Basketball-WM, Frauen-Nationalteam

Deutsche Basketballerinnen verlieren WM-Halbfinale gegen Frankreich und spielen um Bronze

Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 18:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Deutschlands Basketballerinnen verlieren bei der Heim-WM in Berlin klar gegen den Olympia-Zweiten Frankreich, behalten aber die Chance auf die erste WM-Medaille im Spiel um Bronze. Der Gegner am Sonntag ist entweder die USA oder Spanien.

  • Sabally hatte Mühe, offensiv Akzente zu setzen. - Bild: Andreas Gora/dpa
    Sabally hatte Mühe, offensiv Akzente zu setzen. - Bild: Andreas Gora/dpa
  • In Reihe eins: Dirk Nowitzki war erneut in der Arena. - Bild: Andreas Gora/dpa
    In Reihe eins: Dirk Nowitzki war erneut in der Arena. - Bild: Andreas Gora/dpa
  • Das deutsche Team wollte nach Belgien auch Frankreich überraschen. - Bild: Andreas Gora/dpa
    Das deutsche Team wollte nach Belgien auch Frankreich überraschen. - Bild: Andreas Gora/dpa
Sabally hatte Mühe, offensiv Akzente zu setzen. - Bild: Andreas Gora/dpa In Reihe eins: Dirk Nowitzki war erneut in der Arena. - Bild: Andreas Gora/dpa Das deutsche Team wollte nach Belgien auch Frankreich überraschen. - Bild: Andreas Gora/dpa

Deutschlands Basketballerinnen haben bei der Heim-Weltmeisterschaft in Berlin den Einzug ins Finale verpasst, dürfen aber weiter auf die erste WM-Medaille ihrer Geschichte hoffen.

Klare Niederlage gegen Favorit Frankreich

Im Halbfinale unterlagen die Gastgeberinnen dem Olympia-Zweiten Frankreich deutlich mit 64:86 (38:45). Vor 12.650 Zuschauern in der ausverkauften Berliner Arena, darunter auch Dirk Nowitzki und Nationalmannschaftskapitän Dennis Schröder, konnten Leonie Fiebich und ihre Mitspielerinnen den fünften Sieg in Serie nicht mehr erreichen. Nyara Sabally und Kapitänin Marie Gülich waren mit jeweils zwölf Punkten die besten Werferinnen im deutschen Team, für Frankreich ragte Gaby Williams mit 22 Zählern heraus.

Zu viele Ballverluste bremsen deutschen Lauf

Bundestrainer Olaf Lange machte nach der Partie vor allem die hohe Zahl an Ballverlusten für die Niederlage verantwortlich. Deutschland leistete sich mehr als 20 Turnover, darunter Fehlpässe, Schrittfehler und ein Doppeldribbling, und konnte so dem hohen Druck der französischen Defensive nicht standhalten. Frankreich, das bis zum Halbfinale alle vier WM-Spiele mit mindestens 26 Punkten Differenz gewonnen hatte, nutzte diese Fehler immer wieder zu schnellen Punkten.

Kurze Führung, dann übernimmt Frankreich

Zu Beginn spielte die deutsche Auswahl frei auf und konnte das Publikum mit Dreipunktwürfen von Leonie Fiebich und Alexandra Wilke mitreißen. Zum Ende des ersten Viertels lag Deutschland für exakt elf Sekunden in Führung, doch Frankreich um Gaby Williams und Marine Johannès antwortete regelmäßig und zeigte sich offensiv variabler als der zuvor bezwungene Europameister Belgien. Unter dem Korb waren Sabally und Gülich gegen die physisch starken Gegnerinnen dauerhaft gefordert.

Vorentscheidung nach der Pause

Nach einigen Unaufmerksamkeiten im Angriff wuchs der Rückstand im zweiten Viertel zeitweise auf neun Punkte an. Direkt nach der Halbzeit setzten die Französinnen einen 9:0-Lauf, befeuert von weiteren deutschen Ballverlusten. Das Team von Chefcoach Lange kam zwar noch einmal heran, doch das Spiel wurde nicht mehr richtig eng. Auch weil die bislang beste deutsche Punktesammlerin Frieda Bühner erst spät ihren Rhythmus fand, blieb Frankreich klar vorn.

Bronze-Spiel als historische Chance

Trotz der Niederlage haben Lange und sein Team weiterhin die Chance auf Edelmetall. Am Sonntag (16.30 Uhr) geht es im Spiel um Platz drei um Bronze, Gegner ist entweder die USA oder Spanien. Gegen Spanien wäre neun Tage nach der deutlichen 53:83-Niederlage zum WM-Auftakt sogar eine Revanche möglich. Lange betonte, dass im Team niemand an der Möglichkeit einer Medaille zweifle. Vor vier Jahren hatten die Männer in Berlin EM-Bronze gewonnen, ehe sie sich später zum Welt- und Europameister krönten – nun bietet sich den Frauen eine eigene historische Bühne.

Sommermärchen in Berlin begeistert Fans

Schon das Erreichen des Halbfinals war ein Überraschungserfolg und sorgte für eine ideale Kulisse zum Finalwochenende. Dirk Nowitzki sprach angesichts der Leistungen und der Atmosphäre von einem "Sommermärchen" und hob die enorme Stimmung in der Halle hervor. Die deutschen Spielerinnen bedankten sich nach der Schlusssirene bei den Fans und ließen sich trotz der Niederlage feiern. Das Bronze-Spiel soll nun den emotionalen Höhepunkt eines Turniers bilden, in dem sich Deutschlands Basketballerinnen erstmals dauerhaft in der Weltspitze präsentiert haben.

Historischer Erfolg trotz Halbfinal-Aus

Die Niederlage gegen Frankreich beendet zwar die Siegesserie der deutschen Basketballerinnen, ändert aber nichts an der Bedeutung dieses Turniers: Erstmals hat eine deutsche Frauen-Nationalmannschaft bei einer WM das Halbfinale erreicht und spielt nun in Berlin um eine Medaille. Schon der Coup gegen Europameister Belgien und der souveräne Auftritt vor großer Kulisse haben den Status des Frauen-Basketballs in Deutschland sichtbar verändert. Der Heimauftritt in einer ausverkauften Arena, die Präsenz prominenter Ex-Spieler und die mediale Aufmerksamkeit markieren einen Schritt in Richtung größerer Wahrnehmung und Professionalisierung.

Struktureller Aufbruch im deutschen Frauen-Basketball

Sportlich zeigt das Turnier, dass die Mannschaft die Lücke zur Weltspitze verkleinert hat. Das Team um Leonie Fiebich, Nyara Sabally und Kapitänin Marie Gülich agiert in einer deutlich höheren Intensität als in früheren Jahren und kann mit etablierten Topnationen über weite Strecken mithalten. Zugleich macht die Halbfinalpartie gegen Frankreich sichtbar, wo die Unterschiede noch liegen: Ballverluste unter hohem Druck, Probleme mit physischer Verteidigung und die fehlende Konstanz über 40 Minuten. Diese Punkte werden für den Deutschen Basketball Bund und die Vereine zentral sein, wenn es darum geht, Trainingsstrukturen, Nachwuchsförderung und Liga-Alltag an internationale Standards anzugleichen.

Bedeutung des Bronze-Spiels für Fans und Verband

Das Spiel um Platz drei hat eine doppelte Bedeutung. Auf dem Parkett geht es um die erste WM-Medaille überhaupt – ein greifbares Symbol für den Sprung in die Weltklasse. Abseits des Feldes entscheidet ein Erfolg darüber, wie nachhaltig der aktuelle Boom wirkt: Eine Medaille könnte Sponsorengelder, Medienpräsenz und Zuschauerinteresse stabilisieren und damit auch nach dem Heimturnier zusätzliche Ressourcen für Talente und Trainerinnen erschließen. Selbst im Falle einer Niederlage bleibt die WM ein Meilenstein, doch ein Sieg im Bronze-Spiel würde den beschriebenen Aufbruch sichtbar besiegeln und dem Team einen Platz in der deutschen Sportgeschichte sichern.

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