Alles ausgezÀhlt: CDU wird in Sachsen stÀrkste Kraft
02.09.2024 - 00:42:17Knapper Sieg nach langem Zittern: Die CDU hat die Landtagswahl in Sachsen gewonnen - vor der zweitplatzierten AfD. Nach AuszĂ€hlung aller Stimmen legt die AfD gegenĂŒber der Wahl von 2019 zwar deutlich zu, kann die leicht verlierende Union aber nicht ĂŒberrunden.Â
Die Regierungsbildung könnte dennoch schwierig werden, denn mit der AfD will keine der ĂŒbrigen Parteien zusammenarbeiten. Und fĂŒr eine Neuauflage von Kretschmers derzeitigen Koalition aus CDU, GrĂŒnen und SPD reicht es nach den Hochrechnungen von ARD und ZDF zu den Mandatsverteilungen nicht. Der Landeswahlleiter veröffentlichte zunĂ€chst keine Angaben zur Sitzverteilung.
Auf dem dritten Platz landet das neue BĂŒndnis Sahra Wagenknecht (BSW), mit Abstand folgt die SPD. Die GrĂŒnen schaffen es knapp ins Parlament. Die Linke liegt unter der FĂŒnf-Prozent-HĂŒrde. Allerdings gewann sie zwei Direktmandate in Leipzig, so dass sie trotzdem entsprechend ihrem Zweitstimmenergebnis im Landtag vertreten sein wird.
BSW auf Anhieb zweistellig
Wie die Landeswahlleitung nach AuszĂ€hlung aller Wahlkreise auf ihrer Webseite bekanntgab, kommt die CDU auf 31,9 Prozent (2019: 32,1 Prozent). Die AfD liegt mit 30,6 Prozent (27,5) knapp dahinter. Das BSW erreicht aus dem Stand 11,8 Prozent. Die SPD landet bei 7,3 Prozent (7,7). Die Linke rutscht dramatisch ab auf 4,5 Prozent (10,4).Â
Die GrĂŒnen bekommen 5,1 Prozent (8,6). Die FDP verpasst erneut den Einzug in den Landtag - wie schon bei den vergangenen zwei Landtagswahlen.Â
Die vom sĂ€chsischen Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD bekommt nach den letzten Hochrechnungen von ARD und ZDF 40 Sitze (38), die CDU 42 Mandate (45). Das BSW stellt 15 Abgeordnete. Die SPD erhĂ€lt 10 Sitze (10), die GrĂŒnen kommen auf 7 Sitze (12). Die Linke bekommt 6 Mandate.Â
Zur Abstimmung aufgerufen waren etwa 3,3 Millionen BĂŒrger. Die Wahlbeteiligung lag bei 74,4 Prozent - so hoch wie noch nie bei einer Landtagswahl im Freistaat.
Kretschmer erwartet schwierige Regierungsbildung
MinisterprĂ€sident Kretschmer sieht seine Partei in der Lage, weiter die Regierung im Land zu bilden. «Das wird alles nicht einfach», sagte er auf der Wahlparty der CDU. «Aber eins gilt: Mit vielen GesprĂ€chen und dem Willen, etwas fĂŒr dieses Land zu tun, kann es gelingen, mit diesem Wahlergebnis Sachsen eine stabile Regierung zu geben, die dem Land dient und mit Demut vorangeht.» Die CDU stehe bereit, weiter Verantwortung fĂŒr dieses Land zu ĂŒbernehmen.
CDU könnte auf BSW angewiesen sein
Seit der Wiedervereinigung hat die CDU stets den Regierungschef in Sachsen gestellt - zuletzt regierte Kretschmer seit 2019 in einer Koalition mit GrĂŒnen und SPD. FĂŒr eine Fortsetzung des BĂŒndnisses reicht es nach den Hochrechnungen nicht. Rechnerisch möglich wĂ€re eine UnterstĂŒtzung der CDU durch das BSW und die SPD.Â
Aber: Auch BSW-Chefin Wagenknecht war einst SED-Mitglied und galt spÀter als Ikone der kommunistischen Plattform in der Linken - was etlichen CDU-Politikern Bauchschmerzen macht. Eine Koalition wÀre dennoch möglich, denn nach einem Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU darf die Partei weder mit der AfD noch mit der Linken koalieren - zum BSW, das sich von der Linken abgespalten hat, gibt es aber keine Festlegung.
Die GrĂŒnen hatten CDU und SPD vor der Wahl vorgeworfen, sich auf eine gemeinsame Minderheitsregierung vorzubereiten. CDU und SPD haben in Sachsen schon drei Mal koaliert.
AfD hat CDU in Sachsen schon mehrmals geschlagen
Die AfD hatte die Union in Sachsen auch schon bei Wahlen geschlagen: bei zwei Bundestagswahlen und einer Europawahl. Sollte sie nun mehr als ein Drittel der Landtagsmandate gewinnen, wonach es in den Hochrechnungen zuletzt nicht aussah, hĂ€tte sie eine sogenannte SperrminoritĂ€t: Bei Entscheidungen und Wahlen, die eine Zweidrittelmehrheit erfordern, bedĂŒrfte es der Zustimmung der AfD. So werden etwa die Verfassungsrichter vom Parlament mit Zweidrittelmehrheit gewĂ€hlt.
Die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel wertete den Ausgang der Wahlen in ThĂŒringen und Sachsen als historischen Erfolg fĂŒr ihre Partei. Zugleich sei es eine Abstrafung der Ampel-Regierung im Bund, sagte Weidel in der ARD. Sie kritisierte zudem die Haltung der CDU, eine Koalition mit der AfD auszuschlieĂen. «Das ist natĂŒrlich die pure Ignoranz des WĂ€hlerwillens», sagte Weidel. Ohne die AfD sei eine stabile Regierung ĂŒberhaupt nicht mehr möglich.Â
BSW-Spitzenkandidatin zeigt sich zufrieden
Die sĂ€chsische BSW-Spitzenkandidatin Sabine Zimmermann zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis ihrer Partei. «Wir sind zweistellig, und wir haben das Ergebnis der Europawahl gehalten. Da können wir stolz drauf sein, und das sind wir auch», sagte sie in der ARD. Mit dem BSW mĂŒsse sich die Politik verĂ€ndern, ganz spĂŒrbar auch fĂŒr die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger. «Und das in kurzer Zeit.» Im ZDF erteilte sie einer möglichen Koalition mit der AfD erneut eine Absage. Stattdessen blicke die Partei auch auf die Christdemokraten.
Die SPD-Spitzenkandidatin Petra Köpping Ă€uĂerte sich erleichtert ĂŒber das Abschneiden ihrer Partei. «Ich bin natĂŒrlich auch genauso froh wie ihr, dass wir diesen wirklich harten Wahlkampf, den wir in den letzten Monaten, ich wĂŒrde fast sagen Jahren, gefĂŒhrt haben (...), dass wir doch so abgeschnitten haben bei allen Prognosen», sagte sie.Â
GrĂŒnen-Chef Omid Nouripour sah am Abend zunĂ€chst die Chance auf eine weitere Regierungsbeteiligung seiner Partei in Sachsen. Die Koalition dort habe gut gearbeitet, sagte er in der ARD. «Auch wenn der MinisterprĂ€sident die letzten zwei Jahre eigentlich gegen die eigenen Leute die ganze Zeit Wahlkampf gemacht hat.»Â
Scharfe Töne vor der Wahl
Der Wahlkampf war aufgeheizt. Ein Streitpunkt war der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und Deutschlands Rolle als Kiews VerbĂŒndeter und in der Nato. So sagte Wagenknecht, fĂŒr eine BSW-Beteiligung an einer Regierung mĂŒsse diese sich klar gegen die Stationierung weitreichender US-Raketen in Deutschland aussprechen.Â
ZusĂ€tzliche SchĂ€rfe in die Debatte ĂŒber Asyl und Migration brachte der Anschlag von Solingen mit drei Todesopfern, fĂŒr den die Bundesanwaltschaft einen mutmaĂlich islamistischen Syrer verantwortlich macht, der als FlĂŒchtling nach Deutschland kam.







