RAF-Ermittler stellen sich auf lange Fahndung ein
30.03.2024 - 06:17:56Auf der Suche nach den Ex-RAF-Terroristen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub stellen sich die Ermittler zwar auf eine lÀngere Fahndung ein - sind aber «geduldig und hartnÀckig». «Ich kann mir nicht vorstellen, dass die beiden aktuell in Ruhe ihre Tage verbringen», sagte der PrÀsident des niedersÀchsischen Landeskriminalamts, Friedo de Vries, der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. «Wir sind fest entschlossen, Herrn Garweg und auch Herrn Staub festzunehmen.»
Derzeit werteten die Fahnder Tausende von Spuren und FundstĂŒcken aus - auf der Suche nach dem einen entscheidenden Hinweis, «der uns am besten zu beiden fĂŒhrt oder zumindest zu einem von ihnen», erklĂ€rte de Vries. Der Fahndungsdruck sei hoch, die Ermittler gĂ€ben nicht nach. Der Ausgangspunkt der seit 2015 andauernden Fahndung werde mit aktuellen Bildern von Garweg sowie Asservaten in einer mittleren vierstelligen GröĂenordnung neu justiert: «Wir sind jetzt im Jahr 2024, setzen komplett neu an. Und wir haben Daniela Klette festgenommen.»
Die dritten Generation der Rote Armee Fraktion
Die mutmaĂliche Komplizin der beiden MĂ€nner, die unter falscher IdentitĂ€t in einer Wohnung in Berlin-Kreuzberg gelebt hatte, wurde am 26. Februar festgenommen. Sie gehörte wie Garweg (55) und Staub (69) der sogenannten dritten Generation der linksextremistischen Terrororganisation Rote Armee Fraktion (RAF) an, die bis 1991 zahlreiche AnschlĂ€ge verĂŒbt und Menschen getötet hatte. Die 65-JĂ€hrige sitzt in Untersuchungshaft im FrauengefĂ€ngnis in Vechta. Klette, Staub und Garweg wurden beziehungsweise werden auch wegen mehrerer RaubĂŒberfĂ€lle gesucht, bei denen auch auf Menschen geschossen wurde. Unklar war zunĂ€chst, warum die Serie von RaubĂŒberfĂ€llen 2016 abriss.
In Klettes Wohnung fanden die Beamten nach den Worten des LKA-PrĂ€sidenten gröĂere Bargeldsummen in verschiedenen StĂŒckelungen sowie Waffen und Munition. Das zeige, «von welcher Militanz und GefĂ€hrlichkeit im Zusammenhang mit dem gesuchten RAF-Trio auszugehen ist». Die 65-JĂ€hrige habe offensichtlich eine intensive Verbindung zu Garweg gehabt. In der Wohnung seien aber auch Spuren gefunden worden, die auf einen Kontakt mit Staub hindeuten. Details nannte er nicht. Auch ein Bauwagencontainer in Berlin, in dem sich Garweg aufgehalten hatte, wurde durchsucht.
Neue italienische IdentitÀt?
Angesichts der gefundenen Ausweisdokumente und Aliasnamen sei nicht ausgeschlossen, dass «eine Legende fĂŒr einen Aufenthalt im Ausland vorbereitet war». Die Vorliebe Klettes fĂŒr italienische Namen könne mit der VerfĂŒgbarkeit von Ausweisdokumenten und deren FĂ€lschungssicherheit zusammenhĂ€ngen. «Zumindest mĂŒssen wir davon ausgehen, dass sie sich zur Legendenbildung die italienische Sprache angeeignet hat», sagte er.
De Vries betonte, die Ermittler gingen davon aus, dass sowohl Klette als auch Garweg sich konspirativ, vorsichtig und eher zurĂŒckhaltend in ihrem Umfeld bewegt haben dĂŒrften - trotz der aktuellen Fotos des 55-JĂ€hrigen. «Vielleicht war es das GefĂŒhl von Sicherheit, da die Tarnung ĂŒber so viele Jahre getragen hat», sagte de Vries. «Ich wĂŒrde es nicht als sorglos bezeichnen.»
Der «nette Martin vom Bauwagenplatz»
Der LKA-PrĂ€sident beschrieb Garweg als einen Mann mit zwei Gesichtern: Es wirke paradox, dass der 55-JĂ€hrige als brutaler RĂ€uber und mutmaĂliches Mitglied der dritten Generation der RAF, der des versuchten Mordes beschuldigt werde, in seiner Community als der «nette Martin vom Bauwagenplatz» wahrgenommen worden sei. «Hier zeigen sich seine beiden Gesichter und das vermutlich ganz eigene, ideologisch geprĂ€gte Wertesystem.»
Dass er sich nach Aussagen der Mitbewohner auf dem Bauwagenplatz als sozial und empathisch gezeigt haben soll, stehe dazu in klarem Widerspruch: «Solch verstörende persönliche Rechtfertigungsstrategien treffen wir auch heute noch im Bereich des politischen Extremismus an.»
Mitwisser im linken Milieu sind den Ermittlern bislang nicht bekannt. Die befragten Kontaktpersonen hĂ€tten ĂŒbereinstimmend gesagt, nichts von der wahren IdentitĂ€t Klettes und Garwegs gewusst zu haben. GeklĂ€rt werde nun, ob das glaubhaft sei. «Letztlich muss man festhalten, dass es auch nicht unproblematisch ist, sich anders einzulassen und als Mitwisser oder Fluchthelfer zu erkennen zu geben», betonte de Vries.


