Hunderte bei Pro-PalÀstina-Demos in Deutschland
15.10.2023 - 18:40:17Nach dem Terrorangriff der islamistischen Hamas auf Israel haben in Deutschland am Wochenende Hunderte Menschen versucht, fĂŒr die Sache der PalĂ€stinenser und gegen israelische Gegenangriffe zu demonstrieren.
In Berlin und Frankfurt am Main galten Versammlungsverbote und die Polizei schritt ein. In Köln und DĂŒsseldorf waren Proteste erlaubt. Teils kamen viel mehr Menschen als angemeldet. Viele Juden in Deutschland sorgen sich wegen der aufgeheizten Stimmung noch mehr als sonst um ihre Sicherheit.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser sagte ihnen verstĂ€rkten Schutz zu. «Es ist furchtbar, dass die Sorgen in vielen Familien groĂ sind», sagte die SPD-Politikerin der «Bild am Sonntag». «Umso wichtiger ist das Signal: Wir stehen fest an eurer Seite! Wir tun alles fĂŒr euren Schutz.» Höchste PrioritĂ€t habe der Schutz von JĂŒdinnen und Juden in Deutschland und von jĂŒdischen und israelischen Einrichtungen. «Der Schutz wurde nochmals verstĂ€rkt», sagte Faeser. AuĂerdem kĂŒndigte die Innenministerin an: «Wir werden alle rechtlichen Möglichkeiten zur Ausweisung von Hamas-UnterstĂŒtzern nutzen.»
CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt meinte in der «BamS»: «Es braucht einen Knallhart-Kurs gegen Juden- und Israel-Hasser mit Konsequenz und HĂ€rte.» Ohne Bekenntnis zum Existenzrecht Israels solle es in Deutschland keinen Asyl- oder anderen Schutzstatus mehr geben dĂŒrfen.
Neue Ansammlungen in Berlin
Den Hamas-Angriff auf Israel vom 7. Oktober hatten vergangene Woche einige Demonstranten in Berlin-Neukölln bejubelt. Politiker bis hin zu BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier reagierten empört. Wegen befĂŒrchteter weiterer extremistischer ĂuĂerungen erlieĂ die Berliner Polizei Demonstrationsverbote.
Trotzdem kamen am Sonntagnachmittag am Potsdamer Platz in Berlin-Mitte nach Angaben der Polizei rund 1000 Menschen zu einer Pro-PalÀstina-Demonstration zusammen. Die EinsatzkrÀfte forderten sie auf, den Platz zu verlassen. Wie dpa-Reporter beobachteten, wurden GegenstÀnde geworfen. Es gab Rangeleien zwischen Demonstranten und Polizisten und mehrere Festnahmen.
Zuvor hatte es am Wochenende vor allem in Neukölln immer wieder Menschenansammlungen gegeben. Am Samstagabend wurden dabei Böller gezĂŒndet und «Free Palastine» skandiert, wie ein dpa-Reporter beobachtete. Die Polizei setzte einige Personen zeitweise fest. Drei hĂ€tten Widerstand geleistet, teilte die Polizei mit. Vereinzelt seien Flaschen geworfen worden.
Protestverbot in Frankfurt am Main
In Frankfurt am Main wurde eine fĂŒr Samstag angemeldete pro-palĂ€stinensische Demonstration nach gerichtlicher ĂberprĂŒfung endgĂŒltig verboten. Mögliche Teilnehmer der Kundgebung verlieĂen nach mehrfacher Aufforderung und Platzverweisen den Opernplatz, wie ein Polizeisprecher sagte. Doch zogen zeitweise etwa 200 bis 300 Demonstranten weiter durch die Innenstadt und riefen: «Deutschland finanziert, Israel bombardiert» und «Freiheit fĂŒr PalĂ€stina». Zugleich gab es pro-israelische Kundgebungen in Frankfurt.
Demonstrationen in Köln und DĂŒsseldorf
In Köln kippte das Verwaltungsgericht das Verbot einer Pro-PalĂ€stina-Demonstration in unmittelbarer NĂ€he einer Pro-Israel-Versammlung. Die Polizei hatte am Freitag die Veranstaltung auf dem Heumarkt untersagt und dies mit deutlichen Anhaltspunkten fĂŒr eine verschĂ€rfte Sicherheitslage begrĂŒndet. Dem folgte das Gericht aber nicht.
In DĂŒsseldorf waren fĂŒr eine Demonstration mit dem Titel «Freies PalĂ€stina» 50 Menschen angemeldet - doch kamen am Samstagnachmittag etwa 700, wie eine Polizeisprecherin sagte. Trotz emotionaler Stimmung registrierte die Polizei keine ZwischenfĂ€lle. Israel droht als Reaktion auf die Hamas-Angriffe mit einer Bodenoffensive im Gazastreifen. Damit könnte sich die Stimmung auch in Deutschland weiter aufheizen.















