Deutsche Kommunen lassen Russland-Partnerschaften ruhen und planen Neustart
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 08:30 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDeutschlands StĂ€dte und Gemeinden halten trotz des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und zunehmender hybrider Angriffe in Europa an ihren russischen StĂ€dtepartnerschaften fest. Eine Umfrage des âRedaktionsnetzwerks Deutschlandâ unter rund 100 Kommunen mit russischen PartnerstĂ€dten zeigt, dass seit Beginn des Krieges nur eine Kommune die Partnerschaft offiziell beendet hat.
Partnerschaften ruhen, Kontakte sind stark eingeschrÀnkt
Die ĂŒbrigen befragten StĂ€dte und Gemeinden haben ihre Verbindungen nach eigenen Angaben ruhend gestellt. Offizielle Reisen, EmpfĂ€nge und Austauschprogramme finden demnach nicht mehr statt, formal bestehen die Partnerschaften jedoch fort. Der Deutsche StĂ€dtetag hatte bereits im MĂ€rz 2022 empfohlen, solche StĂ€dtepartnerschaften nicht aufzukĂŒndigen, sondern ruhen zu lassen.
Gleichwohl bleiben informelle Kontakte in vielen FĂ€llen bestehen. 39 Prozent der befragten Kommunen berichten von weiterhin bestehenden Verbindungen, etwa ĂŒber die Verwaltung, ĂŒber Vereine oder Kulturinitiativen. In MĂŒnster gab es nach Angaben der Stadt bis Ende 2022 im Dreimonatsrhythmus VideogesprĂ€che mit der Verwaltung in der russischen Partnerstadt Rjasan, inzwischen findet der Austausch noch etwa zweimal jĂ€hrlich statt.
PlĂ€ne fĂŒr die Zeit nach einer Friedenslösung
FĂŒr den Fall einer Friedenslösung wollen 42 Prozent der befragten Kommunen ihre StĂ€dtepartnerschaft wieder aktiv aufnehmen. Unter ihnen sind GroĂstĂ€dte wie Stuttgart, Dresden, Essen oder Aachen. Nur zwei Kommunen lehnen eine Wiederaufnahme klar ab, die ĂŒbrigen Ă€uĂerten sich unentschlossen und warten die weitere Entwicklung ab.
Ăber russisch-deutsche Partnervereine bestehen ebenfalls Kontakte fort. In fĂŒnf deutschen Kommunen empfingen Ehrenamtliche nach Kriegsbeginn Besuch aus ihren russischen Partnerkommunen. Mitglieder der Deutsch-Russischen Gesellschaft Ettlingen reisten im Mai 2024 in die russische Partnerstadt Gatschina.
Deutliche Worte in Schreiben an russische Partner
Gleichzeitig verurteilten 53 Prozent der Kommunen den russischen Angriffskrieg in Schreiben an ihre PartnerstĂ€dte. 17 Prozent erhielten darauf eine Antwort. Aus Dresden heiĂt es, dass einzelne Schreiben aus Russland Formulierungen enthielten, die der Linie von PrĂ€sident Wladimir Putin folgen.
Die Stadt TĂŒbingen berichtet, aus ihrer russischen Partnerstadt sei als Bedingung fĂŒr eine Wiederaufnahme des Kontakts die âBeseitigung des Nazismus in Europaâ genannt worden. Solche ĂuĂerungen erschweren den politischen und gesellschaftlichen Dialog auf kommunaler Ebene zusĂ€tzlich.
Kommunalpolitische Debatten ĂŒber ein Ende der Partnerschaften
An einigen Orten wird die Fortdauer der formalen Verbindungen kritisch gesehen. In Hamburg und DĂŒsseldorf scheiterten in diesem Jahr AntrĂ€ge von CDU und FDP, die jeweiligen StĂ€dtepartnerschaften mit russischen Kommunen vollstĂ€ndig zu beenden. Die Mehrheiten in den RĂ€ten folgten damit nicht der Forderung nach einem formellen Bruch.
BefĂŒrworter eines Festhaltens an den Partnerschaften argumentieren, die Beziehungen zwischen BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern mĂŒssten trotz der politischen Spannungen aufrechterhalten werden. Sie sehen in den Partnerschaften ein langfristiges Instrument der VerstĂ€ndigung, das nicht endgĂŒltig zerstört werden solle.
Ausbau der Kooperation mit ukrainischen StÀdten
Zugleich verstĂ€rken viele Kommunen ihr Engagement gegenĂŒber der Ukraine. 25 Prozent der befragten StĂ€dte und Gemeinden gaben an, seit 2022 eine neue Partnerschaft mit einer ukrainischen Stadt geschlossen oder eine bestehende Verbindung ausgebaut zu haben. Damit setzen sie ein zusĂ€tzliches Zeichen der UnterstĂŒtzung fĂŒr das von Russland angegriffene Land.
Die parallelen Entwicklungen â ruhende Partnerschaften mit Russland einerseits, Ausbau von Beziehungen zur Ukraine andererseits â zeigen, wie Kommunen auf den Krieg reagieren, ohne ihre langjĂ€hrigen internationalen Verflechtungen einseitig zu kappen.
Die dts-Meldung zeigt, dass viele deutsche Kommunen trotz des russischen Angriffskriegs ihre formalen Partnerschaften mit russischen StĂ€dten beibehalten, sie aber faktisch auf Eis gelegt haben. Damit bleiben langfristig angelegte zivilgesellschaftliche und kommunale Verbindungen bestehen, ohne den Krieg oder die Politik der russischen StaatsfĂŒhrung zu legitimieren.
Zwischen Distanzierung und GesprÀchskanÀlen
Die Ruhephase der Partnerschaften spiegelt einen Balanceakt wider: Einerseits verurteilen zahlreiche StĂ€dte den Krieg ausdrĂŒcklich in Schreiben an ihre russischen Partnerverwaltungen und stellen offiziellen Austausch ein. Andererseits halten viele Kommunen informelle Kontakte ĂŒber Verwaltungen, Vereine oder Kulturinitiativen aufrecht. Dahinter steht die Ăberzeugung, dass gerade in Zeiten politischer Konfrontation kommunale und zivilgesellschaftliche KanĂ€le wichtig bleiben, um mit einzelnen Akteuren vor Ort im GesprĂ€ch zu bleiben.
Die RĂŒckmeldungen aus Russland, etwa Putin-treue Formulierungen oder die Forderung nach âBeseitigung des Nazismus in Europaâ, machen deutlich, dass diese Kontakte nicht konfliktfrei sind. Sie zeigen, wie stark offizielle russische Narrative in Teilen der Kommunalverwaltungen und Partnerorganisationen prĂ€sent sind und wie schwierig eine VerstĂ€ndigung auf gemeinsame Werte derzeit ist.
Neue Schwerpunkte, möglicher Ausblick
Parallel zur faktischen Aussetzung vieler Russland-Beziehungen bauen mehrere Kommunen ihre Partnerschaften mit ukrainischen StĂ€dten aus oder begrĂŒnden neue. Damit setzen sie ein klares politisches und moralisches Signal der UnterstĂŒtzung fĂŒr das von Russland angegriffene Land, ohne die langfristig gewachsenen Beziehungen nach Russland formell abzubrechen. Die Empfehlung des Deutschen StĂ€dtetags, Partnerschaften ruhen zu lassen statt zu kĂŒndigen, spiegelt diese Doppelstrategie wider.
FĂŒr die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger wird damit deutlich: Kommunen versuchen, die Folgen des Krieges ernst zu nehmen und solidarisch zu handeln, ohne dauerhaft alle BrĂŒcken zu russischen Zivilgesellschaften zu kappen. Ob und wie die ruhenden Partnerschaften nach einer Friedenslösung wiederbelebt werden können, hĂ€ngt davon ab, wie sich politische VerhĂ€ltnisse und Vertrauen zwischen den StĂ€dten entwickeln.
