Vorzieheffekten, Zollstreit

Wirtschaft wÀchst doppelt so stark wie erwartet

23.05.2025 - 08:18:35

Die kriselnde deutsche Wirtschaft legt stÀrker zu als erwartet - auch wegen Vorzieheffekten im Zollstreit. Dennoch droht 2025 die lÀngste Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik.

  • Niedrigere Zinsen stĂŒtzen die deutsche Baubranche und machen Hoffnung auf bessere GeschĂ€fte. (Archivbild) - Foto: Julian Stratenschulte/dpa

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  • Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal stĂ€rker gewachsen als erwartet, aber der Zollstreit trĂŒbt die Aussichten fĂŒr den Export. (Archivbild) - Foto: Christian Charisius/dpa

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  • Steigende Ausgaben der Verbraucher stĂŒtzen die deutsche Wirtschaft. (Archivbild) - Foto: Arne Dedert/dpa

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Niedrigere Zinsen stĂŒtzen die deutsche Baubranche und machen Hoffnung auf bessere GeschĂ€fte. (Archivbild) - Foto: Julian Stratenschulte/dpaDie deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal stĂ€rker gewachsen als erwartet, aber der Zollstreit trĂŒbt die Aussichten fĂŒr den Export. (Archivbild) - Foto: Christian Charisius/dpaSteigende Ausgaben der Verbraucher stĂŒtzen die deutsche Wirtschaft. (Archivbild) - Foto: Arne Dedert/dpa

Unerwarteter RĂŒckenwind inmitten der Konjunkturflaute: Die kriselnde deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal mit 0,4 Prozent doppelt so stark gewachsen wie zunĂ€chst geschĂ€tzt. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Steigende Exporte und höhere Konsumausgaben der Verbraucher sorgten fĂŒr Auftrieb beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Vorquartal.

Grund fĂŒr das höhere Wachstum sei die Â«ĂŒberraschend gute konjunkturelle Entwicklung im MĂ€rz», erlĂ€uterte die PrĂ€sidentin des Statistischen Bundesamtes, Ruth Brand. In einer ersten SchĂ€tzung war die Wiesbadener Behörde noch von einem Plus von 0,2 Prozent ausgegangen. «Vor allem die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe sowie die Exporte entwickelten sich besser als zunĂ€chst angenommen», sagte Brand.

Besonders die Exporte, etwa von Autos und Arzneien, stĂŒtzten im ersten Quartal die Wirtschaft. «Vorzieheffekte im schwelenden Handelskonflikt mit den USA dĂŒrften daher zu der positiven Entwicklung beigetragen haben», schrieben die Statistiker.

Die privaten Konsumausgaben stiegen zudem um 0,5 Prozent zum Vorquartal. Mit der abflauenden Inflation und deutlich gestiegenen Löhnen in einigen Branchen haben viele Menschen mehr Geld in der Tasche. Auch wuchsen die Investitionen sowohl in Bauten (plus 0,5 Prozent) als auch in AusrĂŒstungen (plus 0,7 Prozent).

Droht dennoch drittes Rezessionsjahr in Folge? 

Zuletzt hatten sich die positiven Nachrichten zur deutschen Wirtschaft gemehrt. In der Industrie sorgen steigende Auftragszahlen fĂŒr etwas mehr Zuversicht und die Stimmung in der Wirtschaft hellt sich auf: Im Mai stieg der Ifo-Index den fĂŒnften Monat in Folge. Nach EinschĂ€tzung von Ifo-PrĂ€sident Clemens Fuest fasst die deutsche Wirtschaft langsam wieder Tritt.

Den zarten Aufschwung zu Jahresbeginn hatten viele Ökonomen erwartet. Mit der sprunghaften Zollpolitik von US-PrĂ€sident Donald Trump haben sich die Aussichten fĂŒr die exportstarke deutsche Industrie jedoch deutlich verschlechtert. Trotz des Hoffnungsschimmers zum Jahresbeginn droht der deutschen Wirtschaft 2025 somit das dritte Jahr ohne Wachstum in Folge - das gab es noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik.

Zwar hat Trump manche AufschlÀge auf Importe in die USA vorerst ausgesetzt. Doch mit dem allgemeinen Basiszoll von zehn Prozent bleibt das Niveau hoch, zudem haben die USA Einfuhren etwa von Autos und Stahl verteuert.

2025 allenfalls Stagnation erwartet

Die Prognosen fĂŒr die deutsche Wirtschaft wurden zuletzt reihenweise gesenkt. Der SachverstĂ€ndigenrat («Wirtschaftsweise») erwartet 2025 nur noch eine Stagnation der heimischen Wirtschaft - ebenso wie der Internationale WĂ€hrungsfonds (IWF) und die EU-Kommission.

2026 könnte wieder etwas Wachstum bringen: Der SachverstĂ€ndigenrat rechnet dann mit einem Plus von 1,0 Prozent. Die geplanten Milliardenausgaben des Bundes fĂŒr Verteidigung und Infrastruktur dĂŒrften nach EinschĂ€tzung von Ökonomen die Wirtschaft ankurbeln.

Hoffnung auf Reformen und Lösung im Zollstreit 

Eine Entspannung im Zollstreit mit den USA und Reformen könnte die Wirtschaft zudem in Schwung bringen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) sah zuletzt nach GesprĂ€chen im Kreis der sieben großen Industriestaaten (G7) positive Signale im Zollstreit.

Die Wirtschaft setzt darĂŒber hinaus auf Reformen der neuen Bundesregierung. Das Bundeskabinett wird nach Worten von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bis Mitte Juli ein erstes Entlastungspaket fĂŒr Unternehmen auf den Weg bringen. Enthalten sein sollen demnach eine Senkung der Stromsteuer und erste Arbeitsmarktreformen.

@ dpa.de