Schleppende AufklÀrung von Betrug bei Corona-Schnelltests
27.01.2025 - 17:24:53Danach folgte Bayern mit 3,9 Millionen und das Saarland sowie Rheinland-Pfalz mit je 3,5 Millionen. Acht BundeslĂ€nder ĂŒberwiesen weniger als eine Million Euro. Mehrere KassenĂ€rztliche Vereinigungen teilten laut der "Welt" mit, dass zahlreiche Klageverfahren und staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren bislang noch nicht zum Abschluss gekommen seien. Viele Teststellenbetreiber befĂ€nden sich nicht mehr in Deutschland oder seien in laufenden Insolvenzverfahren. Zudem seien die "internen Ressourcen" zur AbrechnungsprĂŒfung begrenzt, heiĂt es etwa aus der KV ThĂŒringen. Experten weisen allerdings darauf hin, dass die laufenden Verfahren nicht der einzige Grund sein dĂŒrften, warum es mit der AufklĂ€rung und RĂŒckerstattung der Betrugssummen so langsam vorangeht. "Die KassenĂ€rztlichen Vereinigungen scheuen natĂŒrlich den PrĂŒfaufwand", sagte Matthias Warneke, wissenschaftlicher Leiter des "Deutschen Steuerzahlerinstituts". TatsĂ€chlich gibt es fĂŒr die KVen keinen finanziellen Anreiz fĂŒr die mĂŒhsame Detektivarbeit: Das Geld, das sie von den Testbetreibern zurĂŒckholen sollen, flieĂt komplett an den Bund. So ist auch die Zahl der Strafanzeigen, die die KassenĂ€rztlichen Vereinigungen gestellt haben, im VerhĂ€ltnis zu den zwischenzeitlich mehr als 20.000 Testzentren eher gering, berichtet die "Welt" unter Berufung auf eine eigene Umfrage bei den KVen in den BundeslĂ€ndern. So erstattete etwa Bayern 79 Mal Anzeige, Hessen 63 Mal, Niedersachsen 44 Mal, Baden-WĂŒrttemberg 41 Mal, die KV im Bereich Nordrhein 40 Mal, Sachsen-Anhalt 21 Mal, ThĂŒringen 13 Mal und Bremen zwölf Mal. Warneke kritisierte, dass abgesehen von politischen Lippenbekenntnissen bislang "nicht viel passiert" sei. Seine Forderung: "Das Bundesgesundheitsministerium könnte den KVen die NachprĂŒfung massiv erleichtern, wenn es mit eigenen Datenanalysen systematisch nach Betrugsindizien sucht." Dann könnten die KassenĂ€rztlichen Vereinigungen gezielt Teststellenbetreiber konfrontieren und entsprechende RĂŒckzahlungen einfordern. DafĂŒr gebe es nachweislich effiziente Softwaremethoden. "Bund und LĂ€nder mĂŒssten es nur wollen", sagte Warneke. "Aber leider herrscht eher eine `Schwamm-drĂŒber`-MentalitĂ€t." Kritik kommt auch aus der FDP. "Es ist unbegreiflich, dass angesichts eines enormen Schadens fĂŒr den Steuerzahler, der bis zur Milliarde gehen könnte, bisher nur eine vergleichbar winzige Summe zurĂŒckgeholt wurde", sagte Karsten Klein, FDP-Obmann im Haushaltsausschuss und bayerischer Landesgruppenchef der FDP-Bundestagsfraktion. Die Aufarbeitung des massiven Betrugs durch Testbetreiber mĂŒsse von Minister Lauterbach "endlich zur Chefsache" gemacht werden. "Noch können BetrĂŒger ausfindig gemacht werden - wenn nur engagiert genug nach ihnen gesucht wird." Weiter forderte der Haushaltspolitiker: "Karl Lauterbach muss umgehend ĂŒberprĂŒfen, wie umfassend die KassenĂ€rztlichen Vereinigungen und die BundeslĂ€nder nach TestbetrĂŒgern suchen." Dies gelte umso mehr, als dass beide nicht vom Ermittlungserfolg profitieren und der Schaden allein zulasten des Bundes geht. "Aufgrund des fehlenden Anreizes dĂŒrfte sich deren AufklĂ€rungsinteresse daher in Grenzen halten", so Klein.


