Gesetzliche, Krankenkassen

Gesetzliche Krankenkassen mit tiefroten Zahlen 2024

07.03.2025 - 15:07:19

Die Milliardenkosten fĂŒr die Gesundheitsversorgung steigen und steigen. Das schlĂ€gt hart auf die Finanzen der Kassen durch. Wird bald gegengesteuert?

Die gesetzlichen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr tiefrote Zahlen geschrieben. Das Defizit betrug 6,2 Milliarden Euro, wie das Bundesgesundheitsministerium nach vorlÀufigen Zahlen in Berlin mitteilte. Die Finanzreserven der Kassen lagen demnach Ende 2024 noch bei 2,1 Milliarden Euro oder 0,08 Monatsausgaben. Dies entsprach nicht einmal mehr der HÀlfte der gesetzlich vorgesehenen Mindestreserve von 0,2 Monatsausgaben. 

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sagte, das hohe Defizit der Kassen 2024 und der starke Anstieg der ZusatzbeitrĂ€ge zu Jahresbeginn seien nicht nur Ergebnis eines inflationsbedingt hohen Anstiegs der Ausgaben fĂŒr Personal und medizinische Leistungen. «Sie sind auch darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass in den vergangenen Legislaturperioden versĂ€umt wurde, das Gesundheitssystem zu modernisieren und die Strukturen fĂŒr die Zukunft fit zu machen.»

VorschlÀge zur Finanz-Stabilisierung

Lauterbach wies auf die beschlossene Krankenhausreform und eine stĂ€rkere Digitalisierung hin. Er forderte zugleich: «Wir mĂŒssen verhindern, dass die BeitragssĂ€tze weiter steigen. DafĂŒr mĂŒssen die Strukturreformen weiter umgesetzt und mehr Steuermittel in die Hand genommen werden.» Unter anderem solle der seit 2017 nicht mehr erhöhte Bundeszuschuss fĂŒr versicherungsfremde Leistungen regelhaft dynamisiert werden.

Bei den gesetzlichen Krankenkassen standen im vergangenen Jahr Einnahmen von 320,6 Milliarden Euro Ausgaben von 326,8 Milliarden Euro gegenĂŒber. Die Leistungsausgaben stiegen um 8,1 Prozent, wĂ€hrend die Verwaltungskosten sich um 0,6 Prozent verringerten. GrĂ¶ĂŸter Posten waren Klinikbehandlungen, fĂŒr die die Ausgaben im Vergleich zu 2023 um 8,1 Milliarden Euro auf 101,7 Milliarden Euro anwuchsen. FĂŒr Arzneimittel gaben die Kassen 55,2 Milliarden Euro aus, fĂŒr Arztbehandlungen in Praxen 50,1 Milliarden Euro.

Kassen fordern sofortiges Handeln

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen erklĂ€rte, am Ende dieser Wahlperiode sei festzustellen, dass die Ausgaben noch schneller stiegen als zuvor. «Das ist ebenso erschreckend wie es deutlich macht, dass sofort gehandelt werden muss», sagte Sprecher Florian Lanz. Der Verband fordert, dass es keine Preis- oder Honorarerhöhungen mehr geben dĂŒrfe, die ĂŒber die laufenden Einnahmen hinausgehen. «Wir wollen keine KĂŒrzungen», sagte Lanz. Überproportionale ZuwĂ€chse bei Pharmaindustrie, Kliniken und Ärzteschaft könne sich aber keine Beitragszahlerin und kein Beitragszahler mehr leisten.

Wegen der steigenden Kosten hatten Krankenkassen zu Jahresbeginn auf breiter Front BeitrĂ€ge erhöht. Laut Ministerium hoben 82 Kassen ihren Zusatzbeitrag an. Bei elf Kassen blieb er unverĂ€ndert, nachdem es teils schon 2024 Erhöhungen gegeben hatte. Im Schnitt lag der Zusatzbeitrag Anfang 2025 bei 2,92 Prozent und damit höher als der amtliche Orientierungswert von 2,5 Prozent. Zum Gesamtbeitrag gehört neben dem Zusatzbeitrag, den jede Kasse fĂŒr sich bestimmt, der allgemeine Satz von 14,6 Prozent des Bruttolohns.

@ dpa.de