«Historisch» - Kultusministerkonferenz stellt sich neu auf
14.06.2024 - 16:27:06Die Kultusministerkonferenz (KMK) stellt sich neu auf: Ab dem 1. Juli werden innerhalb des Gremiums eigenstĂ€ndige Ministerkonferenzen fĂŒr Bildung, Wissenschaft und Kultur eingerichtet, wie die KMK im saarlĂ€ndischen Völklingen mitteilte. Diese Konferenzen sollten jeweils ihre Themen eigenstĂ€ndig bearbeiten. Einmal im Jahr gibt es dann fĂŒr gemeinsame Themen eine Tagung der drei Ministerkonferenzen.
«Heute ist ein historischer Tag», sagte dazu der saarlĂ€ndische Wissenschaftsminister Jakob von WeizsĂ€cker (SPD) als KMK-PrĂ€sidiumsmitglied. Mit der Reform werde die Arbeitsweise der KMK viele Jahrzehnte nach ihrer GrĂŒndung an die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts angepasst. «Durch die Reform kann die KMK zukĂŒnftig nicht nur besser auf aktuelle Herausforderungen reagieren, sondern kann noch aktiver mitgestalten», sagte KMK-PrĂ€sidentin Christine Streichert-Clivot (SPD).
Prinzip der Einstimmigkeit
Ziel sei weiterhin, «wegweisende Entscheidungen einstimmig zu treffen», sagte die rheinland-pfĂ€lzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). Gleichzeitig mĂŒsse aber geprĂŒft werden, wie AbstimmungsmodalitĂ€ten angepasst werden könnten, «um auch in Zukunft schlagfĂ€hig» zu bleiben. Hintergrund ist, dass im Falle von möglichen AfD-Regierungen kĂŒnftig keine BeschlĂŒsse blockiert werden können.
Es mĂŒsse auch möglich werden, «einmal Entscheidungen herbeizufĂŒhren, bei dem möglicherweise nicht alle mitmachen und wir nicht einen Minimalkonsens haben», sagte Hubig. Die KMK habe einen Beschluss gefasst, «der den Weg bereitet, noch einmal ĂŒber die Dinge nachzudenken».Â
Zudem sei beschlossen worden, dass wenn ein Land die KMK verlassen wolle, sich die KMK nicht auflösen mĂŒsse, sagte die saarlĂ€ndische Ressortchefin Streichert-Clivot. Weiter solle die «ausufernde Zahl» an Gremien reduziert werden. «AgilitĂ€t, schnelle BeschlĂŒsse und politischer werden, das ist das Ziel dieser Veranstaltung», sagte sie.
Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) plĂ€dierte dafĂŒr, «dass wir uns nicht zu sehr treiben lassen von Ăngsten vor irgendwelchen Wahlergebnissen». Aber natĂŒrlich mĂŒsse man auch «dafĂŒr Sorge tragen, dass nicht einzelne LĂ€nder wesentliche Entwicklungen blockieren können».Â
Forderung nach Digitalpakt 2.0 fĂŒr Schulen
Im Streit mit dem Bund um Geld fĂŒr die Digitalisierung an Schulen fordern die LĂ€nder, das die Verhandlungen zum Förderprogramm Digitalpakt Schule 2.0 so schnell wie möglich abgeschlossen werden. «Unsere Kinder und Jugendlichen, Schulen und SchultrĂ€ger können nicht auf die dringend benötigten digitalen Investitionen warten», sagte Streichert-Clivot (SPD). Man erwarte, dass sich der Bund konstruktiv in die Verhandlungen einbringe.
Seit Monaten dringen die LĂ€nder beim Bund auf Klarheit ĂŒber die Finanzierung der geplanten Neuauflage eines milliardenschweren Förderprogramms. Die KMK will vom Bund ab 2025 jĂ€hrlich mindestens 1,3 Milliarden Euro zur Finanzierung und Weiterentwicklung der digitalen Infrastruktur. «Wir erwarten fĂŒr Anfang Juli eine klare ĂuĂerung des Bundes, wie hoch der Finanzierungsanteil des Bundes sein wird», sagte die KMK-PrĂ€sidentin.Â
An dem im Mai ausgelaufenen ersten Digitalpakt hatte sich der Bund seit 2019 mit 6,5 Milliarden Euro beteiligt. Damit hatte er 90 Prozent der Ausgaben fĂŒr die Digitalisierung in den Schulen wie Laptops und digitale Tafeln finanziert. Die restlichen zehn Prozent wurden von LĂ€ndern und Kommunen getragen. KĂŒnftig will der Bund eine 50/50-Finanzierung. Das ĂŒberfordere die LĂ€nder aber, hieĂ es. Das neue Förderprogramm soll bis 2030 laufen.Â
Neue Wege ins Lehramt
Angesichts Lehrermangels eröffnet KMK neue Wege zum Lehrerberuf. Auch Ein-Fach-LehrkrĂ€fte mit nur einem Studienfach sowie Absolventen sogenannter Quereinstiegs-MasterstudiengĂ€nge und dualer StudiengĂ€nge könne nun Lehrer werden. Die neue Regelung wolle auch die MobilitĂ€t der zusĂ€tzlich gewonnenen LehrkrĂ€fte ĂŒber LĂ€ndergrenzen hinweg erleichtern. Dabei sollten gleichwertige Chancen auf Einstellung und gerechte Besoldung sichergestellt werden, hieĂ es.Â
«Wir stehen vor der Herausforderung, die LehrkrĂ€ftebildung flexibler und durchlĂ€ssiger zu gestalten», sagte Streichert-Clivot. «Mit den neuen Regelungen fĂŒr die Qualifizierung und MobilitĂ€t von LehrkrĂ€ften, die ĂŒber alternative Wege in den Beruf kommen, stĂ€rken wir nicht nur die LehrkrĂ€fteversorgung, sondern fördern auch die Anerkennung verschiedener Bildungs- und Professionalisierungswege.» Gleichzeitig sollten LĂ€nder weitere Möglichkeiten bekommen, auf lĂ€nderspezifische Bedarfssituationen zu reagieren.Â


