Krankenkassen-BeitrÀge, Deutschland

Krankenkassen-BeitrĂ€ge dĂŒrften 2024 leicht steigen

12.10.2023 - 18:12:57

Die Gesundheitsausgaben nehmen zu, und die Krankenkassen-Einnahmen reichen dafĂŒr auch 2024 nicht. Wird es fĂŒr die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler also teurer? Es könnte noch glimpflich ausgehen.

Auf gesetzlich Krankenversicherte kommen im nĂ€chsten Jahr voraussichtlich leicht steigende BeitrĂ€ge zu - die FinanzlĂŒcke fĂ€llt aber wohl kleiner aus als zunĂ€chst befĂŒrchtet. Der zustĂ€ndige SchĂ€tzerkreis ermittelte eine rechnerisch nötige Erhöhung des durchschnittlichen Zusatzbeitrags um 0,1 Punkte auf 1,7 Prozent, wie das Bundesamt fĂŒr Soziale Sicherung am Donnerstag in Bonn mitteilte. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sagte der Deutschen Presse-Agentur, dies seien gute Nachrichten. «Die BeitrĂ€ge zur Krankenversicherung werden so gut wie nicht steigen.» Die Kassen sprachen indes von einem «relevanten Erhöhungsdruck» fĂŒr 2024.

Auf Basis der SchĂ€tzung macht das Ministerium nun bis zum 1. November den durchschnittlichen Zusatzbeitrag fĂŒr nĂ€chstes Jahr bekannt. Die genaue Höhe fĂŒr die 58 Millionen Kassenmitglieder und 16 Millionen beitragsfrei Mitversicherte legen die Krankenkassen dann jeweils fĂŒr sich fest, sie können vom Durchschnitt abweichen. FĂŒr dieses Jahr liegt der formal festgelegte Orientierungswert bei 1,6 Prozent. Der gesamte Beitrag umfasst daneben den allgemeinen Satz von 14,6 Prozent des Bruttolohns, den sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen.

«Ein relevanter Erhöhungsdruck»

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) erklĂ€rte, die FinanzierungslĂŒcke fĂŒr 2024 habe klein gehalten werden können. Der SchĂ€tzerkreis gehe derzeit von einer GrĂ¶ĂŸenordnung von 3,2 Milliarden Euro aus, die mit höheren ZusatzbeitrĂ€gen geschlossen werden mĂŒsse. Mit Blick auf die nun ermittelte Anhebung auf durchschnittlich 1,7 Prozent betonte GKV-Chefin Doris Pfeiffer aber zugleich: «FĂŒr die Krankenkassen ergibt sich daraus fĂŒr das kommende Jahr ein relevanter Erhöhungsdruck, da der tatsĂ€chlich erhobene Zusatzbeitragssatz derzeit im Durchschnitt bei 1,51 Prozent liegt.»

Die Kassen waren im Sommer noch von einem Defizit von 3,5 Milliarden bis 7 Milliarden Euro fĂŒr 2024 ausgegangen. Daraus hĂ€tte sich rechnerisch ein Anstieg beim durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 0,2 bis 0,4 Prozentpunkten ergeben können. FĂŒr dieses Jahr hatte der Bundestag wegen eines sonst erwarteten Defizits von 17 Milliarden Euro eine extra Finanzspritze beschlossen. Das Geld kam unter anderem aus Kassenreserven und einem Anstieg beim Zusatzbeitrag von 0,15 Punkten auf 1,51 Prozent. Der Bund stockte seinen regulĂ€ren Zuschuss von 14,5 Milliarden Euro um zwei Milliarden Euro auf, Pharmabranche und Apotheken werden mit höheren AbschlĂ€gen herangezogen.

Lauterbach betonte, das Stabilisierungsgesetz habe Wirkung gezeigt. Die BeitrĂ€ge seien stabil. «Die jetzt kommenden Reformen werden die QualitĂ€t verbessern», sagte der SPD-Politiker. GKV-Chefin Pfeiffer mahnte: «Steigende ZusatzbeitrĂ€ge dĂŒrfen keine SelbstverstĂ€ndlichkeit werden.» Es sei dringend geboten, dass der Gesetzgeber die Weichen fĂŒr eine nachhaltige Finanzierung stelle. Zugleich bestehe auf der Ausgabenseite Handlungsbedarf bei unwirtschaftlichen Strukturen. Der anhaltend hohe Ausgabenanstieg fĂŒr KrankenhĂ€user, Arzthonorare und Arzneimittel mĂŒsse fĂŒr alle ein Warnsignal sein.

@ dpa.de