Kliniken, HausÀrzte

Kliniken, HausÀrzte, Rettungsdienst - alles geplatzt?

12.11.2024 - 04:20:36

Die Ampel-Koalition ist am Ende. Dabei hat sie in der Gesundheitspolitik meist harmoniert. Sind begonnene Vorhaben nun beerdigt, oder geht doch noch was?

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz rechnet nach dem Bruch der Ampel-Koalition mit einer HĂ€ngepartie bei wichtigen Gesundheitsreformen. «Es ist blauĂ€ugig zu glauben, dass jetzt in wenigen Sitzungstagen fĂŒr Patientinnen, Patienten und PflegebedĂŒrftige der parlamentarische Turbo gezĂŒndet wird», sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf die anstehende vorgezogene Neuwahl. «Deshalb muss die Bundestagswahl jetzt schnell kommen, um eine handlungsfĂ€hige Regierung zu bilden.»

Aber auch dann brauche es noch viele Monate Zeit, sagte Brysch und sprach von «dĂŒsteren Aussichten fĂŒr Patientinnen, Patienten und PflegebedĂŒrftige». Denn mit dem Ende der Legislaturperiode begĂ€nnen alle Gesetzesvorhaben von vorn. Der PatientenschĂŒtzer warnte: «In den KrankenhĂ€usern, Arztpraxen, Pflegediensten und daheim lĂ€uft jetzt finanziell alles aus dem Ruder.»

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte eigentlich einen «Herbst der Reformen» geplant. Mehrere Vorhaben wurden auch schon gestartet - alles passé?

Krankenhausreform

Die von der Ampel-Koalition noch im Bundestag beschlossene Neuaufstellung der Kliniken hĂ€ngt am seidenen Faden. Am 22. November entscheidet der Bundesrat: Geht die Reform durch? Oder kommt sie in den Vermittlungsausschuss mit dem Parlament, Wiederauftauchen ungewiss? Lauterbach arbeitet daran, das Großprojekt ins Ziel zu bringen. Die Reform soll die VergĂŒtung grundlegend Ă€ndern und die Kliniken von finanziellem Druck befreien. Außerdem sollen bundeseinheitliche QualitĂ€tsvorgaben abgesichert und eine stĂ€rkere Spezialisierung erreicht werden.

Entlastungen fĂŒr HausĂ€rzte

Um das Praxisnetz auch auf dem Land zu erhalten, stehen Verbesserungen fĂŒr HausĂ€rztinnen und HausĂ€rzte im Blick - unter anderem durch einen von vielen geforderten Wegfall von Obergrenzen bei der VergĂŒtung. Der Gesetzentwurf ist im Bundestag, fĂŒr diesen Mittwoch ist eine Expertenanhörung angesetzt. Aber war es das? Dabei wollte Lauterbach im Verfahren ursprĂŒnglich noch Gesundheitskioske in Brennpunktvierteln und ein Ende von Homöopathie als Kassenleistung einbauen.

Notfallversorgung

Schon im Bundestag ist auch eine Notfallreform, ĂŒber die seit langem diskutiert wird. Patientinnen und Patienten mit dringenden Anliegen sollen gezielter in passende Behandlungsangebote gelenkt werden, statt oft gleich ins Krankenhaus zu gehen. Der Entwurf sieht Anlaufstellen in Kliniken vor, in denen man je nach Dringlichkeit weitergeleitet wird - in die Notaufnahme oder eine nahe Notdienstpraxis. Ausgebaut werden sollen auch ErsteinschĂ€tzungen per Telefon. Kurz vor dem Bruch einigte sich die Ampel auch auf neue Standards fĂŒr den Rettungsdienst - voraussichtlich zu spĂ€t.

Organspenden

Im Ringen um mehr Organspenden sieht ein vom Kabinett auf den Weg gebrachter Gesetzentwurf erweiterte Möglichkeiten fĂŒr die Übertragung von Nieren vor. Damit sollten Nierenspenden auch zwischen zwei unterschiedlichen Paaren Â«ĂŒber Kreuz» erlaubt werden. Das Vorhaben steht aber wohl zu weit am Anfang. UnabhĂ€ngig von Koalitionsmehrheiten wĂ€re prinzipiell noch ein neuer Anlauf fĂŒr eine grundlegende Änderung der Spenderegeln möglich. Denn darauf zielt eine fraktionsĂŒbergreifende Initiative dafĂŒr, dass alle als Spender gelten sollen - es sei denn, man widerspricht. 

Digitalisierung

Umsetzen kann Lauterbach ein rechtzeitig beschlossenes SchlĂŒsselprojekt fĂŒr die lange stockende Digitalisierung des Gesundheitswesens: Anfang 2025 bekommen die 75 Millionen gesetzlich Versicherten von ihrer Kasse eine elektronische Patientenakte (ePA) angelegt - es sei denn, man lehnt es fĂŒr sich ab. Sie soll ein digitaler Speicher etwa fĂŒr Angaben zu Medikamenten, Befunde und Laborwerte sein und Patienten ein Leben lang begleiten. Starten soll die ePA ab 15. Januar in zwei Modellregionen und voraussichtlich vier Wochen spĂ€ter dann auch bundesweit.

@ dpa.de