Langes, Warten

Langes Warten beendet: MĂ€rtens schwimmt zu Olympia-Gold

27.07.2024 - 21:25:24

Die erste Medaille fĂŒr das deutsche Olympia-Team ist da - und sie glĂ€nzt golden. Freistilschwimmer MĂ€rtens bejubelt den grĂ¶ĂŸten Erfolg seiner Karriere. Dabei hatte er zuletzt mit Problemen zu kĂ€mpfen.

  • Lukas MĂ€rtens hat Olympia-Gold gewonnen. - Foto: Michael Kappeler/dpa

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  • Olympiasieger Lukas MĂ€rtens kĂ€mpfte mit den TrĂ€nen. - Foto: Sven Hoppe/dpa

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Lukas MÀrtens hat Olympia-Gold gewonnen. - Foto: Michael Kappeler/dpaOlympiasieger Lukas MÀrtens kÀmpfte mit den TrÀnen. - Foto: Sven Hoppe/dpa

Lukas MĂ€rtens schlug fassungslos die HĂ€nde vors Gesicht, dann schwang er sich auf die Leine und feierte den gigantischen Olympia-Triumph mit erhobener Faust. Der 22-JĂ€hrige hat sich zum Schwimm-Olympiasieger ĂŒber 400 Meter Freistil gekĂŒrt und dem deutschen Team die erste Medaille bei den Sommerspielen in Paris beschert. Der Magdeburger beendete dabei eine schier endlose Wartezeit: Seit 1988 in Seoul hatte kein deutscher Mann mehr olympisches Gold im Beckenschwimmen geholt.

«Die letzten Jahre liefen schon phÀnomenal, und jetzt die Krönung in diesem wirklich sehr, sehr schwierigen Jahr», schwÀrmte MÀrtens in der ARD. «Da, wo es unmöglich scheint, ganz oben zu stehen, da ist es vielleicht am möglichsten.»

Bei der Siegerehrung in der tobenden Schwimm-Arena hatte MĂ€rtens TrĂ€nen in den Augen, schĂŒttelte unglĂ€ubig den Kopf. Immer wieder pustete er tief durch, um nicht vollstĂ€ndig von seinen Emotionen ĂŒberwĂ€ltigt zu werden. «Es war extrem schwer, aber es war so schön. Es hat einfach alles gekribbelt», erzĂ€hlte MĂ€rtens. Ihm seien so viele Gedanken und Personen durch den Kopf gegangen, die ihn all die Jahre unterstĂŒtzt hatten. Dem euphorischen Publikum applaudierte er dankbar. 

Ehrenrunde mit Goldmedaille

Dem Deutschen Schwimm-Verband sicherte MĂ€rtens das erste Gold in einem Olympia-Becken seit Britta Steffens Doppel-Triumph 2008 in Peking. Bei seinem mit Abstand grĂ¶ĂŸten Erfolg der Karriere schlug der 22-JĂ€hrige nach 3:41,78 Minuten an. MĂ€rtens setzte sich vor dem zweitplatzierten Elijah Winnington aus Australien und dem SĂŒdkoreaner Kim Woomin durch. Nachdem er lange klar gefĂŒhrt hatte, wurde es im Finish noch spannend. «Am Ende stand ich», rĂ€umte der Deutsche ein - doch der Vorsprung reichte.

Mit Goldmedaille um den Hals drehte er eine Ehrenrunde und posierte fĂŒr Jubelbilder vor den Fotografen. «Er kann so stolz auf sich sein, hat es sich so verdient. Er macht im Training so krasse Sachen», sagte MĂ€rtens' Ex-Freundin und Trainingspartnerin Isabel Gose in der ARD und weinte vor Freude. Sie selbst belegte ĂŒber 400 Meter Freistil Rang fĂŒnf.

«Das Rennen war einfach Weltklasse. Ich bin selten sprachlos. Dass ich mal beim Kommentieren TrĂ€nen in den Augen habe», sagte der frĂŒhere Schwimm-Weltmeister Thomas Rupprath bei Eurosport. «Er ist mutig von vorne bis hinten sein Rennen geschwommen und hat sich von niemandem beirren lassen. MĂ€rtens ist verdient Olympiasieger geworden.»

Gesundheitliche Probleme stoppen MĂ€rtens nicht

MĂ€rtens war als Topfavorit und Weltjahresbester zu Olympia in die französische Hauptstadt gereist. Bei den deutschen Meisterschaften Ende April hatte er lange auf Weltrekordkurs gelegen, schlug am Ende nach 3:40,33 Minuten an. Auch die internationale Konkurrenz wusste spĂ€testens jetzt: Mit dem SchĂŒtzling von Langstrecken-Bundestrainer Bernd Berkhahn ist beim großen Saisonhöhepunkt noch mehr zu rechnen, als bei den jĂŒngsten Großereignissen schon.

Bereits in den vergangenen Jahren hat sich MĂ€rtens in der Weltspitze etabliert. Bei den Weltmeisterschaften 2022, 2023 und 2024 gewann er jeweils eine Medaille. Auch von gesundheitlichen Problemen lĂ€sst er sich nicht aufhalten. Eine chronische NasennebenhöhlenentzĂŒndung macht ihm schon lĂ€nger zu schaffen und erfordert bald einen Eingriff. FĂŒr das große Ziel Olympia hat er auf eine Operation bislang verzichtet. Immer wieder muss er Antibiotika nehmen.

MĂ€rtens hat nur eine kurze Pause

«Ich denke, wir haben mich ganz gut hinbekommen», sagte MĂ€rtens mit Blick auf seine Gesundheit nach den VorlĂ€ufen am Vormittag. In 3:44,13 Minuten hatte er sich als Schnellster fĂŒr den Endlauf qualifiziert. Die AtmosphĂ€re in der prall gefĂŒllten La DĂ©fense Arena begeisterte ihn. «Da bin ich noch nichts Besseres gewohnt außer im Fußballstadion», sagte er.

«Ich bin super drauf. Mein Trainer hat mich super vorbereitet», erklĂ€rte MĂ€rtens zudem. «Gesundheitlich habe ich das alles gut in den Griff bekommen. Deswegen steht nichts im Weg fĂŒr heute Abend.» Er sollte Recht behalten. In dem Gold-Rennen belegte der zweite deutsche Starter, Oliver Klemet, den siebten Platz.

FĂŒr MĂ€rtens geht es schon am Sonntagmorgen weiter. Er ist im Vorlauf ĂŒber 200 Meter Freistil gefordert. Auch auf dieser Distanz zĂ€hlt er zu den Medaillenkandidaten. Zudem sind Starts ĂŒber 200 Meter RĂŒcken und mit der 4x200 Meter Freistil-Staffel geplant. «Heute kann man ein bisschen feiern, morgen geht es weiter», kĂŒndigte MĂ€rtens an. «Ich habe noch ein bisschen was vor.»

@ dpa.de