Europa, Ukraine

Bundesregierung sieht «Fenster fĂŒr GesprĂ€che» mit Russland

03.06.2026 - 13:28:23 | dpa.de

Die BemĂŒhungen der USA um ein Ende des Ukraine-Krieges sind ins Stocken geraten. Nun versuchen die EuropĂ€er ins Spiel zu kommen - aber in einer anderen Rolle als die USA.

Frankreich, Deutschland und Großbritannien waren als E3 bei den Ukraine-Verhandlungen zuletzt nur an der Seitenlinie. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
Frankreich, Deutschland und Großbritannien waren als E3 bei den Ukraine-Verhandlungen zuletzt nur an der Seitenlinie. - Bild: Kay Nietfeld/dpa

Trotz zunehmender Kampfhandlungen im Ukraine-Krieg geht man in der Bundesregierung davon aus, dass es in den nĂ€chsten Monaten zu GesprĂ€chen mit Russland ĂŒber ein Ende des Krieges kommen kann. «Langsam öffnet sich ein Fenster fĂŒr GesprĂ€che der europĂ€ischen Seite mit Russland», heißt es aus Regierungskreisen. «Die harten KĂ€mpfe der letzten Tage zeigen aber, es dĂŒrfte nicht Wochen, sondern Monate dauern.»

Wer die GesprĂ€che fĂŒr die EuropĂ€er fĂŒhren könne, werde derzeit auf europĂ€ischer Seite diskutiert. Es mĂŒsse sich um ein möglichst handlungsfĂ€higes Format handeln, das von den EuropĂ€ern als möglichst legitim angesehen werde. «Es spricht einiges dafĂŒr, dass die E3 dabei weiter eine wichtige Rolle spielen werden.»

EuropÀer zuletzt nur noch an der Seitenlinie

Als E3 werden Deutschland, Großbritannien und Frankreich bezeichnet. Diese Gruppe war bereits im vergangenen Jahr ĂŒber GesprĂ€che mit den USA und der Ukraine an den BemĂŒhungen um ein Ende des Krieges beteiligt. Die GesprĂ€che zwischen Russland und der Ukraine wurden aber von den USA ohne die EuropĂ€er moderiert.

Inzwischen sind die BemĂŒhungen der Amerikaner aber ins Stocken geraten. US-Außenminister Marco Rubio hatte kĂŒrzlich gesagt, aus US-Sicht könnten gerne auch andere versuchen, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Vor diesem Hintergrund bemĂŒhen sich nun die EuropĂ€er nun wieder stĂ€rker, ins Spiel zu kommen. WĂ€hrend die USA sich als Vermittler in dem Konflikt verstehen, stehen die EuropĂ€er aber klar an der Seite der Ukraine, sind also Partei. 

Externer UnterhÀndler unwahrscheinlich

Dass die 27 Mitgliedstaaten der EU einen UnterhĂ€ndler benennen, der nicht zu einer Regierung gehört, gilt inzwischen als sehr unwahrscheinlich. Das wurde bereits vergangene Woche bei einem informellen EU-Außenministertreffen auf Zypern deutlich. Dort warnte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas vor weiteren Diskussionen darĂŒber: «Es ist eine Falle, in die Russland uns locken will.»

Zuvor hatte Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin den 82-jĂ€hrigen Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) ins GesprĂ€ch gebracht, der mit Putin befreundet ist und nach seiner Regierungszeit als Lobbyist fĂŒr russische Energieunternehmen tĂ€tig war. Außerdem waren von anderer Seite die frĂŒhere Kanzlerin Angela Merkel, der finnische PrĂ€sident Alexander Stubb sowie Ex-EZB-Chef Mario Draghi genannt worden.

Bundesregierung setzt auf «klaren politischen Kompass»

Aus deutscher Sicht braucht es fĂŒr den weiteren Prozess einen «klaren politischen Kompass» und mit ein «klares Zielbild». Man wolle im Einvernehmen mit der Ukraine und in grĂ¶ĂŸtmöglicher Abstimmung unter den EuropĂ€ern und «möglichst koordiniert» mit den USA vorgehen. 

Im Juni und Juli stehen mehrere Gipfeltreffen an, bei denen das Thema eine Rolle spielen könnte. ÜbernĂ€chste Woche kommt zunĂ€chst die G7 der wirtschaftsstarken westlichen Demokratien und dann die EU auf Spitzenebene zusammen. Anfang Juli folgt der Nato-Gipfel in der TĂŒrkei.

de | politik | 69476738 |