Arbeitsunfähigkeit, Gesundheitspolitik

Grüne stellen sich gegen AU-Pflicht ab erstem Krankheitstag und Abschaffung der eKrankschreibung

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann stellt sich gegen die geplante Pflicht zur Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag und warnt vor einer Überlastung der Hausarztpraxen. Zugleich kritisiert sie die Abkehr von der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung als Ausdruck von Misstrauen gegenüber Arbeitnehmern.

Grüne fordern Verzicht auf AU-Pflicht ab erstem Krankheitstag
Arztpraxis für Allgemeinmedizin (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann fordert die Regierungskoalition auf, ihre Pläne für eine Pflicht zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag und zur Abschaffung der elektronischen Krankschreibung aufzugeben. Aus ihrer Sicht wären diese Vorhaben unvernünftig und hätten negative Folgen für Beschäftigte und das Gesundheitswesen.

Haßelmann kritisiert Kurs der Koalition

Haßelmann appelliert an CDU-Chef Friedrich Merz und die Koalitionspartner, nicht allein aus Gründen innerer Vereinbarungen im Koalitionsausschuss an den geplanten Änderungen festzuhalten. Sie bezeichnet das Vorhaben als „falsch“ und warnt davor, politische Absprachen über sachliche Abwägungen zu stellen.

Nach ihrer Einschätzung würde die Abschaffung der elektronischen Krankschreibung in Kombination mit einer AU-Pflicht ab dem ersten Krankheitstag erhebliche praktische Probleme verursachen. Die bisherigen digitalen Verfahren seien auf Entlastung und Vereinfachung angelegt, während die geplanten Schritte einen Rückschritt bedeuten und zusätzliche bürokratische Anforderungen schaffen würden.

Warnung vor Überlastung der Hausarztpraxen

Die Grünen-Politikerin argumentiert, dass eine Krankschreibung bereits ab dem ersten Krankheitstag die Hausarztpraxen deutlich stärker in Anspruch nehmen würde. Für viele leichtere Erkrankungen, die bisher ohne ärztliches Attest und mit wenigen Tagen Ruhe zu Hause auskuriert werden, müssten Patientinnen und Patienten dann sofort einen Termin vereinbaren.

Haßelmann verweist darauf, dass Hausärzte vor den Folgen solcher Regelungen warnen. Mit der Pflicht zur sofortigen Krankschreibung würden Wartezimmer weiter gefüllt, Abläufe erschwert und dringende Behandlungsfälle möglicherweise nach hinten geschoben. Die geplanten Änderungen träfen damit nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die Arbeitsorganisation in den Praxen.

Vorwurf einer Misstrauenskultur gegenüber Arbeitnehmern

Darüber hinaus kritisiert Haßelmann den politischen Ansatz, der ihren Worten zufolge von Misstrauen gegenüber Arbeitnehmern geprägt sei. Sie sieht in den Plänen der Koalition den Versuch, krankheitsbedingte Fehlzeiten durch strengere Nachweispflichten zu verringern, hält dies aber für kontraproduktiv.

Nach ihrer Darstellung würde die Pflicht zur Krankschreibung ab dem ersten Tag zusammen mit der Abschaffung der elektronischen Übermittlung eher zu längeren und häufigereren Krankschreibungen führen. Beschäftigte müssten sich frühzeitig einen Arzttermin sichern und könnten dadurch eher dazu neigen, sich für einen längeren Zeitraum krankschreiben zu lassen, statt nur wenige Tage auszufallen.

Forderung an die Regierung

Angesichts dieser Folgen ruft Haßelmann die Regierung auf, auf die aus ihrer Sicht „unsinnige Maßnahme“ zu verzichten. Sie fordert, die Pläne zur AU-Pflicht ab dem ersten Krankheitstag und zur Abschaffung der elektronischen Krankschreibung fallen zu lassen und stattdessen auf Praxistauglichkeit und Vertrauen in die Beschäftigten zu setzen.

Die Debatte um Krankschreibungen und die Rolle der Hausärzte dürfte die politische Auseinandersetzung in den kommenden Wochen prägen. Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bleibt vorerst abzuwarten, ob sich die Koalition mit ihren Vorstellungen durchsetzt oder ob die Kritik aus Opposition und Gesundheitswesen zu Änderungen oder einem Verzicht auf die Neuregelung führt. Bitte leite diesen Artikel an eine Freundin oder einen Freund weiter.

Die Kritik der Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann richtet sich gegen ein zentrales Vorhaben der derzeitigen Regierungskoalition unter Führung von CDU-Chef Friedrich Merz: die Einführung einer Pflicht zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag sowie die Abkehr von der elektronischen Krankschreibung. Damit steht eine Praxis zur Disposition, die bislang vielen Beschäftigten einen kurzen Zeitraum der Selbstmeldung ohne ärztliches Attest und den digitalen Austausch zwischen Arztpraxis, Arbeitgeber und Krankenkasse ermöglicht.

Belastung für Praxen und Konfliktlinie in der Arbeitswelt

Haßelmann verweist auf die zu erwartende stärkere Inanspruchnahme der Hausarztpraxen, wenn bereits bei leichten Beschwerden am ersten Krankheitstag ein Arztbesuch nötig wäre. Das beträfe insbesondere Infekte, die sich oft innerhalb weniger Tage von selbst bessern. Aus Sicht der Grünen würde die geplante Neuregelung die medizinische Versorgung organisatorisch erschweren und die Terminlage weiter verdichten, gerade in Regionen mit ohnehin knapper hausärztlicher Versorgung.

Zugleich markiert der Streit eine grundsätzliche Konfliktlinie in der Arbeitswelt: Die Koalition begründet strengere Nachweispflichten traditionell mit dem Wunsch nach mehr Kontrolle und geringeren Fehlzeiten, während Gewerkschaften und viele Arbeitnehmervertreter auf Vertrauensarbeitsverhältnisse und Entbürokratisierung setzen. Haßelmann spricht in diesem Zusammenhang von einer „Misstrauenskultur gegenüber Arbeitnehmern“ und warnt vor dem paradoxen Effekt, dass zusätzliche Hürden bei Krankheit am Ende eher zu längeren Ausfallzeiten führen könnten.

Politische Debatte und mögliche Folgen für Beschäftigte

Politisch ist die Positionierung der Grünen ein Signal an Beschäftigte und Gesundheitsberufe, dass sie eine Verschärfung der Regeln bei Krankschreibungen ablehnen und stattdessen am bisherigen System der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung festhalten wollen. Sollte sich die Koalition dennoch durchsetzen, müssten Arbeitnehmer ihr Verhalten bei leichten Erkrankungen anpassen, kurzfristig häufiger Arzttermine wahrnehmen und mit mehr organisatorischem Aufwand rechnen. Für Arbeitgeber hätte eine AU-Pflicht ab dem ersten Tag zwar mehr formale Nachweise zur Folge, gleichzeitig aber gegebenenfalls höhere Bürokratiekosten und eine stärker angespannten Versorgungssituation in den Hausarztpraxen.

Für die Leserinnen und Leser bedeutet die Debatte, dass sich die Rahmenbedingungen beim Krankmelden und die Rolle des Hausarztes im Alltag verändern könnten. Ob die Koalition ihr Vorhaben wie geplant umsetzt oder auf den Druck der Opposition und aus dem Gesundheitswesen reagiert, wird entscheidend dafür sein, wie viel Vertrauen und Eigenverantwortung Beschäftigte künftig in Fragen der Arbeitsunfähigkeit behalten.

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