Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Schub für Olympia: Wie es nach dem Ja aus NRW weitergeht

20.04.2026 - 05:04:04 | dpa.de

Deutschlands Olympia-Macher spüren den Rückenwind: Die klare Zustimmung aus Nordrhein-Westfalen für eine Bewerbung ist ein deutliches Signal. Was das für die Spiele-Hoffnungen bedeutet.

  • Ministerpräsident Hendrik Wüst (l) und Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester freuen sich über das Ja beim Olympia-Entscheid. - Foto: Christoph Reichwein/dpa
  • Neben NRW bewerben sich auch München, Berlin und Hamburg als deutscher Ausrichter für Olympische und Paralympische Spiele. - Foto: Christoph Reichwein/dpa
  • In 17 Kommunen in NRW wurde über eine Olympia-Bewerbung abgestimmt. - Foto: Christoph Reichwein/dpa
  • Ministerpräsident Hendrik Wüst legt sich für die NRW-Bewerbung mächtig ins Zeug. - Foto: Christoph Reichwein/dpa
Ministerpräsident Hendrik Wüst (l) und Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester freuen sich über das Ja beim Olympia-Entscheid. - Foto: Christoph Reichwein/dpa Neben NRW bewerben sich auch München, Berlin und Hamburg als deutscher Ausrichter für Olympische und Paralympische Spiele.  - Foto: Christoph Reichwein/dpa In 17 Kommunen in NRW wurde über eine Olympia-Bewerbung abgestimmt.  - Foto: Christoph Reichwein/dpa Ministerpräsident Hendrik Wüst legt sich für die NRW-Bewerbung mächtig ins Zeug. - Foto: Christoph Reichwein/dpa

Noch bis in die Nacht wurden in Köln die Stimmzettel gezählt, doch die Olympia-Planer in Nordrhein-Westfalen hatten längst den Partybefehl von Ministerpräsident Hendrik Wüst erhalten. «Wir können mit Fug und Recht sagen: Ein historischer Rückhalt für eine Bewerbung Deutschlands um Olympische und Paralympische Spiele kommt heute Abend aus Nordrhein-Westfalen», sagte der CDU-Politiker zum Votum der Bürgerinnen und Bürger über eine Kandidatur der Region «KölnRheinRuhr» für Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. 

In 16 von 17 Kommunen wurde die erforderliche Zustimmung erreicht, rund zwei Drittel der 1,4 Millionen Teilnehmenden votierten laut Wüst mit Ja. In Köln stand das Ergebnis erst kurz nach 3.00 Uhr am Montagmorgen fest. Auch hier votierte eine Mehrheit für eine Bewerbung - wenngleich mit 57,39 Prozent die geringste Zustimmung aller Städte ermittelt wurde. «Dass der Rückhalt so stark ist, damit hätte auch ich nicht gerechnet», sagte Wüst. Nur in Herten stimmten nicht genügend Menschen ab. 

Wie geht es nun weiter?

Der Bürgerentscheid ist ein wichtiger Schritt für die Bewerbung aus NRW, aber noch nicht die nationale Vorentscheidung. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will am 26. September auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung entscheiden, mit welchem der vier deutschen Konzepte Deutschland ins internationale Bewerbungsverfahren geht. 

Der Verband bewertet alle Kandidaten mit Hilfe einer Matrix. Dabei fließt auch das Ergebnis der Bürgerentscheide ein. Daneben entscheidend sind aber auch etwa Kriterien wie die internationale Wettbewerbsfähigkeit, die sportfachliche und operative Eignung oder Kosten und Finanzierung. Bis Anfang Juni können alle deutschen Kandidaten ihre Konzepte noch nachbessern. 

Wie bewertet der DOSB das Votum in NRW?

Für die Dachorganisation ist das klare Ja-Wort aus dem Westen ein weiterer Schub für die Bemühungen um Olympia. Nach mehreren Niederlagen bei solchen Bürgerentscheiden in der Vergangenheit hat der DOSB anscheinend richtige Lehren gezogen und nach dem Erfolg beim Votum in München auch Rückendeckung aus NRW. 

Das hilft beim Werben im Internationalen Olympischen Komitee (IOC). «Die Zeichen sind eindeutig: Die Begeisterung für Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland ist kein regionales Phänomen», sagte DOSB-Präsident Thomas Weikert. IOC-Mitglied Michael Mronz lobte «ein Ergebnis, das sicherlich auch international Beachtung finden wird». 

Wie planen die anderen Kandidaten?

München sieht sich nach der klaren Mehrheit von 66,4 Prozent für das Olympia-Projekt - dem ersten erfolgreichen Referendum zu Sommerspielen weltweit - und einer Rekord-Wahlbeteiligung von 42 Prozent beim Bürgerentscheid im vergangenen Herbst als aussichtsreicher deutscher Kandidat für Olympische und Paralympische Spiele. 

In Hamburg stimmen die Bürgerinnen und Bürger am 31. Mai über die Olympia-Bewerbung der Hansestadt ab. Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des NDR zeigte zuletzt eine eher skeptische Haltung der Hamburgerinnen und Hamburger gegenüber einer Bewerbung. Nachdem Kiel am Sonntag eine klare Zustimmung der Bürger für eine Kandidatur als olympischer Segel-Standort bekannt gab, sprach Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) von einem «starken Signal» auch für das Referendum in der Metropole an der Elbe.

Berlin hingegen verzichtet auf ein Referendum und lässt das Abgeordnetenhaus abstimmen. Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag DOSB können sich jedoch fast zwei Drittel der Berliner Olympische und Paralympische Spiele in der Hauptstadt vorstellen.

Mit welchen Argumenten will NRW jetzt punkten?

NRW wirbt für die «spektakulärsten, kompaktesten und nachhaltigsten Spiele» und setzt auf die Vermeidung von Neubauten durch vorhandene Sportstätten, einen Zuschauerrekord mit 14 Millionen Tickets und großen Kulissen, etwa beim Schwimmen auf Schalke oder Fußball in Dortmund. 

Zudem verweisen die Organisatoren auf die Befragung von mehr als vier Millionen Menschen in den 17 potenziellen Ausrichterstädten und betonen, dass keine andere Bewerbung mehr Menschen einbindet. «Der Lohn ist jetzt eine olympische Bewerbung, die über eine noch nie dagewesene gesellschaftliche und politische Stabilität verfügt», bekräftigte Ministerpräsident Wüst.

Welche Chancen hat eine deutsche Bewerbung überhaupt?

Bei der Vergabe-Entscheidung im IOC muss Deutschland mit viel Konkurrenz rechnen. Indien und Katar haben sich für 2036 in Position gebracht, auch Saudi-Arabien dürfte nach der Fußball-WM 2034 Interesse an Olympia haben. In Europa könnte Madrid der stärkste Rivale einer deutschen Bewerbung sein. Südafrika dürfte spätestens 2040 oder 2044 ein Anwärter sein.

Noch aber ist offen, wann und nach welchem Modus künftige Spiele vergeben werden. Die neue IOC-Präsidentin Kirsty Coventry hat eine Kommission einberufen, die den aktuellen Auswahlprozess überprüfen soll. Ende Juni werden Ergebnisse erwartet, dann werden auch die Olympia-Planer in Deutschland ihr weiteres Vorgehen anpassen. 

Warum überhaupt Olympische Spiele in Deutschland?

Der deutsche Sport hat es aus Sicht von Fachverbänden, Athletenvertretern und Bundesregierung dringend nötig, ein Fernziel mit großer Strahlkraft zu bekommen, um sich finanziell und strukturell besser aufzustellen. «Unser Land will und braucht diese Spiele», sagte Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) nach den jüngsten Winterspielen in Italien, bei denen das deutsche Team erneut sein Medaillenziel verfehlte.

Was spricht gegen Olympische Spiele in Deutschland?

Die Kritiker argumentierten, so ein Großevent koste viel zu viel. In die aktuellen Ausgabenrechnungen seien viele Kosten wie zum Beispiel für die Sicherheit noch gar nicht eingerechnet. Zudem sei das Geld etwa für die Stadtentwicklung oder Wohnungsbau besser eingesetzt. Das Bündnis «NOlympia Köln» verwies darauf, dass viele Menschen gar nicht erst über die Pläne abgestimmt hätten.

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