Krankenhausreform auf der Zielgeraden
17.10.2024 - 07:35:22Darauf zielt eine Reform von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), die der Bundestag heute beschlieĂen soll. Die GesetzesplĂ€ne der Ampel-Koalition sollen die bisherige VergĂŒtung mit Pauschalen fĂŒr BehandlungsfĂ€lle Ă€ndern. KĂŒnftig sollen Kliniken 60 Prozent der VergĂŒtung schon fĂŒr das Vorhalten bestimmter Angebote bekommen. Das Vorhaben ist heftig umstritten - Kritiker riefen vor der Abstimmung erneut dazu auf, es zu stoppen.
"Eine Krankenhausreform war und ist richtig. Aber so, wie der Entwurf jetzt vorliegt, darf er nicht umgesetzt werden", sagte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Henriette Neumeyer, der "Rheinischen Post". "Auch die bedarfsnotwendigen Krankenhausstandorte sind durch das Gesetz nicht gesichert." Der Entwurf stehe fĂŒr "eine fortgesetzte kalte Marktbereinigung mit wegbrechenden Krankenhausstandorten und den Einstieg in die Rationierung und Wartelistenmedizin".
Auch der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, warnte, die Abgeordneten könnten die Auswirkungen nicht abschĂ€tzen. "Es gab niemals einen Stresstest, den das gesetzliche Vorhaben in der Praxis durchlaufen hat", sagte er der "Rheinischen Post". Die Reform sei schlecht gemacht und es stehe zu befĂŒrchten, dass der lĂ€ndliche Raum weiter ausblute. "SchlieĂlich ist immer noch unbekannt, welche HospitĂ€ler fĂŒr die jeweiligen Erkrankungen der Menschen zustĂ€ndig sein werden." Ebenso bleibe die Finanzierung "auch fĂŒr die Ăbergangszeit weitestgehend ungeklĂ€rt".
Viele Kliniken schreiben rote Zahlen
In Deutschland gibt es rund 1.700 Kliniken - das Gesundheitsministerium spricht von der höchsten Krankenhaus- und Bettendichte in Europa. Viele Betten seien aber nicht belegt und viele Kliniken schrieben rote Zahlen. Die Reform soll mehr Spezialisierung und weniger BĂŒrokratie bringen.
Das neue Bezahlsystem soll den finanziellen Druck fĂŒr die Kliniken mindern und verhindern, dass sie etwa medizinisch unnötige Operationen aus UmsatzgrĂŒnden machen. Grundlage der Finanzierung durch die Krankenkassen sollen "Leistungsgruppen" sein. Sie sollen die jeweiligen Klinik-Behandlungen genauer beschreiben und bundeseinheitliche QualitĂ€tsvorgaben absichern. Die konkrete Umsetzung der Reform soll Schritt fĂŒr Schritt ĂŒber mehrere Jahre erfolgen.
Die SPD-Gesundheitsexpertin Heike Baehrens sagte der Deutschen Presse-Agentur, die umfassendste Gesundheitsreform der vergangenen 20 Jahre stelle die Weichen fĂŒr eine moderne Krankenhauslandschaft in Deutschland. "FĂŒr die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger bedeutet dies eine gesicherte BehandlungsqualitĂ€t und zuverlĂ€ssige Erreichbarkeit von medizinischer Versorgung in WohnortnĂ€he."
Von Klinikbranche und Opposition kommt seit Monaten Kritik. Die gesetzlichen Krankenkassen begrĂŒĂen mehr Spezialisierung, warnen aber vor weiteren Kostensteigerungen.
Bayern will Vermittlungsausschuss durchsetzen
Die LĂ€nder haben ebenfalls EinwĂ€nde angemeldet. Lauterbach hat das Gesetz aber nicht mehr so angelegt, dass es bei der noch folgenden Befassung im Bundesrat zustimmungsbedĂŒrftig ist. Die LĂ€nderkammer könnte jedoch den Vermittlungsausschuss mit dem Bundestag anrufen und die Reform damit ausbremsen.
Dies strebt die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach an: "Bayern wird sich im Bundesrat fĂŒr die Anrufung des Vermittlungsausschusses einsetzen, um auf diesem Weg doch noch die dringend notwendigen Ănderungen zu bewirken", sagte die CSU-Politikerin der "Augsburger Allgemeinen". "Kleinere KrankenhĂ€user, insbesondere in lĂ€ndlichen Regionen, werden aufgrund der starren und kleinteiligen Voraussetzungen Schwierigkeiten haben, ihr bisheriges Leistungsangebot aufrechtzuerhalten."
Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi Ă€uĂerte sich dagegen optimistischer, nachdem der SPD-Politiker lange Kritik geĂŒbt hatte: "Es geht deutlich in die richtige Richtung. Es hat sich vieles durch unsere Verhandlungen verbessert", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Philippi forderte aber erneut mehr Geld vom Bund fĂŒr die Kliniken. Das Abstimmungsverhalten Niedersachsens Ende November im Bundesrat lieĂ er offen. Entscheidend sei neben der Bereitstellung von Geld, ob eine Auswirkungsanalyse deutliche Vorteile fĂŒr Niedersachsen zeige.
Barmer-Chef sieht zu viele ZugestÀndnisse an LÀnder
Der Vorstandsvorsitzende der Krankenkasse Barmer, Christoph Straub, kritisierte dagegen, dass auf Druck der LÀnder bereits zu viele Ausnahmen vorgesehen seien. "Mittlerweile wurde die Reform so verwÀssert, dass ich sage: besser keine Reform als diese Reform", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Eine Reform, die die Beitragszahlenden sehr viel Geld kostet, aber keine bessere QualitÀt bringt, ist fatal und darf keinesfalls kommen. Die Ampel-Koalition sollte ihre PlÀne beerdigen und der Nachfolgeregierung die Chance geben, es mit einem neuen Anlauf besser zu machen."

