Viel Ărger bei LĂ€nderrunde zum Thema Migration
06.11.2023 - 19:44:04Riesen-Zoff schon bevor es richtig losgeht: Vor dem wichtigsten Bund-LĂ€nder-Gipfel seit der Corona-Pandemie haben sich die LĂ€nder beim Thema Migration massiv zerstritten. Auslöser war ein neuer Forderungskatalog, den die von CDU und CSU regierten LĂ€nder zusammen mit dem GrĂŒnen-MinisterprĂ€sidenten Winfried Kretschmann vorlegten. Die SPD-LĂ€nder reagierten verĂ€rgert. Die Beratungen seien «nicht so wirklich erquicklich» gewesen, sagte Niedersachsens MinisterprĂ€sident Stephan Weil (SPD).
Dabei waren sich vorher eigentlich alle einig, dass sich Bund und LĂ€nder, Regierung und Opposition bei der EindĂ€mmung der irregulĂ€ren Migration irgendwie zusammenraufen mĂŒssen - auch um der AfD den Wind aus den Segeln zu nehmen. Zum Auftakt ging das schief.
Ăberraschender VorstoĂ von Unions-LĂ€ndern und Kretschmann
Die von CDU, CSU und GrĂŒnen gefĂŒhrten BundeslĂ€nder machten sich ĂŒberraschend gemeinsam fĂŒr Asylverfahren auĂerhalb Europas stark und stellten sich damit hinter einen entsprechenden Vorschlag des nordrhein-westfĂ€lischen MinisterprĂ€sidenten Hendrik WĂŒst (CDU). Die SPD-LĂ€nder rĂ€umten diesen VorstoĂ spĂ€ter allerdings wieder ab.
Die Idee ist, die Asylverfahren entlang der Fluchtrouten durchzufĂŒhren. Weil machte deutlich, dass die SPD-gefĂŒhrten LĂ€nder sich dies nur fĂŒr Transitstaaten hĂ€tten vorstellen können, also fĂŒr LĂ€nder, die Migranten passieren. Ein Modell Ruanda sei hingegen nicht vorstellbar gewesen - eine Anspielung auf britische PlĂ€ne. Die Regierung in London will, dass irregulĂ€r nach GroĂbritannien eingereiste Menschen ungeachtet ihrer Herkunft und ohne PrĂŒfung ihres Asylantrags festgehalten und so bald wie möglich nach Ruanda abgeschoben werden, wo sie dann auch um Asyl ersuchen sollen. Eine RĂŒckkehr nach GroĂbritannien ist nicht vorgesehen. Ein hohes britisches Gericht hatte die PlĂ€ne fĂŒr rechtswidrig erklĂ€rt.
Scholz hat schon darauf verwiesen, dass man fĂŒr Asylverfahren auĂerhalb Europas erst einmal mindestens ein Partnerland zum Beispiel in Afrika brĂ€uchte. Mit der Ablehnung der SPD-LĂ€nder dĂŒrfte das Thema aber noch nicht vom Tisch sein. Denn schon im Koalitionsvertrag hatten SPD, GrĂŒne und FDP vereinbart, prĂŒfen zu wollen, ob ein solches Verfahren «in AusnahmefĂ€llen» in Drittstaaten auĂerhalb der EU möglich ist - unter Wahrung der Genfer FlĂŒchtlingskonvention und der EuropĂ€ischen Menschenrechtskonvention. Aus Kreisen des Bundesinnenministeriums hieĂ es zu diesem PrĂŒfauftrag, diese PrĂŒfung halte noch an.
Die FlĂŒchtlingskosten - Bund soll mehr zahlen
Einigkeit gab es unter den LĂ€ndern dagegen darĂŒber, dass sie fĂŒr die Unterbringung von FlĂŒchtlingen mehr Geld vom Bund haben wollen. «Wir LĂ€nder haben einen sehr klaren Vorschlag gemacht. Wir sind sehr einig in der Frage», sagte der Vorsitzende der MinisterprĂ€sidentenkonferenz, der hessische Regierungschef Boris Rhein (CDU).
Die LĂ€nder zahlten in diesem Jahr rund 18 Milliarden Euro und die Kommunen etwa fĂŒnf Milliarden Euro fĂŒr FlĂŒchtlinge. «Deswegen glauben wir, dass da eine Unwucht ist, die ĂŒberwunden werden muss. Und darĂŒber werden wir jetzt mit dem Bund diskutieren und zu BeschlĂŒssen kommen», betonte Rhein. Die Begrenzung der Zuwanderung sei eine originĂ€re Aufgabe des Bundes.
Beim Thema Planungsgenehmigungen und Beschleunigungen waren sich die Regierungschefs Rhein zufolge sehr einig, dass wichtige Infrastrukturvorhaben deutlich schneller umgesetzt werden mĂŒssten.
Auch verstĂ€rkte Kontrollen der deutschen Grenzen und eine Bezahlkarte fĂŒr Asylbewerber wollen die LĂ€nder erreichen.


