FIFA, WM

Nach massivem Widerstand: FIFA gibt InvestorenplÀne auf

Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 01:59 Uhr | dpa.de

Die InvestorenplĂ€ne der FIFA rufen im Weltfußball viel Empörung und Widerstand hervor. Nun verkĂŒndet der Weltverband eine Entscheidung.

  • Gegen die PlĂ€ne von FIFA-PrĂ€sident Gianni Infantino gab es großen Widerstand. (Archivbild) - Bild: Bradley Collyer/PA Wire/dpa
    Gegen die PlĂ€ne von FIFA-PrĂ€sident Gianni Infantino gab es großen Widerstand. (Archivbild) - Bild: Bradley Collyer/PA Wire/dpa
  • Gegen die PlĂ€ne von FIFA-PrĂ€sident Gianni Infantino gab es großen Widerstand. (Archivbild) - Bild: Bradley Collyer/PA Wire/dpa
    Gegen die PlĂ€ne von FIFA-PrĂ€sident Gianni Infantino gab es großen Widerstand. (Archivbild) - Bild: Bradley Collyer/PA Wire/dpa
Gegen die PlĂ€ne von FIFA-PrĂ€sident Gianni Infantino gab es großen Widerstand. (Archivbild) - Bild: Bradley Collyer/PA Wire/dpa Gegen die PlĂ€ne von FIFA-PrĂ€sident Gianni Infantino gab es großen Widerstand. (Archivbild) - Bild: Bradley Collyer/PA Wire/dpa

Der Fußball-Weltverband FIFA gibt seine umstrittenen InvestorenplĂ€ne auf. Der Vorschlag werde nicht weiterverfolgt, erklĂ€rte VerbandsprĂ€sident Gianni Infantino in einer in der Nacht veröffentlichten Stellungnahme. «Nachdem wir uns alle Standpunkte aufmerksam angehört haben, ist deutlich geworden, dass das Projekt zu Spaltungen gefĂŒhrt hat, die – unabhĂ€ngig vom Ausmaß der UnterstĂŒtzung – nicht mehr im Interesse des ursprĂŒnglich angestrebten Ziels liegen», begrĂŒndete Infantino seine abrupte Kehrtwende.

Die PlĂ€ne der FIFA um den mĂ€chtigen PrĂ€sidenten Infantino hatten vorgesehen, mit dem potenziellen Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen Rechte etwa an der Weltmeisterschaft eine Milliardensumme einzuspielen. FĂŒr die Umsetzung wollte die FIFA das Tochterunternehmen FIFA Forward Enterprise (FFE) grĂŒnden. Berichten zufolge setzte sie den VerbĂ€nden fĂŒr die Zustimmung eine Frist bis zum 19. September und stellte im Gegenzug Sonderzahlungen in Aussicht. All das ist nun vom Tisch. 

Infantino: «Sport wieder zusammenbringen»

Infantino erklĂ€rte weiter, Ziel der FIFA sei es, stets zu vereinen und zu verbessern. «Daher wird dieser Vorschlag nicht weiterverfolgt.» Es sei seine Absicht, alle interessierten Parteien in den kommenden Tagen und Wochen «im Geiste des gemeinsamen Interesses an unserem Sport wieder zusammenzubringen, mit dem Ziel, den Fußball ĂŒberall weiter voranzubringen, insbesondere in jenen LĂ€ndern, die unsere UnterstĂŒtzung am dringendsten benötigen». 

Mit dem Projekt habe er die MitgliedsverbÀnde stÀrken wollen. Zur Umsetzung wÀre es ohnehin nur gekommen, wenn eine Mehrheit dem Projekt zugestimmt hÀtte, erklÀrte er in dem Statement weiter. 

UEFA drohte mit WM-Boykott

Die FIFA beugte sich damit dem Druck, der in den vergangenen Tagen immer grĂ¶ĂŸer geworden war. So hatte die europĂ€ische UEFA nicht nur die PlĂ€ne heftig kritisiert, sondern sogar mit einem WM-Boykott gedroht. «Keine Nationalmannschaften aus der UEFA werden an irgendeinem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange diese VorschlĂ€ge weiterbestehen», teilte die UEFA nach einem Dringlichkeitstreffen mit.

Auch die fĂŒr Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zustĂ€ndige Concacaf und der asiatische Fußballdachverband AFC gingen deutlich auf Distanz zu Infantino und seinen PlĂ€nen. Der sĂŒdamerikanische Fußballverband Conmebol bezog dagegen zunĂ€chst keine inhaltliche Position und erklĂ€rte, die PlĂ€ne weiter zu prĂŒfen und forderte zusĂ€tzliche Informationen von der FIFA an.

Zudem bröckelte auch innerhalb der FIFA die UnterstĂŒtzung fĂŒr Boss Infantino. FIFA-Betriebsdirektor Kevin Lamour warf Infantino vor, die Mitarbeiter hintergangen zu haben. Carlos Cordeiro, ein hochrangiger Berater des 56-JĂ€hrigen, trat aus Protest gegen die PlĂ€ne zurĂŒck. Auf LinkedIn schrieb er, er könne als frĂŒherer Banker und lebenslanger Fußball-Fan «nicht tatenlos zusehen, wie die FIFA den Verkauf einer Beteiligung an der Weltmeisterschaft in ErwĂ€gung zieht».

Internationale Presse sieht Niederlage fĂŒr Infantino und die FIFA

Die internationale Presse wertete den RĂŒckzug von den PlĂ€nen als Schlappe fĂŒr die FIFA und Infantino. Die englische «Daily Mail» sprach von einer «peinlichen Kehrtwende» und einer «demĂŒtigenden Niederlage» fĂŒr Infantino, wĂ€hrend die spanische «As» von einem «globalen RĂŒckschlag» fĂŒr den FIFA-PrĂ€sidenten schrieb. «El PaĂ­s» urteilte, der Fußball mit seinen Millionen Fans habe ĂŒber externe Akteure gesiegt und die FIFA verloren. 

Der Schweizer «Blick» sah einen «ungewöhnlichen RĂŒckzieher» eines PrĂ€sidenten, «der in den vergangenen Jahren seine Vorhaben meist ohne grĂ¶ĂŸeren Widerstand durchsetzen konnte». Die französische «L'Equipe» attestierte dem Weltverband eine Krise, wĂ€hrend die italienische «Gazzetta dello Sport» die Aufgabe der InvestorenplĂ€ne mit den Worten «Die Vernunft hat gesiegt» begrĂŒĂŸte.

Burnham fĂŒr Ablösung Infantinos

Mit seiner Kehrtwende könnte es fĂŒr Infantino nun schwierig werden, sich an der Spitze des Fußball-Weltverbandes zu halten. So sprach sich der britische Premierminister Andy Burnham nach Bekanntwerden der PlĂ€ne bereits offen fĂŒr die Ablösung Infantinos aus. Der Schweizer sei «der falsche Mann» an der Spitze des Weltverbandes, sagte der neue Regierungschef. 

UEFA-VizeprĂ€sidentin Laura McAllister sagte bei Sky News, die weltweite Einigkeit gegen die VorschlĂ€ge sende der FIFA ein klares Signal, was Spielern, Fans, Vereinen und FunktionĂ€ren in Zukunft wichtig sei. «Ich hoffe, dass dies fĂŒr den PrĂ€sidenten und die FIFA ein Weckruf ist, damit sie diese Aufgaben weitaus ernster nehmen, als sie es offenbar bisher getan haben.»

Infantino steht auch wegen einer anderen Angelegenheit unter Druck: Er war wĂ€hrend der WM in den USA, Kanada und Mexiko wegen einer auf Anruf von US-PrĂ€sident Donald Trump zurĂŒckgezogenen Sperre von US-StĂŒrmer Folarin Balogun schwer in die Kritik geraten. Damit wurde ein Einsatz des Spielers im Achtelfinale ermöglicht - ein Ă€ußerst ungewöhnliches Vorgehen. Nach Darstellung der FIFA wurde die umstrittene Entscheidung von der formal unabhĂ€ngigen Disziplinarkommission getroffen.

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