseits MĂ€rkte etwa in Asien wegbrechen und andererseits der internationalen Konkurrenz, etwa in den USA, massive staatliche StĂŒtzungszahlungen zuflieĂen.Â
Die Chefvolkswirtin der staatlichen Bankengruppe KfW, Fritzi Köhler-Geib, sieht trotz der anhaltend schwierigen Lage fĂŒr das nĂ€chste Jahr dennoch eine leichte Entspannung. Die Zahl der Arbeitslosen werde voraussichtlich im Jahresdurchschnitt von 2,6 Millionen im Jahr 2023 auf 2,8 Millionen im Jahr 2024 steigen. «Im Jahresdurchschnitt 2025 dĂŒrfte die Arbeitslosigkeit dann wieder leicht sinken», sagte sie.Â
FachkrÀftemangel weiter ein Problem
Köhler-Geib machte darauf aufmerksam, dass das Problem des FachkrĂ€ftemangels trotz der schwachen Konjunktur bestehen geblieben ist - noch immer suchen Betriebe in einzelnen Branchen hĂ€nderingend nach Personal, vor allem in den Dienstleistungsberufen. Zwei von fĂŒnf zu besetzenden Stellen seien bei den Jobcentern ein halbes Jahr und lĂ€nger als offen gemeldet. Eine Stellenbesetzung dauere im Schnitt viermal so lange wie vor 20 Jahren.
Auf dem Dienstleistungssektor werde nach wie vor weiter Personal aufgebaut, sagte Nahles. «Diese Impulse reichen aber nicht aus, um den fehlenden Schub durch die Konjunktur zu kompensieren», betonte sie. In der Industrie gehe dagegen nicht nur die Arbeitslosigkeit nach oben, sondern auch die BeschĂ€ftigung nach unten.Â
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