Bundeswehr auf Grönland: EuropÀer verstÀrken Sicherheit
14.01.2026 - 22:20:19 | dpa.deMehr Schutz fĂŒr die Arktis: Im Konflikt um die BesitzansprĂŒche der USA auf Grönland beteiligt sich die Bundeswehr gemeinsam mit weiteren europĂ€ischen Nationen an einer militĂ€rischen Erkundung auf der Arktisinsel. «Ziel ist, die Rahmenbedingungen fĂŒr mögliche militĂ€rische BeitrĂ€ge zur UnterstĂŒtzung DĂ€nemarks bei der GewĂ€hrleistung der Sicherheit in der Region zu erkunden, beispielsweise fĂŒr FĂ€higkeiten zur SeeraumĂŒberwachung», teilte das Verteidigungsministerium am Abend in Berlin mit.
Bereits DonnerstagfrĂŒh soll ein Transportflugzeug vom Typ A400M ein Erkundungsteam mit 13 Soldaten nach Nuuk in Grönland fliegen. Die Erkundung vor Ort werde zusammen mit Vertretern weiterer Partnernationen stattfinden. Das Verteidigungsministerium wies darauf hin, dass sich die Soldaten auf Einladung DĂ€nemarks und bis Samstag auf der Arktisinsel aufhalten werden.
Die AnkĂŒndigung folgt auf mehrfache ĂuĂerungen von US-PrĂ€sident Donald Trump, der die riesige Arktisinsel kaufen oder mit anderen Mitteln unter die Kontrolle der USA bringen will. Trump begrĂŒndet das mit der Sicherheit fĂŒr die Region und die US-Bevölkerung, er macht eine Bedrohung durch China und Russland geltend. Grönland ist Teil des Königreichs DĂ€nemark und damit auch Teil der Nato und BĂŒndnispartner der USA.
Rahmen fĂŒr mögliche militĂ€rische BeitrĂ€ge
Die AnkĂŒndigung am Mittwochabend erfolgte kurz nach einem KrisengesprĂ€ch DĂ€nemarks und Grönlands im WeiĂen Haus, das nach Angaben DĂ€nemarks fundamentale Meinungsverschiedenheiten offengelegt hatte. Vor dem GesprĂ€ch hatte bereits DĂ€nemark erklĂ€rt, die militĂ€rische PrĂ€senz auf Grönland zu erhöhen. Auch Schweden und Norwegen kĂŒndigten UnterstĂŒtzung an.
Erst am Vortag hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius erklĂ€rt, Nato-Staaten prĂŒften einen verstĂ€rkten gemeinsamen Schutz der arktischen Region um Grönland. «Es geht um Ăberwachung, es geht um Patrouillen, es geht um sehen, was passiert unter Wasser, ĂŒber Wasser und in der Luft. Es geht um - wie gesagt - AufklĂ€rung und es geht um regelmĂ€Ăiges Ăben vor Ort, um zu zeigen, dass wir da sind», sagte der SPD-Politiker bei einem Besuch der EU-AuĂenbeauftragten Kaja Kallas in Berlin.
Einige Nato-Partner seien dabei, zusammen mit der Nato zu erörtern und auszuloten, welche MaĂnahmen sinnvoll seien und was nötig sei, sagte Pistorius. «Wir sind uns einig, dass Sicherheit im Nordatlantik und in der Arktis nur multilateral und nur gemeinsam erreicht werden kann.»Â
Reichen die EuropÀer die Hand zur Zusammenarbeit?
Die europĂ€ische Initiative wĂ€re demnach nicht auf Konfrontation mit den USA angelegt, sondern auf das Angebot einer intensivierten Zusammenarbeit. Die USA haben auf Grundlage von Abkommen mit DĂ€nemark bereits die MilitĂ€rbasis Pituffik Space Base auf Grönland. Die ehemalige Luftwaffenbasis Thule ist fĂŒr USA und Nato von zentraler Bedeutung bei Raketenabwehr und der Ăberwachung des Weltraums.
Auch die Bundeswehr hĂ€lt mehrere FĂ€higkeiten bereit, die fĂŒr einen verstĂ€rkten Schutz in der Arktis geeignet sein können. Darunter sind auch die GebirgsjĂ€ger, die bereits im Hohen Norden an militĂ€rischen Ăbungen der Nato beteiligt waren. Pistorius hatte die Soldaten dabei im Jahr 2024 in Norwegen besucht. Aber bei Ăberwachung von Seegebieten und ewigem Eis können auch die Marine sowie die Luftwaffe mit ihren FĂ€higkeiten ins Spiel gebracht werden.Â
Deutschland verstÀrkt bereits Zusammenarbeit in der Arktis
Pistorius hatte erst im Oktober angekĂŒndigt, wegen der Bedrohung durch Russland wolle Deutschland seine militĂ€rische PrĂ€senz beim Nato-Partner Island verstĂ€rken - und bei einem Besuch eine AbsichtserklĂ€rung unterzeichnet. Dabei wird die Bundeswehr einen strategisch wichtigen Anlaufpunkt fĂŒr ihre Kampfschiffe, U-Boote und Versorger haben. Er warf Russland zudem vor, die Arktis zu militarisieren und alte MilitĂ€rbasen in der Region wieder auszubauen.
Mit Kanada vereinbarte er ein gemeinsames Lagebild der Entwicklungen im Atlantik und der Arktis. Es geht dabei auch um den militĂ€rischen Schutz transatlantischen Nachschubwegen und Versorgungswegen.Â
Eine strategisch wichtige Meerenge im Nordatlantik ist das sogenannte GIUK Gap, begrenzt durch Grönland, Island und GroĂbritannien (UK). Im Blick ist auch das als «Bear Gap» bezeichnete und strategisch wichtige GewĂ€sser zwischen Nordkap, BĂ€reninsel und Spitzbergen.
Die GrĂŒnen begrĂŒĂen die Entsendung eines Erkundungsteams der Bundeswehr nach Grönland. «Das ist ein starkes Symbol», sagte Verteidigungsexpertin Sara Nanni der «Rheinischen Post». Die GesprĂ€che in Washington hĂ€tten nicht dazu gefĂŒhrt, dass Trump seine GebietsansprĂŒche aufgebe.
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