Islamistische, Terrorgefahr

Islamistische Terrorgefahr so groß wie lange nicht

11.06.2024 - 06:14:44

Die militĂ€rische Niederlage der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak 2017 und in Syrien 2019 war ein DĂ€mpfer fĂŒr die Szene weltweit. Jetzt wĂ€chst die dschihadistische Gefahr wieder.

Die Bedrohung durch islamistische TerroranschlĂ€ge ist in Deutschland nach EinschĂ€tzung des Verfassungsschutzes aktuell deutlich höher als in den vergangenen Jahren - auch wegen des Gaza-Kriegs. «Das Risiko dschihadistischer AnschlĂ€ge ist so hoch wie seit langem nicht mehr», sagte der PrĂ€sident des Bundesamtes fĂŒr Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, der dpa in Berlin. Die Sicherheitsbehörden bearbeiten nach seinen Worten vermehrt entsprechende Hinweise.

Der Chef des Inlandsgeheimdienstes nennt fĂŒr das gestiegene Anschlagsrisiko - auch durch selbst radikalisierte EinzeltĂ€ter - verschiedene GrĂŒnde. So habe die MachtĂŒbernahme der islamistischen Taliban in Afghanistan die dschihadistische Idee insgesamt befördert. Ein weiterer Faktor sei das Erstarken der Terrormiliz Islamischer Staat Provinz Khorasan (ISPK), gerade in Pakistan und Afghanistan. Weiter sagte Haldenwang, Koran-Verbrennungen in Skandinavien sowie der israelische MilitĂ€reinsatz gegen die islamistische Hamas im Gazastreifen hĂ€tten ebenfalls dazu beigetragen, «dass sich Radikalisierungsspiralen in Gang setzen».

Deutschland stÀrker im Fokus als andere LÀnder

Haldenwang sagte der dpa: «Die Situation in Nahost nach dem Terrorangriff der Hamas ist definitiv eine weitere Ursache fĂŒr die VerschĂ€rfung der Bedrohungslage durch den islamistischen Terrorismus.» Klar sei auch: «Deutschland steht stĂ€rker als andere europĂ€ische LĂ€nder im Fokus von Dschihadisten, weil unser Land neben den USA als einer der wichtigsten UnterstĂŒtzer Israels gilt.»

Ein 25-jĂ€hriger Afghane hatte Ende Mai fĂŒnf Teilnehmer einer Kundgebung der islamkritischen Bewegung Pax Europa sowie einen Polizisten in Mannheim mit einem Messer verletzt. Der 29 Jahre alte Beamte Rouven Laur erlag spĂ€ter seinen Verletzungen. Die Ermittler vermuten ein islamistisch-extremistisches Tatmotiv.

Haldenwang: Sicherheitslage ist «sehr angespannt»

Seine Behörde habe die Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus nie unterschĂ€tzt, sondern vielmehr wiederholt darauf hingewiesen, «dass die Sicherheitslage sehr angespannt ist», sagte der PrĂ€sident des Verfassungsschutzes. Die grĂ¶ĂŸte Gefahr fĂŒr die Sicherheit zu benennen, sei derzeit kaum möglich, fĂŒgte er hinzu.

«Wir haben es aktuell mit einem Dreiklang zu tun: Die Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus, das vor allem durch den Rechtsextremismus auch mit den Themen Fremden- und Muslimfeindlichkeit aufgeheizte gesellschaftliche Klima und die Einfluss- und SpionageaktivitÀten fremder Staaten.» Hinzu komme die Bedrohung durch den zunehmend gewaltorientierten Linksextremismus.

@ dpa.de