Experte, Situation

Experte: Situation GeflĂŒchteter verschĂ€rft psychische Erkrankungen

24.01.2025 - 16:22:01

Die Lebenssituation von GeflĂŒchteten in Deutschland trĂ€gt nach EinschĂ€tzung des Dachverbands Psychosozialer Zentren in Deutschland zur Auslösung oder VerstĂ€rkung psychischer Erkrankungen bei.

"Die UnterkĂŒnfte sind in der Regel MassenunterkĂŒnfte. Schwer traumatisierte Menschen werden in Gemeinschaftszimmern untergebracht, darunter auch Kinder", sagte der GeschĂ€ftsleiter der Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren fĂŒr FlĂŒchtlinge und Folteropfer (BAfF), Lukas Welz, ntv. Hinzu kommt demnach ein unsicherer Rechtsstatus, der oftmals jahrelang ungeklĂ€rt ist und begleitet wird von Debatten ĂŒber Abschiebungen. "Das ist ein hoher Unsicherheitsfaktor", so Welz.

"Viele sind zur PassivitĂ€t verdammt, dĂŒrfen nicht arbeiten gehen und haben keine sozialen Möglichkeiten, den Tag zu gestalten oder sich selbst zu ermĂ€chtigen." Auch rassistische Ausgrenzung könne zu einer starken Belastung fĂŒhren. "Psychische Erkrankungen werden hier mitunter verschĂ€rft oder sogar mit ausgelöst." Welz kritisiert ein unzureichendes Hilfsangebot. "Eine psychosoziale Beratung, die stabilisierend oder auffangend wirken könnte, fehlt in vielen UnterkĂŒnften." HĂ€ufig komme es erst gar nicht zu einer Identifizierung der psychischen Erkrankung. Zudem schließe das Asylbewerberleistungsgesetz GeflĂŒchtete von Sozial- und Gesundheitsleistungen aus, so der BAfF-GeschĂ€ftsleiter. "Das fĂŒhrt dazu, dass nur ein Bruchteil jener, die psychotherapeutischen Behandlungsbedarf haben, diesen auch finanziert bekommen." Deutschland habe in dieser Hinsicht ein strukturelles Problem. Der Experte geht davon aus, dass diese Situation politisch gewollt ist. "Die Politik lĂ€sst sich treiben von rechtspopulistischen Forderungen. Das Argument ist ja, Deutschland fĂŒr geflĂŒchtete Menschen möglichst unattraktiv zu machen", sagte Welz. "Dabei ist eine angemessene psychische Stabilisierung Gelingensbedingung fĂŒr Integration und Teilhabe und sollte entsprechend staatlich, nachhaltig und flĂ€chendeckend gefördert werden." Am Mittwoch hatte in Aschaffenburg ein offenbar psychisch kranker Mann aus Afghanistan ein marokkanisch-stĂ€mmiges Kind und einen Erwachsenen getötet. "Der TĂ€ter von Aschaffenburg etwa wurde offenbar in eine Umgebung verlegt, in der die psychosoziale Anbindung nicht ausreichend war, obwohl er davor in psychiatrischer Behandlung war", sagte Welz.

@ dts-nachrichtenagentur.de