SĂ€chsische Separatisten, Neonazis

Prozess gegen mutmaßliche Neonazis beginnt in Dresden

23.01.2026 - 16:26:01

Die Anklage wirft ihnen eine völkische und rassistische Ideologie und eine Verherrlichung des NS-Regimes vor. In Sachsen stehen acht mutmaßliche Neonazis wegen Terrorismusverdacht vor Gericht.

  • Am Oberlandesgericht Dresden mĂŒssen sich acht junge MĂ€nner aus der rechten Szene wegen Beteiligung an einer terroristischen Organisation verantworten. - Foto: Sebastian Kahnert/dpa

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  • 19 Verteidiger sind bei dem Prozess anwesend. - Foto: Sebastian Kahnert/dpa Pool/dpa

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  • Das Oberlandesgericht Dresden hat zunĂ€chst 67 weitere Verhandlungstermine angesetzt. - Foto: Sebastian Kahnert/dpa

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Am Oberlandesgericht Dresden mĂŒssen sich acht junge MĂ€nner aus der rechten Szene wegen Beteiligung an einer terroristischen Organisation verantworten. - Foto: Sebastian Kahnert/dpa19 Verteidiger sind bei dem Prozess anwesend. - Foto: Sebastian Kahnert/dpa Pool/dpaDas Oberlandesgericht Dresden hat zunĂ€chst 67 weitere Verhandlungstermine angesetzt. - Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Die Rede ist von Umsturzfantasien, ethnischen SĂ€uberungen und einer Verherrlichung der NS-Zeit: Acht junge MĂ€nner aus der rechten Szene stehen seit Freitag in Dresden wegen Terrorismus-Verdachts vor Gericht. Die Bundesanwaltschaft rechnet sie einer militanten Neonazi-Gruppe namens «SĂ€chsische Separatisten» zu und ist ĂŒberzeugt, dass sie ein «hochverrĂ€terisches Unternehmen» gegen die Bundesrepublik vorbereiteten. Sie seien Mitglieder einer terroristischen Vereinigung gewesen, deren Zweck und TĂ€tigkeiten darauf gerichtet waren, Mord und Totschlag zu begehen. 

RĂŒckblick: Im November 2024 hatten EinsatzkrĂ€fte an mehreren Orten in Sachsen sowie in der deutsch-polnischen Grenzstadt Zgorzelec die acht MĂ€nner bei einer Razzia festgenommen. Durchsuchungen gab es auch in Österreich. Vier von ihnen sind auch wegen GrĂŒndung einer terroristischen Vereinigung angeklagt. Zu der Gruppierung sollen auch drei AfD-Mitglieder gehört haben. Der sĂ€chsische AfD-Landesverband hatte rasch jegliche Verbindung zu der betroffenen Gruppierung zurĂŒckgewiesen. 

Training fĂŒr die Zeit nach dem Kollaps Deutschlands

Die Bundesanwaltschaft geht davon, dass die Beschuldigten im Alter von 22 bis 26 Jahre sich selbst den Namen «SĂ€chsische Separatisten» gaben und die Organisation mit «SS» abkĂŒrzten. Insgesamt habe die Gruppierung etwa 20 Leute umfasst. Sie hĂ€tten nicht selbst einen Umsturz initiieren wollen, sich aber mit Training etwa im HĂ€userkampf und mit der Beschaffung von militĂ€rischer AusrĂŒstung auf die Zeit danach vorbereitet. Nach Überzeugung der BundesanwĂ€lte wollten sie mit Waffengewalt ein möglichst großes Gebiet erobern und dieses von missliebigen Menschen sĂ€ubern.

«Die Angeklagten haben sich dazu verabredet, Gewalttaten zur Erreichung dieses Ziels zu verĂŒben. Hier war unter anderem ins Auge gefasst, Vertreter der derzeitigen staatlichen Ordnung zu beseitigen oder auch ungeliebte Minderheiten aus dem Land zu vertreiben», sagte Stephan StolzhĂ€user, Vertreter der Generalbundesanwaltschaft, nach der Verhandlung. 

Hitler als Prophet

Die BundesanwÀlte attestieren den Angeklagten eine Ablehnung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung genauso wie eine völkische und rassistische Ideologie und eine Verherrlichung des Nationalsozialismus. TatsÀchlich hatte sich einer der Beschuldigten - eine 25-JÀhriger aus Leipzig - vor einer Fahne ablichten lassen, die auf Englisch die Inschrift trug: «Hitler ist unser Prophet. Unsere Rasse ist Gott» - so steht es in der Anklage, die Bundesanwalt StolzhÀuser eine halbe Stunde lang verlas.

Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit abgelehnt

Bis zur Verlesung der Anklageschrift vergingen am ersten Prozesstag mehrere Stunden. Denn zunĂ€chst hatte ein Verteidiger einen Antrag gestellt, die Öffentlichkeit fĂŒr das gesamte Verfahren auszuschließen. Hintergrund ist der Umstand, dass die meisten Beschuldigten zum Tatzeitpunkt noch Jugendliche oder Heranwachsende waren. Das Gericht gab dem Antrag nicht statt. Die Vorsitzende Richterin Simone Herberger kĂŒndigte aber an, bei Bedarf ĂŒber einen partiellen Ausschluss gesondert zu entscheiden. 

Rechtsanwalt Martin Kohlmann - Chef der rechtsextremen Kleinpartei «Freie Sachsen» und Verteidiger des mutmaßlichen RĂ€delsfĂŒhrers der «Separatisten» - griff die BundesanwĂ€lte direkt an und warf ihnen «Terrorismus gegen die Beschuldigten» vor. Von denen sei zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr ausgegangen. Mit dem Verfahren soll nur eine «Propagandamaschine» geölt werden. Kohlmann brachte es mit der Debatte um ein AfD-Verbot in Verbindung. Zugleich sprach er von einer öffentlichen Vorverurteilung und forderte eine sofortige Einstellung des Verfahrens. 

 

19 Verteidiger im Verhandlungssaal

Neben den Beschuldigten, die aus der Untersuchungshaft in Handschellen in den Verhandlungssaal gebracht worden, nahmen insgesamt 19 Verteidiger Platz. Ein Beschuldigter lĂ€sst sich von fĂŒnf Juristen verteidigen, alle anderen von zwei. 

Der Freiburger Anwalt Dubravko Mandic, der mit vier Kollegen einen Grimmaer Kommunalpolitiker vertritt, forderte per Pressemitteilung einen Freispruch fĂŒr seinen Mandanten. «Wir weisen die VorwĂŒrfe des Generalbundesanwalts vollumfassend zurĂŒck. Der Prozess sowie die Untersuchungshaft sind unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig», hieß es. 

Eine Organisation «SĂ€chsische Separtisten» habe es nie gegeben. Man könne seinem Mandanten auch keinen Tötungsvorsatz unterstellen, erklĂ€rte Mandic weiter. Der heute 26-JĂ€hrige Beschuldigte soll bei seiner Festnahme ein Gewehr auf einen Polizisten gerichtet haben. Bevor er selbst abdrĂŒcken konnte, wurde er aber durch eine Kugel aus der Waffe des Beamten am Hals und an der Schulter verletzt. 

Der Prozess lĂ€uft wie in solchen FĂ€llen ĂŒblich unter hohen Sicherheitsvorkehrungen. Das Oberlandesgericht Dresden hat nach Prozessbeginn zunĂ€chst 67 weitere Verhandlungstermine angesetzt.

@ dpa.de