BundeslÀnder, Reform

BundeslÀnder dringen auf Reform der FernwÀrme-Preisgestaltung

14.02.2024 - 01:00:00

Die Energieministerien mehrerer BundeslĂ€nder dringen auf eine Reform der Preisgestaltungsregeln fĂŒr FernwĂ€rme.

"Es ist offensichtlich, dass die Regeln fĂŒr die PreisĂ€nderungsklauseln heute einfach nicht mehr zu den energiewende- und klimapolitischen Zielen passen", sagte Tobias Goldschmidt (GrĂŒne), Energieminister von Schleswig-Holstein, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwochausgaben). "Selbst wenn WĂ€rme zu 100 Prozent klimaneutral erzeugt wird, ist es bislang zulĂ€ssig, dass FernwĂ€rmepreise mit den Erdgaspreisen mitsteigen." Sogar die steigende CO2-Bepreisung fĂŒr Erdgas erhöhe (ĂŒber den Umweg der sogenannten Marktkomponente in den PreisĂ€nderungsklauseln) den FernwĂ€rmepreis, erklĂ€rte er.

"Hier braucht es zwingend eine Reform der AVB-FernwĂ€rme-Verordnung." Der fehlende Wettbewerb im Bereich der FernwĂ€rme fĂŒhre außerdem dazu, dass Effizienzsteigerungen aktuell weniger von Bedeutung sind, als sie es unter Wettbewerbsdruck wĂ€ren. Schleswig-Holstein hat derzeit den Vorsitz in der Energieministerkonferenz und will beim nĂ€chsten Treffen im Mai das Thema auf die Agenda setzen. Mehrere andere BundeslĂ€nder begrĂŒĂŸten auf Anfrage der Funke-Zeitungen eine Debatte ĂŒber Reformen. Man mĂŒsse auf der Energieministerkonferenz im Mai "dringend ĂŒber die zum Teil hohen Preissteigerungen bei der FernwĂ€rme sprechen und Maßnahmen ergreifen", um Kunden zu schĂŒtzen, sagte der Hamburger Energiesenator Jens Kerstan (GrĂŒne). Es könne nicht sein, dass Unternehmen Preissenkungen nicht weitergeben und die Kunden mit absurd hohen Abrechnungen konfrontiert wĂŒrden. Hamburg wolle sich einer entsprechenden Initiative zur Regulierung anschließen oder sie sogar anstoßen. Auch Kerstans niedersĂ€chsischer Amtskollege Christian Meyer (GrĂŒne) begrĂŒĂŸte die Initiative aus Schleswig-Holstein. Eine Besonderheit der FernwĂ€rmeversorgung sei, dass Verbraucher fest an ihren FernwĂ€rmeversorger vor Ort gebunden seien, sagte er. "FĂŒr mich ist daher von zentraler Bedeutung, dass wir die Transparenz der FernwĂ€rmeversorgung und die Verbraucherrechte stĂ€rken." Auf diese Weise mĂŒsse sichergestellt werden, dass gesunkene Kosten der FernwĂ€rmeversorger und insbesondere die Preisvorteile der erneuerbaren Energien umfassend bei den Verbrauchern ankommen. "In der Strom- und Gasversorgung haben wir zudem gute Erfahrungen mit einer einheitlichen und spezialisierten Schlichtungsstelle fĂŒr StreitfĂ€lle gemacht, so etwas wĂ€re auch fĂŒr den Bereich der FernwĂ€rme sinnvoll." Armin Willingmann (SPD), Energieminister in Sachsen-Anhalt, befĂŒrwortet die Debatte ebenfalls. Er teile "die EinschĂ€tzung, dass Preisentwicklungen am Gas- und Heizölmarkt auch bei den FernwĂ€rmepreisen schneller wirksam werden sollten", sagte Willingmann. Das bestehende System der AVB stelle grundsĂ€tzlich eine gute Grundlage fĂŒr VertrĂ€ge zur FernwĂ€rme- und FernkĂ€lteversorgung dar. Aber auch in Sachsen-Anhalt gebe es bei FernwĂ€rmekunden aktuell Unmut ĂŒber die spĂ€te Anpassung der FernwĂ€rmepreise. "Deshalb wĂŒrde ich es durchaus begrĂŒĂŸen, wenn wir bei der nĂ€chsten Energieministerkonferenz ReformvorschlĂ€ge beraten", so Willingmann. Im Energieministerium in Brandenburg sieht man ebenfalls Handlungsbedarf und spricht sich in einem schriftlichen Statement nicht nur fĂŒr "eine verbraucherfreundliche Novellierung der FernwĂ€rme-Verordnung" aus, sondern auch fĂŒr eine "bundeseinheitliche Preisaufsicht". Eine Änderung der AVB-FernwĂ€rme-Verordnung werde grundsĂ€tzlich unterstĂŒtzt. Auch die zustĂ€ndige Senatsverwaltung in Berlin teilt "die EinschĂ€tzung, dass Reformbedarf hinsichtlich der FernwĂ€rme-Preisgestaltung besteht". Baden-WĂŒrttemberg begrĂŒĂŸt die Initiative. "Wegen der zentralen Bedeutung der FernwĂ€rme auf dem Weg zu einer klimaneutralen WĂ€rmeversorgung ist der zugrundeliegende Rechtsrahmen verstĂ€rkt auf den PrĂŒfstand zu stellen", heißt es auf Anfrage. Andere BundeslĂ€nder zeigten sich zurĂŒckhaltender. Es sei richtig, Maßnahmen zur Preissenkung zu prĂŒfen, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD), den Funke-Zeitungen. Wegen der Verschiedenartigkeit der Unternehmen, der Erzeugung und der Netzgegebenheiten vor Ort werde es aber "keine einfachen Lösungen geben", warnt er. "Mecklenburg-Vorpommern wird die VorschlĂ€ge aus Schleswig-Holstein genau prĂŒfen, wenn diese konkret vorliegen. Danach werden wir entscheiden, ob und inwieweit Mecklenburg-Vorpommern da mitgehen kann." Aus dem bayerischen Wirtschaftsministerium heißt es, es dĂŒrfe bei einer Reform kein Risiko einseitiger Kostensteigerungen bei den FernwĂ€rmebetreibern verbleiben. Auch der Ausbau der Netze dĂŒrfte nicht gehemmt oder verhindert werden. Im grĂŒn-gefĂŒhrten Energieministerium von Nordrhein-Westfalen lobt man PlĂ€ne der FernwĂ€rmebranche, selbst fĂŒr mehr Transparenz zu sorgen. Bremen hĂ€lt Transparenz und Nachvollziehbarkeit bei den Preisen ebenfalls fĂŒr einen wichtigen Baustein fĂŒr mehr Akzeptanz, sieht aber die Bundesregierung in der Verantwortung, hier zu regulieren. Das saarlĂ€ndische Energieministerium erklĂ€rt in einem Statement, die entsprechenden energie-, kartell- und missbrauchsrechtlichen VorschlĂ€ge des BMWK abwarten zu wollen. "In diesem Kontext" heißt es, "ist auch darauf hinzuweisen, dass die gesetzlich vorgegebene Dekarbonisierung des Heizkraftwerks- und Heizwerkssektors sowie der erforderliche Leitungsausbau zu flĂ€chendeckend steigenden FernwĂ€rmepreisen fĂŒhren dĂŒrften."

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