AfD, Pressefreiheit

Verdi meldet starke Zunahme von Angriffen auf Journalisten bei AfD-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt

Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi meldet im AfD-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt eine starke Zunahme von Angriffen und Behinderungen gegen Medienschaffende. Besonders häufig werden internationale TV-Teams und überregionale Medien bei Veranstaltungen der Partei bedroht oder in ihrer Arbeit eingeschränkt.

Verdi registriert Dutzende Angriffe auf Journalisten im AfD-Wahlkampf
AfD-Wahlplakat mit Ulrich Siegmund (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in der Gewerkschaft Verdi registriert im AfD-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt eine deutliche Zunahme von Übergriffen und Behinderungen gegen Medienschaffende. Seit Mai wurden demnach mehr als 30 Vorfälle mit mindestens 43 betroffenen Journalisten, TV-Teams und politischen Influencern erfasst.

Deutlich mehr Vorfälle im laufenden Wahlkampf

Nach Angaben der dju haben sich 25 dieser Vorfälle allein in den vergangenen drei Wochen ereignet. Das Spektrum der dokumentierten Einschüchterungen reicht von verbalen Diffamierungen und gezielten Behinderungen der Arbeit über Nachstellungen bis hin zu körperlichen Angriffen, von denen fünf Fälle verzeichnet wurden. Zudem wird von Doxing berichtet, also dem Veröffentlichen personenbezogener Daten im Internet.

Betroffene Sender und Plattformen

In der Auswertung werden unter anderem Behinderungen und Übergriffe gegen Journalisten der Sender RTS, SRF, CBC News, ProSieben, RBB, WDR und MDR sowie des Portals „Politico“ benannt. Erfasst ist auch ein Vorfall bei einer AfD-Veranstaltung in Merseburg, bei dem ein Streamer einen Reporter des Magazins „Spiegel“ anrempelte. Die dju sieht hierin eine Häufung und Verdichtung von Angriffen, die sich gezielt gegen die freie Berichterstattung richten.

Rolle rechter Streamer und Medienaktivisten

Ein wesentlicher Teil der aktuellen Eskalationen geht nach der Auswertung von rechten bis rechtsextremen Streamern und Medienaktivisten aus, die das Umfeld der AfD-Veranstaltungen prägen. Diese Akteure treten häufig mit eigenen Online-Kanälen auf, dokumentieren die Veranstaltungen aus ihrer Perspektive und greifen dabei gezielt professionelle Journalistinnen und Journalisten an oder behindern ihre Arbeit.

Verdi wirft AfD Medienfeindlichkeit vor

Der stellvertretende Verdi-Landesbezirksfachbereichsleiter Lucas Munzke ordnet die registrierten Fälle als Teil einer grundsätzlichen Medienfeindlichkeit der AfD ein. Die Partei bekämpfe nicht nur den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, sondern unterbinde und behindere auch unabhängige Berichterstattung auf Parteitagen, bei Demonstrationen und nun verstärkt im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt. Munzke betont, dass es sich nicht um vereinzelte Vorfälle handele, sondern um ein Muster, das die Bedingungen für journalistische Arbeit in diesem Wahlkampf nachhaltig erschwere.

Die Auswertung der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union innerhalb von Verdi fällt in einen Wahlkampf, der in Sachsen-Anhalt von einer stark polarisierten politischen Stimmung geprägt ist. Die dokumentierten Übergriffe auf Medienschaffende bei AfD-Veranstaltungen fügen sich in einen länger beobachteten Trend wachsender Feindseligkeit gegenüber Medien, insbesondere gegenüber öffentlich-rechtlichen Sendern und überregionalen Angeboten.

Hintergrund der Entwicklung

In den vergangenen Jahren haben sich verbale Angriffe, Drohungen und gezielte Kampagnen gegen Journalistinnen und Journalisten bei politischen Veranstaltungen gehäuft. Dabei spielen gerade Social-Media-Formate, Livestreams und alternative Kanäle eine wachsende Rolle, über die Akteure ihre Anhängerschaft mobilisieren und Stimmung gegen etablierte Medien machen. Die im aktuellen Wahlkampf beschriebenen Vorfälle – von Beschimpfungen über Behinderungen der Arbeit bis hin zu körperlichen Angriffen und Doxing – passen in diese Struktur, gehen hier aber nach der dju-Auswertung deutlich über das bislang Gewohnte hinaus.

Bedeutung für die Pressefreiheit

Für die Pressefreiheit hat die Entwicklung direkte Folgen: Wenn Journalistinnen und Journalisten Einschüchterungen oder körperliche Übergriffe befürchten müssen, steigt die Hürde für kritische und unabhängige Berichterstattung. Das gilt besonders für internationale TV-Teams und überregionale Portale, die auf den geschützten Zugang zu Wahlkampfveranstaltungen angewiesen sind, um ein umfassendes Bild der politischen Lage zu vermitteln. Werden sie gezielt behindert oder angegriffen, kann dies dazu führen, dass bestimmte Räume faktisch medienfrei bleiben oder nur noch durch parteinahe Kanäle abgebildet werden.

Ausblick auf den weiteren Wahlkampf

Für Leserinnen und Leser bedeutet die dokumentierte Zunahme der Übergriffe, dass die Informationslage im Vorfeld wichtiger Abstimmungen stärker umkämpft ist als zuvor. Der Umgang mit Medien wird damit selbst zu einem Wahlkampfthema, an dem sich politische Lager unterscheiden. Ob und in welchem Umfang die beschriebenen Vorfälle zu Ermittlungen, schärferen Sicherheitskonzepten oder klareren Regeln für den Zugang zu Parteiveranstaltungen führen, wird den weiteren Verlauf des Wahlkampfs mitbestimmen und ein Gradmesser dafür sein, wie belastbar die institutionellen Schutzmechanismen für Journalistinnen und Journalisten derzeit sind.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Vor Sachsen-Anhalt-Wahl: Journalist packt über aggressive Stimmung aus – wurde „fast körperlich bedroht“" (01.09.2026)

Der Beitrag schildert anhand eines Erfahrungsberichts eines Journalisten, wie sich die Stimmung gegenüber Medienvertretern in Sachsen-Anhalt deutlich verschärft hat und persönliche Angriffe zunehmend zur Alltagserfahrung werden. Während unser Bericht die systematische Auswertung der dju über konkrete Vorfälle bei AfD-Veranstaltungen darstellt, fokussiert die Reportage auf individuelle Erlebnisse und beschreibt die Atmosphäre im Wahlkampf, in der solche Angriffe wahrscheinlicher werden.

Frankfurter Rundschau: „Vor Sachsen-Anhalt-Wahl: Journalist packt über aggressive Stimmung aus – wurde 'fast körperlich bedroht'" (01.09.2026)

In einer weiteren Fassung des Artikels greift das Medium die Diskussion um mediale Darstellungen der AfD auf und beschreibt, wie Titelgeschichten und zugespitzte Berichterstattung von Anhängern der Partei als Bestätigung einer angeblichen generellen Medienfeindlichkeit interpretiert werden. Im Vergleich zur dju-Auswertung legt dieser Beitrag den Schwerpunkt stärker auf die Wechselwirkung zwischen journalistischer Darstellung und der Reaktion des Publikums, während die dokumentierten Angriffe und Behinderungen im Wahlkampf selbst eher als Teil eines größeren Klimas gesehen werden.

Medienübergreifend zeigen die betrachteten Beiträge, dass sich professionelle Beobachtungen über konkrete, dokumentierte Angriffe und subjektive Erfahrungen im Wahlkampf ergänzen: Einigkeit besteht darin, dass die Aggressivität gegenüber Journalisten zunimmt, unterschiedliche Schwerpunkte liegen auf der Frage, wie stark politische Kommunikation und mediale Inszenierung diese Entwicklung befeuern und welche Folgen dies für künftige Wahlkämpfe und die Arbeitsbedingungen von Medienschaffenden hat.

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