Nach dem WM-Frust: Neuer gibt den Bayern-Weg vor
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 11:25 Uhr | dpa.deBei der Rückkehr auf den Trainingsplatz hatte Manuel Neuer ganz besondere Fans dabei. Söhnchen Luca und seine schwangere Ehefrau Anika zählten beim Start des Bayern-Kapitäns und anderer WM-Teilnehmer um Joshua Kimmich zu den Zuschauern am Sportplatz in Rottach-Egern. Einen Monat nach dem großen WM-Frust sind die deutschen Nationalspieler wie Turnierkollegen anderer Nationalteams zurück im Aufgebot des deutschen Fußball-Rekordmeisters.
Neuer spricht über wahrscheinlich letzte Profi-Saison
Neuer, der das Ende seiner Nationalmannschaftskarriere im Nachgang des schmerzhaften K.o. gegen Paraguay bestätigt hatte, gab den Weg zur Frustbewältigung vor. «Ich glaube, irgendwie ist man auch froh, dass es dann wieder losgeht und dass man neue Ziele hat und viel erreichen kann, auch mit dem Verein. Und das ist jetzt unser Ziel», sagte der langjährige Nationaltorhüter, der vor einer emotionalen Saison steht. Denn, das verriet der 40-Jährige kurz nachdem man den Sohnemann mit Bayern-Maskottchen Berni auf dem Rasen sehen konnte, es ist wahrscheinlich seine letzte.
«Es sieht schon stark danach aus, dass ich aufhöre», sagte die Torhüter-Legende, die in ihre 21. Saison als Profi geht. Sechs Spielzeiten beim FC Schalke 04 und jetzt schon mehr als anderthalb Jahrzehnte in München. Lange hatte sich der für die WM in die DFB-Auswahl zurückgeholte Neuer schon in der vergangenen Saison Zeit gelassen, um seine Unterschrift unter einen weiteren Vertrag zu setzen.
Reiz, den Nachfolger aufzubauen
Die Lust auf weitere Erfolge mit dem Doublesieger, vielleicht sogar zum krönenden Abschluss zum dritten Mal die Champions League zu gewinnen, ist riesengroß. Trainer Vincent Kompany, Mannschaft und Betreuerstab machen dem Torwart-Routinier so viel Spaß, dass er sich trotz eigener Einschätzung, die Wahrscheinlichkeit eines Verbleibs habe nur bei 15 Prozent gelegen, doch noch für eine Vertragsverlängerung entschied.
Dazu kommt der Reiz, seinen eigenen Nachfolger aufzubauen. Jonas Urbig (22) ist die designierte Nummer 1 für die Zukunft. Der Trainingstorhüter des WM-Kaders und 2014er-Weltmeister Neuer verstehen sich gut. Das zeigte sich auch auf dem Trainingsplatz: Urbig breitete für Neuers Sohn die Arme aus und rief ihn zu sich. Schon in der vergangenen Saison stand Urbig in 20 Pflichtspielen zwischen den Pfosten des Münchner Tores, vor allem wenn Neuer wegen der im Alter zunehmenden Verletzungsanfälligkeit ausgefallen war.
Auch beim schweißtreibenden Training am Mittwochvormittag waren Neuer und Urbig Seite an Seite zu sehen. Urbig hofft beim Rekordmeister, für den am 22. August mit dem Franz Beckenbauer Supercup bei Borussia Dortmund das erste Pflichtspiel ansteht, auf noch mehr Einsatzzeit. Vielspieler Neuer muss sich an den Gedanken erst noch gewöhnen - wenn das überhaupt möglich ist. «Ich denke, dass es ähnlich laufen wird wie in der letzten Saison. Wir werden uns unterstützen, wir haben ein gutes Torwart-Team, auch mit Ulle und den jungen Torhütern», sagte Neuer über Sven Ulreich & Co.
Kompany-Kader wird größer
Wie Neuer, Urbig und Kimmich starteten auch Neuzugang Nathaniel Brown, Jonathan Tah und Aleksandar Pavlovic aus dem deutschen Kader in dieser Woche in die Saisonvorbereitung. Das galt auch für den Japaner Hiroki Ito, den Südkoreaner Minjae Kim, den Kanadier Alphonso Davies und den Senegalesen Bara Ndiaye.
Alle besteigen wie die erwarteten WM-Rückkehrer Konrad Laimer (Österreich), Luis Díaz (Kolumbien) und Josip Stanisic (Kroatien) am Samstag auch den Charterflieger zur Sommertour nach Asien. Als letzte Profis kehren Englands Teamkapitän Harry Kane sowie die Franzosen Michael Olise und Dayot Upamecano erst danach ins Training zurück. Das gilt auch für die Akteure, die ihr Reha-Programm absolvieren.
Neuer «mega happy» über Kader und Neuzugänge
«Erstmal bin ich froh, dass eigentlich die meisten, bis auf Lennart Karl, ohne größere Blessuren wieder nach Hause gekommen sind oder bald nach Hause kommen werden», sagte Vorstandschef Jan-Christian Dreesen. Karl hatte sich im WM-Countdown verletzt und arbeitet in München wie Serge Gnabry, Jamal Musiala und Neuzugang Ismael Saibari (PSV Eindhoven) an seinem Reha-Plan.
Als zweiter Neuzugang ist Nationalmannschaftsaufsteiger Brown, der für rund 50 Millionen Euro von Eintracht Frankfurt kam, am Tegernsee schon dabei. Mit dem Kader und den Neuzugängen sei man «mega happy», sagte Neuer. «Man muss ja auch sagen, dass wir keine Abgänge aus der ersten Elf haben, bei denen du sagst: Uns bricht jetzt einer völlig weg. Ich glaube, dass die Neuzugänge auch noch mal genug Power mitbringen, dass sie uns weiterbringen.»
Sohn als Extra-Motivation?
Weiterbringen will auch Neuer die Mannschaft. Denn die Karriere setzt er nicht deshalb fort, damit der Sohn mit zunehmendem Alter noch mehr vom Papa mitbekommt. «Ich mache das für mich persönlich, weil ich in der Lage bin, der Mannschaft immer zu helfen», sagte Neuer, als er danach gefragt wurde. «Dass ich die Unterstützung habe aus meinem Familien- und Freundeskreis, das ist klar.»
