Union, Wehrdienst-Plan

Union hĂ€lt Wehrdienst-Plan fĂŒr mutlos

13.06.2024 - 12:08:41

Die CDU/CSU wirft Boris Pistorius Zögerlichkeit bei seinen Wehrdienst-PlĂ€nen vor. Der Verteidigungsminister kontert die Kritik, hĂ€lt auf mittlere Sicht aber weitere Schritte fĂŒr notwendig.

Unionsfraktionsvize Johann Wadephul hat das Modell von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) fĂŒr einen neuen Wehrdienst als eine politisch vertane Chance bezeichnet. Pistorius bleibe damit klar hinter eigenen AnkĂŒndigungen zurĂŒck, sagte Wadephul der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Er kritisierte: «Statt eines großen Wurfes, eine Verpflichtung auch fĂŒr Frauen im Rahmen einer allgemeinen Dienstpflicht vorzuschlagen, macht er einen halbgaren Vorschlag, der die Personalprobleme der Bundeswehr nicht löst.»

Es sei falsch, wenn Pistorius behaupte, es fehle noch in dieser Wahlperiode an Zeit und an der notwendigen Gemeinsamkeit, das Grundgesetz zu Ă€ndern. Die Ampel-Regierung habe zusammen mit der CDU/CSU das Grundgesetz verĂ€ndert, um das Sondervermögen fĂŒr die Bundeswehr zu ermöglichen. Derzeit liefen auch Diskussionen, wie man gemeinsam das Grundgesetz Ă€ndern könne, um langfristig das Bundesverfassungsgericht abzusichern. Es sei nicht nachvollziehbar, warum es nicht auch eine Übereinkunft zu Änderungen der Wehrverfassung oder im Artikel 12a des Grundgesetzes - dieser regelt den Wehrdienst fĂŒr MĂ€nner - geben könne. Wadephul: «Hier scheint Pistorius eher der Mut verlassen zu haben und er hat vor der eigenen Partei kapituliert. Die CDU steht fĂŒr solche Diskussionen dagegen weiterhin zur VerfĂŒgung.»

Pistorius hatte sein Konzept am Mittwoch vorgestellt. Es soll Grundlage sein fĂŒr eine schnelle VerstĂ€rkung der Bundeswehr im Verteidigungsfall. Aus dem Pool von 400.000 Kandidaten eines Jahrgangs sollen damit von 2025 an jĂ€hrlich zunĂ€chst 5000 zusĂ€tzliche Wehrpflichtige, spĂ€ter auch mehr gewonnen werden. Das neue Modell soll aus einem Grundwehrdienst von sechs Monaten mit einer Option fĂŒr einen zusĂ€tzlichen freiwilligen Wehrdienst von bis zu zusĂ€tzlichen 17 Monaten bestehen. Dazu wird eine verpflichtende Erfassung eingefĂŒhrt, in der junge MĂ€nner ihre Bereitschaft und FĂ€higkeit zu einem Wehrdienst benennen mĂŒssen - und junge Frauen dies tun können. 

Pistorius verteidigt sich

Der Minister verteidigte sein Vorgehen. In den ARD-«Tagesthemen» und im ZDF-«heute journal» sagte der SPD-Politiker am Mittwochabend, fĂŒr eine allgemeine Dienstpflicht wĂ€re eine GrundgesetzĂ€nderung nötig und dies sei vor der Bundestagswahl 2025 nicht zu schaffen. «Wir mĂŒssen anfangen. Deswegen jetzt die Eile. Wir können nicht warten, bis wir eine Diskussion fĂŒhren ĂŒber eine allgemeine Dienstpflicht oder ĂŒber die natĂŒrlich naheliegende Frage der Wehrpflicht von Frauen», sagte Pistorius in den ARD-«Tagesthemen». «Beides bedeutet eine GrundgesetzĂ€nderung. Beides dauert lĂ€nger.» Pistorius betonte, er habe keinen Hehl daraus gemacht, dass er eine Diskussion ĂŒber eine allgemeine Wehrpflicht und auch ĂŒber die Ausdehnung der Wehrpflicht auf Frauen fĂŒr notwendig halte. 

Auf Forderungen nach weitergehenden Schritten entgegnete der Minister, das seien oft jene, die verantwortlich fĂŒr die geschrumpften KapazitĂ€ten bei Ausbildung und Kasernen seien. «Damit steigen wir jetzt wieder ein. Und wir mĂŒssen leider bei Null anfangen», sagte Pistorius in der ARD. Die Wehrerfassung sei «komplett zerschlagen» worden, beklagte der Minister im ZDF. Es gebe keine KreiswehrersatzĂ€mter, keine Musterungsstrukturen, keine AusbildungskapazitĂ€ten. 

Ex-Wehrbeauftragter Bartels: «Vorgeschlagene Lösung ist klein»

Der frĂŒhere Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels, nun PrĂ€sident der Gesellschaft fĂŒr Sicherheitspolitik, sagte zu dem Pistorius-Plan: «Die erkannten Probleme sind groß, die vorgeschlagene Lösung ist klein.» Das fehlende Personal werde mehr und mehr zur Achillesferse des deutschen Verteidigungsbeitrags, ohne dass die Fragebogen-VerstĂ€rkung» daran etwas Ă€ndern werde. «Eine Wiederbelebung der Wehrpflicht in angepasster Form sollte erstens zur VerstĂ€rkung der aktiven Truppe substanziell beitragen und zweitens zum Aufwuchs der Reserve», sagte der Sozialdemokrat Bartels.

Der GrĂŒnen-Nachwuchs pocht auf Erhalt der Freiwilligkeit. «Junge Menschen dĂŒrfen nicht zum Notnagel einer verfehlten Personalpolitik bei der Bundeswehr werden», warnte Svenja Appuhn, Co-Bundessprecherin der GrĂŒnen Jugend, in der «Rheinischen Post» (Donnerstag). «Wir erwarten eine klare Zusicherung von Boris Pistorius, dass eine Freiwilligkeit beim Wehrdienst in jedem Fall erhalten bleibt», sagte Appuhn. Ähnlich Ă€ußerte sie sich beim Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Donnerstag). «Unsere krisengeschĂŒttelte Generation muss gerade schon genug mitmachen», sagte Appuhn dort. Sie forderte zudem, dass Freiwilligendienstleistende Wehrdienstleistenden gegenĂŒber gleichgestellt werden. 

@ dpa.de